Christina Kubisch Preisträgerin des SR Medienkunstpreises 2009 – Medienkunstpreis wird zum zehnten Mal verliehen

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Den Medienkunstpreis des Saarländischen Rundfunks 2009 hat die Jury Christina Kubisch zuerkannt. Der Jury gehören an: Frank Johannsen für den SR-Hörfunk, Rainer Petto für das SR Fernsehen und der Bremer Kunstkritiker Rainer Schossig.

Die 1948 in Bremen geborene Komponistin und Klangkünstlerin trat schon früh mit Projekten im Schnittfeld von Bildender Kunst, Medien und Musik in Erscheinung. In den 70er Jahren waren es vor allem genderkritische Video-Performances, gefolgt seit Beginn der 80er Jahre von raumbezogenen Klanginstallationen mit magnetischer Induktion und anderen meist selbstentwickelten audiovisuellen Mitteln. Seit mehr als 20 Jahren bezieht Christina Kubisch auch Licht und Materialstrukturen in ihre Arbeiten ein, die in ihren oft großformatigen Installationen visuelle und akustische Elemente zu einer neuen Einheit verbinden. Nach Studien- und Lehraufenthalten in Deutschland, der Schweiz und Italien sowie Gastprofessuren unter anderem in den Niederlanden und Frankreich lebt sie seit 1986 in Berlin: Sie ist dort Mitglied der Akademie der Künste. Seit Jahren experimentiert sie erfolgreich mit Klangspaziergängen im öffentlichen Raum, wobei sie das Publikum mit speziellen elektromagnetischen Kopfhörern zu einer bisher unbekannten Art der Wahrnehmung der Alltagswelt einlädt. Christina Kubisch lehrt seit 1994 als Professorin für Plastik und Audiovisuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Dort hat sie mittlerweile eine neue, junge Generation von vielseitigen Medienkünstlern und – Künstlerinnen herangebildet.
Den SR Medienkunstpreis 2009 wird Intendant Fritz Raff am Freitag, 29. Januar, an Christina Kubisch übergeben.
Zehn Jahre SR Medienkunst-Preis
Medienkunst? Sie sind sich so nah, und doch so fremd: die Kunst und die Medien. Sie sind einander verwandt, weil beide sich der gleichen elektronischen Mittel bedienen. Aber das Verhältnis zwischen den Journalisten in den elektronischen Medien und den Medienkünstlern ist angespannt. Medienkunst, das waren für die abgebrühten Leute in Hörfunk und Fernsehen lange Zeit diese unprofessionellen Videos mit dem großem Anspruch und der schlechten Technik. Die Künstler ihrerseits grenzten sich von nichts schärfer ab als von den Massenmedien, die ihrer Ansicht nach ästhetischen Missbrauch mit den erhabenen Medien Bild und Ton betrieben.
Bei der saarländischen Landeskunstausstellung fiel zwei Kulturleuten vom Saarländischen Rundfunk etwas auf. Zwischen all den Gemälden und Skulpturen war der quantitative und qualitative Anteil der so genannten Medienkunst beträchtlich. Doch diese Kunstrichtung, der sie sich durch ihren Beruf verbunden fühlten, war arg benachteiligt. Das breite Publikum mochte ohnehin nicht einsehen, dass man Kunst statt mit dem Pinsel oder dem Meißel auch per Mouse click machen konnte. Aber auch bei der professionellen Kritik fehlte die rechte Anerkennung, fehlten die Maßstäbe zur Beurteilung. Und geschäftlich hatten es die Medienkünstler ohnehin schwer – wer gab schon Geld aus für flackernde Werke, die man nicht mit dem Nagel an der Wohnzimmerwand befestigen oder repräsentativ auf dem Parkettboden aufstellen konnte?
Und so schlugen Frank Johannsen, Programmchef von SR 2 KulturRadio, und Rainer Petto, Redakteur des Fernsehmagazins „Kulturspiegel“, dem Intendanten Fritz Raff vor, dass der SR als das führende elektronische Medium in der Region einen Preis stiften sollte, um Medienkunst zu fördern und zu unterstützen. Tatsächlich konnte der SR-Medienkunst-Preis, der inzwischen mit 2.500 Euro dotiert ist, schon im gleichen Jahr 2000 zum ersten Mal vergeben werden, und zwar für ein Klangkunstwerk der Saarbrücker Kunststudentin Natalie Bewernitz.
Der SR Medienkunst-Preis sollte keine Auszeichnung für Teilnehmer der Landeskunstausstellung bleiben, die ohnehin nur alle vier Jahre stattfindet. Die Auslober nahmen sich die Freiheit, Preisträger nach den unterschiedlichsten Gesichtspunkten auszugucken. Immer in der Jury: der Bremer Kulturjournalist Rainer B. Schossig, ein Garant dafür, dass persönliche Beziehungen in die Region keine Rolle spielten. Bewerben konnte man sich nur zwei Mal. Im Jahr 2001, als der Preis unter Absolventen der Hochschule der Bildenden Künste ausgeschrieben wurde, ging er an das Saarbrücker Videokünstlerinnen-Paar Klaudia Stoll und Jacqueline Wachall. Im Jahr darauf wurde auch in Luxemburg und Ostfrankreich ausgeschrieben, Preisträger wurde der aus Luxemburg stammende Gast Bouschet für seine groß angelegten Internet-Projekte. 2006 ging die Auszeichnung noch einmal ins Großherzogtum, an die junge Künstlerin Su-Mei Tse, die mit der Gestaltung des Luxemburger Pavillons auf der Biennale in Venedig auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Gefördert wurden nicht nur Künstler, sondern auch Persönlichkeiten, die sich der Verbreitung dieser schwierigen Kunstrichtung verschrieben haben. Anita Beckers ist mit ihrer Frankfurter Galerie die erste Adresse in Deutschland für Medienkunst, aber mit einem Preis war ihre Arbeit noch nie anerkannt worden ? bis sie 2005 den SR-Medienkunst-Preis entgegennehmen konnte. Ähnlich 2003 der Fall des Wissenschaftler Rudolf Frieling, der am Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe als wichtiger Vermittler hinter den Kulissen wirkt.
Eines wurde im Lauf der Jahre immer deutlicher: Der wesentliche Unterschied bei der Verwendung von Bild und Ton in den Massenmedien und in der Medienkunst ist der Umgang mit dem Faktor Zeit. Das Fernsehen hat sich mit schnellen Schnitten und Szenenwechseln auf den ungeduldigen Zuschauer eingestellt. Sieht man von der Gruppe „Die Redner“ mit ihrer Multimedia-Performance „JFK-Show“ (Preisträger 2007) ab , so rechnen die Medienkünstler immer mit einem Betrachter, der sich viel Zeit nimmt. Geradezu programmatisch war das 2008 bei den Videos von Imre Ostmann zu sehen: Ein Beobachter, Rücken zum Publikum, steht vor einer Landschaft, in der nichts passiert, außer dass der Tag kommt und vergeht. Wer sich darauf einließ, erlebte eine ganz andere Art von Spannung, als Krimis sie bieten.
Immer wieder waren Absolventen der Hochschule der Bildenden Künste Saar unter den Preisträgern (außer den Genannten 2004 Gab. Heller). Kein Wunder, gehörten hier doch von der Gründung an die so genannten Neuen Medien mit renommierten Dozenten zum Studienangebot. Und so schließt sich im zehnten Jahrgang der Kreis mit der Preisträgerin Christina Kubisch, die seit vielen Jahren als Professorin an der HBK lehrt und die nun als innovative Medienkünstlerin geehrt wird
Die Preisträgerinnen und Preisträger des SR Medienkunstpreises im Überblick:
2000 (damals noch: SR Kunstpreis Neue Medien) Natalie Bewernitz
2001 Klaudia Stoll und Jacqueline Wachall (Duo Stoll Wachall, für die Video-Klanginstallation „dream stereo“
2002 Gast Bouschet, Video-und Klangkünstler, für sein Projekt „The Trust“
2003 Rudolf Frieling, Wissenschaftler, ZKM Ludwigsburg, für seine Verdienste um die Vermittlung von Medienkunst
2004 Gab Heller für ihre Video-Film-Projektion „Tunnels“
2005 Anita Beckers für ihre Vermittlungs-Tätigkei als Video-Galeristin
2006 Su-Mei Tse für ihre Video-und Klanginstallationen
2007 „Die Redner“ (Claas Willeke, Florian Penner, Oliver Strauch und Bernhard Wittmann) für ihr Programm „JFK-Show“
2008 Imre Ostmann für seine Video-Klang-Installation „Zu Besuch bei Äolus und Terminus“
2009 Christina Kubisch für ihr Gesamtwerk
Links: www.sr-online.de/dersr/112/242344.html ; www.christinakubisch.de ; HBK über http://134.96.77.91/personen.html .

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Funkhaus Halberg – 66100 Saarbrücken
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Internet: http://www.sr-online.de

Beitrag von am 17. Dezember 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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