Der große Baumarkt-Test – Gibt es offline gute Beratung?

Abgelegt unter: Haus & Garten |


Wir wollten es wissen! Lohnt es sich, seine Akku Heckenschere im Baumarkt zu kaufen? Schließlich ist nicht jeder Profi auf dem Gebiet, und hat bereits Erfahrungen mit verschiedenen Geräten. Darum wünscht man sich beim Kauf eine kompetente, umfassende und unabhängige Beratung. Ob man jedoch beim persönlichen Gespräch wirklich die relevanten Informationen erhält, und ob diese bei der Kaufentscheidung wirklich weiter helfen? Das haben wir in unserem zweiwöchigen, umfangreichen Baumarkt-Test versucht herauszufinden.

Unser Ansatz

Wir sind in mehreren Städten und Gemeinden in Deutschland auf Baumarkt-Tour und geben uns als möglichst unbedarfter Kunde aus, der eine 30m lange Thuja-Hecke im Schrebergarten ohne Stromanschluss besitzt.

Unsere Prüfkriterien

Wartezeit: Wie lange dauert es, bis ein Verkäufer Zeit für uns hat?
Fachwissen: Beantwortet er uns unsere Fragen fachkundig?
Zusatzinformationen: Kommt interessiertes Feedback? Wird nach zu schneidender Heckenart gefragt? Werden hilfreiche Tipps gegeben?
Auswahl: Wie groß ist die Auswahl an Geräten und Herstellern?
Preis: Wie teuer bezahlt man Beratung und Verkaufsfläche?

Die letzte Frage kann nach dem Vergleich direkt beantwortet werden

Baumärkte kennen das Internet auch. Die Preise unterschieden sich bis auf wenige Ausnahmen nur um wenige Euro, sowohl untereinander als auch zu den Preisen im Internet. Ein Preiskampf findet bei Heckenscheren nicht sichtbar statt.

Hagebaumarkt Brunnthal

Die Auswahl in dem riesigen Baumarkt ist groß. Auch bei Heckenscheren: neben der Eigenmarke Mr. Gardener findet man Bosch, Makita und Gardena. Insgesamt sind sechs Modelle zu finden, sowie drei Teleskop Akku Heckenscheren.

Ich habe Zeit alle Geräte in die Hand zu nehmen und Handhabung und Gewicht (natürlich ohne Akku) zu testen. Viel Zeit. Denn auch nach 20 Minuten ist kein Verkäufer zu sehen. Ich frage absichtlich nicht in der Nachbarabteilung oder gehe zur Information – unsere Spielregeln sollen Kundenfreundlichkeit wiederspiegeln. Und hier versagt der Hagebaumarkt in seinem Gartencenter Floraland. Obwohl ich mit einer Gardena Teleskop Heckenschere gut sichtbar hantiere taucht kein Berater aus seinem Versteck auf. Da kann es keine Punkte geben.

Rettenberger Ottobrunn

Der kleine mittelständige Baumarkt ist das Gegenteil der großen, bekannten Ketten. Der nur ein knappes Dutzend Autos fassende Parkplatz ist Samstag Nachmittag voll gefüllt, und wir müssen erst einen anderen Kunden heraus fahren lassen bevor wir parken können. Die Akku Heckenscheren finden wir gleich in der Nähe des Eingangs – zwei Bosch und eine Gardena. Von Stihl gibt es nur eine Heckenschere mit lästigem Kabel.

Bevor wir uns umschauen können steht schon ein Verkäufer bei uns und bietet seine Hilfe an. Er fragt gezielt nach unseren Wünschen, etwa der Heckengröße und Verfügbarkeit von Strom, und empfiehlt uns dann die Bosch AHS 55-20. Von Gardena rät er ab, Gardena kaufe Akkutechnik und Motoren nur hinzu und habe selber keine Erfahrung damit. Angesprochen auf die Unterschiede zwischen den beiden Bosch-Modellen muss er jedoch auf die Verpackungen schauen, und vermutet dann, dass sie wohl unterschiedliche Schwertlängen haben.

Mehr Fachwissen ist dann bei praktischen Fragen da: Wie schütze ich mich beim Schneiden vor Verletzungen? Er empfiehlt eng anliegende Handschuhe, Schutzbrillen fände er bei mir als Brillenträger nicht notwendig. Wichtiger sei, sich nach dem Schnitt genau auf Zecken zu untersuchen – das sei eine große Gefahr. Ob er unseren Sicherheitsratgeber wohl kennt?

Obi Leipzig

Der Baumarkt mit dem orangenen Biber hat eine gute Auswahl an Heckenscheren, neben den Platzhirschen Bosch, Einhell und Black und Decker auch die chinesische Marke Worx sowie die Obi-Tochter Lux.

Bei der Beratung standen einzig die Vorteile der Akku-Technologie im Vordergrund. Auf Fragen zu Unterschieden bezüglich Motoren, Scheren oder Sicherheitsausstattung wusste der Verkäufer keine befriedigende Antwort.

Positiv muss bewertet werden, dass der Verkäufer nach Größe der Hecke und Aststärke gefragt hat – bei alten, eingewachsenen Hecken mit dicken Ästen will man kein Billiggerät nutzen. Hier fehlte uns der Hinweis darauf, dass man dicke Äste (>2cm) generell mit Gartenscheren schneiden sollte, und niemals mit Heckenscheren, da das die Schneidezähne beschädigen kann! Immerhin kam dann aber noch der Hinweis, dass der Akku nicht Frost ausgesetzt werden darf.

Obi empfahl uns mit dem Hinweis auf die Verarbeitungsqualität klar Boschgeräte, ohne die Empfehlung aber auf eines der drei vorhandenen Geräte zu konkretisieren.

Hornbach Leipzig

Der andere orangene Baumarktriese hat eine mittelprächtige Auswahl: Bosch natürlich, daneben den Japaner Hitachi, die Einhell-Billigmarke Pattfield sowie die italienische Marke Alpina.

Bei der Beratung standen konzentrierte sich ebenfalls sehr auf die Vorteile der Akku-Technologie im Vordergrund. Allerdings wurde nach der Frage zu Heckengröße und Aststärke dann eine konkrete Empfehlung zur Bosch AHS 55-20 ausgesprochen, Begründung erneut mit „deutscher Markenhersteller“.

Für stärkere Äste ginge die Empfehlung eher zu der 40V Hitachi. Hier fehlte uns der Hinweis auf die wegen der geringen Verbreitung mangelhafte Unterstützung in Deutschland (Ersatzteile) sowie darauf, dass man dann vorhandene Akkus natürlich nicht benutzen kann und Akku und Netzteil teuer zukaufen muss.

Insgesamt eine noch befriedigende Beratungsleistung, jedoch ohne klar durch Fachwissen begründete Empfehlungen.

TOOM Leipzig

TOOM verfolgt bei der Präsentation seiner Heckenscheren ein weniger benutzerfreundliches Konzept: Die japanische Marke RYOBI wird prominent ausgestellt, Bosch und Gardena sind versteckt und lieblos in einer Ecke woanders platziert. Auch der herbei gerufene Verkäufer empfahl direkt ohne große Nachfragen ein Ryobi-Gerät. Als wir gezielt nach Alternativen, z.B. Bosch fragten, konnte der Verkäufer das Gerät zwar empfehlen, aber wusste keinerlei Details zum Produkt, wie etwa Akkulaufzeit oder Voltzahl.

Bei Nachfragen zum Hersteller Ryobi wurden wir zur Information verwiesen. Aber auch die Kollegin dort konnte trotz vorhandenen Prospekten wenig weitere Informationen liefern. Schließlich gesellte sich noch eine dritte Kollegin hinzu, die ebenfalls nicht weiterhelfen konnte, aber selbstsicher behauptete, Ryobi-Geräte seien den Bosch-Geräten deutlich überlegen. Auf kritische Fragen zu dieser Behauptung ging sie nicht ein.

Unabhängige Beratung sieht anders aus. Hier wird aus Gründen, über die wir nicht spekulieren wollen, eine Marke klar bevorzugt dargestellt. Beratung findet praktisch nicht statt.

Bauhaus München

Die Münchner Filiale des schweizerischen Baumarkt-Giganten Bauhaus setzt beim Thema Heckenschere noch deutlich auf alte Technik: Hauptsächlich kabelgebundene und benzingetriebene Heckenscheren sind im Angebot. Nur drei Akku Heckenscheren und zwei Teleskopscheren sind mit moderner Akku-Technik verfügbar.

Auch die Beratung ist nicht auf neustem Stand. Ein Verkäufer ist zwar relativ zügig anwesend, aber er wirkt sehr gehetzt und ist eher uninformativ: „Kucken Sie halt auf die Produktbeschreibungen, Sie müssen ja selbst wissen, was sie benötigen“. Eine ähnlich indifferente Meinung hat er zu den Bauarten: Ob Elektro-, Benzin- oder Akkuheckenschere fur uns sinnvoller ist, könne er doch nicht wissen. Das könne man doch gar nicht vergleichen.

Eine kurze Pause später starteten wir einen erneuten Versuch. Jetzt dauerte es knappe zehn Minuten, bis ein Verkäufer sich für uns Zeit nahm. Dieser erläuterte uns geduldig die Vor- und Nachteile der drei Bauarten. In Anbetracht unserer Angaben zu Heckengröße und nach Nachfrage ob immer ein Stromanschluss verfügbar sei, riet er uns dann zu einer Akku Heckenschere.

Auch Fragen zu Sicherheit (Handschuhe nur wenn man Griffgefühl hat) und Lagerung/Pflege konnte er gut beantworten. Bei der Frage nach der Wiederverwendbarkeit des Akkus für andere Geräte stießen wir aber auf eine essentielle Wissenslücke („Sollte schon gehen, müssen Sie aber nochmal nachkucken“).

Auch die Empfehlung überzeugte uns nicht – die AEG AHT50B65 ist unseren Recherchen zufolge ausschließlich bei Bauhaus erhältlich. Wir vermuten, dass es sich um ein unter AEG-Namen umgelabeltes japanisches Ryobi-Modell handelt. Beide Marken gehören der texanischen TTI Gruppe, und optisch sind sich die Geräte ähnlich. Während Ryobi jedoch eher auf den Billig-Markt zielt, zehrt AEG auch Jahrzehnte nach der Zerschlagung noch von seinem guten Namen, und ist mit €249 (ohne Akku und Ladegeräte) fast drei Mal so teuer wie die Ryobi-Geräte. Ob da wirklich so viel mehr Qualität drin steckt bezweifeln wir.

TOOM Moosach

Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Leipziger Toom-Baumarkt haben wir einen zweiten Toom-Markt besucht. Diesmal einen süddeutschen Markt, und ohne explizites Garten-Center.

Im ersten Anlauf warteten wir 15 Minuten erfolglos auf einen Verkäufer. Nach einer Kaffeepause kamen wir zurück, und trafen sogar auf zwei Verkäufer. Diese waren jedoch in ein intensives Gespräch verwickelt, und mussten gezielt angesprochen werden. Die Beratung fiel kurz aus: Akku Heckenscheren seien unnötig, man führe so etwas nicht. Nur Modelle mit Kabel waren vorhanden. Ob das noch zeitgemäß ist?

Die Herren waren auch für den gesamten Elektrobereich zuständig und hatten keine besondere Garten-Expertise, konnten somit auch keine Angaben zu den angebotenen Kabel Heckenscheren machen.

Wir schlussfolgern: Keine Lorbeeren für Toom.
Das Fazit unseres Tests

Sieben deutsche Baumärkte – und nur einem würden wir eine gute Note geben: dem kleinen, mittelständischen Baumarkt Rettenberger. Hier pariert man die Marktpräsenz der großen Platzhirsche mit Service und Fachkenntnis. Allerdings ist die Auswahl hier natürlich beschränkt.

Bei den großen Anbietern gelingt es allein Hornbach und Obi noch, eine befriedigende Vorstellung zu liefern. Bei allen anderen Märkten können wir vom Besuch nach unserem Test nur abraten.

Was bleibt also vom Wunsch, durch direkten Kontakt zum Verkäufer unabhängige, seriöse und hilfreiche Beratung zu erhalten? Wir schlussfolgern: Herzlich wenig! Die Chance, inkompetent oder gar ausschließlich nach Gewinnspanne beraten zu werden ist hoch. Oft findet man auch schlicht überhaupt kein Verkaufspersonal.

Als Vorteil bleibt dem Offline-Handel: Man kann die Geräte anfassen, und sich so ein Gefühl von Handhabung und Gewicht machen. Wobei man hier auch Abstriche machen muss: Die Geräte werden grundsätzlich ohne Akku ausgestellt. Und wie sich mancher an die Nokia-Zeiten erinnern mag, waren Handys auch immer federleicht, bis man den Akku eingelegt hat.

Beitrag von am 11. Juni 2017. Abgelegt unter Haus & Garten. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste