Neue Sonderschau im Alamannenmuseum: Geschätzt – verehrt – gefürchtet: Damaszierte Schwerter
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ELLWANGEN (pm) – Ab sofort werden im Erdgeschoss des Ellwanger Alamannenmuseums drei Sondervitrinen zum Thema „Damaszierte Schwerter der Alamannen“ gezeigt. Ausgestellt sind einige „Highlights“ des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, darunter das Ringknaufschwert aus Niederstotzingen, die Goldgriffspatha aus Sindelfingen und das wie ein Goldgriffschwert gearbeitete Schwert aus Hemmingen. Erläutert wird die Technik des Damaszierens, bei der weiches Eisen mit hartem Stahl verbunden wird. Eine Besonderheit sind die so genannten „Schlangenschwerter“ des frühen Mittelalters. Die Sonderpräsentation unter dem Titel „Geschätzt – verehrt – gefürchtet: Damaszierte Schwerter des frühen Mittelalters“ ist bis zum 6. Januar 2008 im Alamannenmuseum zu sehen.
Ab dem Beginn des 5. Jahrhunderts begannen die Alamannen Südwestdeutschlands ihren männlichen Toten Waffen mit ins Grab zu geben. Damit wurde Rang und Status des Bestatteten als Krieger auch im Jenseits dokumentiert. Eine vollständige Waffenausrüstung, bestehend aus Spatha, Lanze, Schild und Axt oder Sax, konnten sich jedoch nur die Wohlhabenden leisten. Vor allem der Spatha, dem zweischneidigen, eisernen Langschwert, kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Sie ist nicht nur Waffe, sondern auch Rangabzeichen. Die mit einer Goldblechhülse am Griff versehenen Waffen des späten 5. und frühen 6. Jahrhunderts repräsentieren die gesellschaftliche Spitzenstellung ihrer Träger.
Diese Spathen waren jedoch keine prunkvollen Attrappen! Als Spitzenprodukte frühmittelalterlicher Schmiedekunst wurden sie in spezialisierten Werkstätten mittels einer aufwendigen Technik, der Damaszierung, hergestellt. Dadurch gelang es, scharfe und gleichzeitig elastische Klingen herzustellen. Durch Ätzen und Polieren konnten die farblich abgesetzten Schweißbahnen dann besonders zur Geltung gebracht werden. Da diese Bahnen auf der Klinge wie „sich kräuselndes Gewürm“ erschienen wurden damaszierte Klingen ‚wurmbunt’ genannt.
Die Wertschätzung dieser Waffen war so hoch, dass die berühmtesten Exemplare mit eigenen Namen versehen wurden. Allein aus der nordischen Überlieferung sind mehr als 150 solcher Namen bekannt, wie beispielsweise „Balmung“, das Schwert Siegfrieds, „Mimung“, das Schwert Wielands des Schmieds oder „Nägeling“, das Schwert Beowulfs. Legenden rankten sich um die Wirksamkeit einiger dieser Waffen und magische Vorstellungen waren mit ihnen verknüpft. Im Rahmen dieser Schwertmagie sind auch die hier ausgestellten Schwertperlen, Anhänger aus Bernstein, Glas, Bergkristall oder Meerschaum zu sehen. Diese magischen Accessoires waren in der Regel am oberen Teil der Schwertscheide befestigt und sollten wohl die Wirksamkeit des Schwertes verstärken. Sie blieben während des gesamten 6. Jahrhunderts in Mode und verschwanden im Laufe des 7. Jahrhunderts gleichzeitig mit den kunstvoll gestalteten Griff- und Scheidenbeschlägen. Offenbar fallen zu dieser Zeit sowohl die magischen Vorstellungen als auch die Statusaspekte einer zunehmenden ‚Funktionalisierung’ des Schwertes zum Opfer.
Die Sonderschau mit Leihgaben des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart sowie aus Privatbesitz ist zu den üblichen Öffnungszeiten und im Rahmen des üblichen Eintritts zu sehen. Beim großen Museumsfest am 9. September wird das Thema durch Vorführungen der Schwertgruppe „Lebendige Schwertkunst“ aus Rottenburg am Neckar weiter vertieft.
Geschätzt – verehrt – gefürchtet: Damaszierte Schwerter des frühen Mittelalters
2.8.2007-6.1.2008
Alamannenmuseum Ellwangen
Haller Straße 9
73479 Ellwangen
Tel. 07961 / 969747
Fax 07961 / 969749
alamannenmuseum@ellwangen.de
www.alamannenmuseum-ellwangen.de
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 10.00 Uhr – 12.30 Uhr und 14.00 Uhr – 17.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Montags außer feiertags geschlossen
Fotos 1+2 [2 abzurufen unter alamannenmuseum@ellwangen.de]:
Das alamannische Goldgriffschwert aus Sindelfingen zählt zu den kostbarsten Stücken des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart. Die Sonderschau dokumentiert die Untersuchungen an der Hochschule Aalen, bei denen mittels eines 3D-CTs der komplizierte schmiedetechnische Aufbau dieser Klinge sichtbar gemacht wurde. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind diese Schädel aus alamannischen Gräbern von Oberschmeien (links) und Sontheim/Brenz (rechts) sowie ein eiserner Schildbuckel aus Tübingen-Unterjesingen mit tiefen Hiebspuren von Schwertern, die im Falle der Schädel zum Tode führten (Foto: Museum).
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