The Lancet-Kommission: Ein Drittel aller Demenz-Erkrankungen ist potenziell vermeidbar

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In einem Bericht, der heute auf der
Alzheimer’s Association International Conference 2017 (AAIC 2017) in
London präsentiert wurde, gab die International Commission on
Dementia Prevention, Intervention and Care von The Lancet bekannt,
dass über ein Drittel aller weltweiten Demenzerkrankungen durch eine
Änderung bestimmter Lebensstilfaktoren, die sich auf das individuelle
Erkrankungsrisiko auswirken, womöglich vermeidbar sind. Diese
potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren wurden über mehrere
Lebensphasen hinweg und nicht nur im Alter identifiziert.

Der Kommissionsbericht von The Lancet wurde gleichzeitig in The
Lancet veröffentlicht und auf der AAIC 2017 präsentiert.

Ebenfalls gab das US-amerikanische National Institute of Aging
(NIA) auf der AAIC 2017 die Erteilung von Erstzuschüssen für
Forschung bekannt, um gesundheitliche Ungleichheiten bei
Alzheimer-Erkrankung zu erforschen.

„Die heutigen Ergebnisse geben großen Anlass zur Hoffnung“,
kommentierte Maria Carrillo, PhD, Chief Science Officer der
Alzheimer’s Association. „Auf individueller Ebene besteht für viele
Menschen das Potenzial, ihr Risiko eines Abbaus kognitiver
Fähigkeiten und vielleicht sogar von Demenz durch einfache,
gesundheitsfördernde Verhaltensänderungen zu reduzieren. Auf Ebene
der öffentlichen Gesundheit könnten Maßnahmen, die auf diesen
Erkenntnissen beruhen, einen enormen Einfluss auf das Management der
weltweiten menschlichen und wirtschaftlichen Kosten von Alzheimer und
anderen Demenzkrankheiten haben.“

Die Alzheimer’s Association bietet 10 Wege, Ihrem Gehirn etwas
Gutes zu tun (10 Ways to Love Your Brain
(http://www.alz.org/brain-health/10_ways-to-love-your-brain.asp)),
einschließlich eines praktischen Leitfadens zur Reduzierung Ihres
Demenzrisikos, der auf aktuellen Forschungen basiert.

The LancetInternational Commission on Dementia Prevention,
Intervention and Care

The Lancet-Kommission bringt 24 internationale Experten zusammen,
um die riesigen Fortschritte, die hinsichtlich Kenntnissen zu und
Verständnis von Demenzrisikofaktoren sowie entsprechender Behandlung
und Betreuung gemacht wurden, und das entstehende Wissen bezüglich
der Prävention und dem Umgang mit Demenz zu konsolidieren. Die
Kommission führte eine Überprüfung und Meta-Analyse durch, anhand
derer die aktuellen Risikomodelle ausgeweitet wurden, indem
Gehörverlust und soziale Isolierung einbezogen wurden. Durch die
Einbeziehung potenziell beeinflussbarer Risikofaktoren aus allen
Lebensphasen wird ein neuartiges Risikomodell unterbreitet, das den
gesamten Lebensverlauf umschließt und Möglichkeiten zur Prävention
auftut.

Zu den wichtigsten Empfehlungen zählen:

– Starke Förderung von Prävention. Interventionsmaßnahmen für
etablierte Risikofaktoren können potenziell ein Drittel aller
Demenzerkrankungen verzögern oder sogar vermeiden.
– Behandlung kognitiver Symptome. Um die kognitiven Fähigkeiten zu
maximieren, sollte Menschen mit einer Alzheimer- oder
Lewy-Körper-Demenz während aller Phasen Cholinesterase-Hemmer bzw.
bei schwerer Demenz Memantin angeboten werden.
– Individuelle Demenzbetreuung. Eine gute Betreuung bei
Demenzerkrankung umspannt medizinische, soziale und unterstützende
Pflege und sollte auf sehr individuelle und kulturelle Bedürfnisse,
Vorlieben und Prioritäten ausgerichtet sein.
– Betreuung von pflegenden Angehörigen. Pflegende Angehörige haben
ein hohes Risiko für Depression. Effektive Interventionsmaßnahmen
reduzieren dieses Risiko und behandeln die Symptome und sollten
daher zugänglich gemacht werden.
– Für die Zukunft planen. Demenz-Erkrankte und ihre Familien wissen
Gespräche über die Zukunft und wichtige anstehende Entscheidungen
sehr zu schätzen.
– Umgang mit neuropsychiatrischen Symptomen. Der Umgang mit
neuropsychiatrischen Symptomen von Demenz, einschließlich
Agitiertheit, Verstimmungen oder Psychose, ist gewöhnlich
psychologisch und sozial ausgerichtet sowie umweltorientiert, wobei
eine medikamentöse Behandlung für ernsthaftere Symptome vorbehalten
ist.
– Sterbebegleitung in Betracht ziehen. Ein Drittel älterer Menschen
stirbt mit einer Demenzerkrankung, daher ist es entscheidend, dass
Fachkräfte für Sterbebegleitung prüfen, ob ein Patient an Demenz
leidet, da sie dann womöglich nicht in der Lage sind,
Entscheidungen bezüglich ihrer Betreuung zu treffen oder ihre
Bedürfnisse und Wünsche zu äußern.

Fokus auf Prävention

The Lancet-Kommission hat ein neuartiges auf der gesamten
Lebensdauer basierendes Risikomodell für Demenzerkrankung eingeführt,
dass Interventionsmaßnahmen aufzeigt, die womöglich die kognitiven
Fähigkeiten maximieren, mit Besorgnis verbundene Symptome verringern,
zu weniger Krisen verhelfen und die Lebensqualität verbessern. Das
Team stellt Schätzungen dazu an, inwiefern jeder Risikofaktor zur
Gesamtinzidenz von Demenz auf Ebene der Bevölkerung beiträgt. Die
bisherigen kombinierten Ergebnisse zeigen, dass rund 35 Prozent aller
Demenzerkrankungen neun potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren
zugeschrieben werden können. Viele dieser Risikofaktoren treten zu
bestimmten Lebensphasen auf, aber andere, wie z. B. Rauchen und
Bluthochdruck, können während aller Lebensphasen einen Unterschied
machen. Die neun beeinflussbaren Risikofaktoren umschließen:

– Frühe Lebensphase – Bildung bis mindestens 15 Jahre
– Mittlere Lebensphase – Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Gehörverlust
– Spätere Lebensphase – Depression, Diabetes, Bewegungsmangel,
Rauchen, wenig soziale Kontakte

Risikofaktoren, die häufiger auftreten, wirken sich prozentual
stärker auf das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsebene aus.
Beispielsweise schätzen die Autoren, dass acht Prozent (8 %) aller
Demenzerkrankungen mit einer schlechten frühen Schulbildung und fünf
Prozent (5 %) mit Rauchen in Verbindung stehen könnten. Während der
Mechanismus, der Bildung, Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen mit
Demenz verbindet, relativ gut verstanden wird, gelten Gehörverlust
als anerkannter potentieller Risikofaktor und die dazugehörige
Forschung noch immer als neu.

Der Kommissionsbericht unterbreitete Empfehlungen für
zielgerichtete öffentliche Gesundheitsstrategien, die nach
Erwartungen von Forschern die globale Last von Alzheimer und anderen
Demenzkrankheiten erheblich senken wird. Zum Beispiel:

– Die Autoren raten stark zu einer gründlichen Behandlung von
Bluthochdruck bei Personen mittleren und fortgeschrittenen Alters,
die nicht an Demenz leiden, um die Demenzinzidenz zu reduzieren.
– Andere Interventionsmaßnahmen umschließen eine bessere Bildung
während der Kindheit, regelmäßige Bewegung, das Pflegen sozialer
Kontakte, mit dem Rauchen aufzuhören sowie den richtigen Umgang mit
Gehörverlust, Depression, Diabetes und Fettleibigkeit.

Die Autoren gaben an, dass die Studie aufgrund mangelnder Daten
keine ernährungsbezogenen Faktoren, wie z. B. Alkoholkonsum,
Sehschwäche, Luftverschmutzung und Schlafgewohnheiten einbezogen hat.

„Während staatliche Gesundheitsmaßnahmen nicht alle potenziell
beeinflussbaren Risikofaktoren einer Demenzerkrankung oder
kardiovaskuläre Risiken beheben können, könnten geistige Gesundheit
und ein gesundes Hörvermögen den Ausbruch für viele Menschen um viele
Jahre verzögern“, erklärte Professor Gill Livingston, MD, vom
University College London und Autor der The Lancet-Kommission.
„Selbst wenn sich ein Teil dieses Versprechens als wahr erweist,
könnte dies einen riesigen Unterschied machen, und wir haben bereits
bei einigen Populationen gesehen, dass Demenz sich um Jahre
verzögert. Die Demenzprävalenz könnte sich halbieren, wenn der
Krankheitsausbruch um fünf Jahre verzögert würde.“

Laut Bericht der Kommission könnte die weltweite Demenzprävalenz
um eine Millionen Fälle reduziert werden, wenn die Häufigkeit von
sieben grundlegenden Gesundheits- und Lebensstilfaktoren um zehn
Prozent verringert würde. Eine Maßnahme, die eine Demenzerkrankung um
ein Jahr verzögert, könnte die Anzahl von weltweit an Demenz
erkrankten Personen bis 2050 um neun Millionen verringern.

„Generell stehen die Chancen für Prävention – und sobald jemand an
Demenz erkrankt – für eine hochwertige, zugängliche Betreuung gut,
die für eine unterversorgte wachsende Bevölkerungsgruppe Wert
schafft. Effektive Demenzprävention und entsprechende Betreuung
könnte die Zukunft der Gesellschaft verändern sowie Leben und Tod für
Demenzerkrankte und ihre Familien erheblich verbessern. Ausgehend von
unserem bisherigen Wissen können wir dies nun geschehen lassen“,
sagte Lon Schneider, MD, von der University of Southern California
und Mitautor der Kommission.

Voranschreiten von gesundheitlichen Unterschieden bei Alzheimer –
Erstzuschüsse des National Institute on Aging

Laut der Fakten und Zahlen zu Alzheimer-Erkrankungen (Alzheimer’s
Disease Facts and Figures) (http://www.alz.org/facts/overview.asp)
der Alzheimer’s Association 2017 sind Afro-Amerikaner zweimal so
stark dazu geneigt, an Alzheimer oder anderen Demenzkrankheiten zu
erkranken wie ältere weiße Personen, während das Risiko für
Hispanoamerikaner anderthalb Mal so groß ist. Dennoch sind diese
Bevölkerungsgruppen in Forschung zu Alzheimer und anderen
Demenzkrankheiten unterrepräsentiert.

Die NIA hat einen deutlichen Bedarf für die Diversifizierung von
Forschungskohorten und die Verbesserung von Methoden und Instrumenten
für die Durchführung von Forschung zu gesundheitlichen Ungleichheiten
bei Alzheimer und anderen Demenzkrankheiten identifiziert. Es wurden
zwei Finanzierungsmöglichkeiten eingerichtet, um Forschung zu
Ungleichheiten bei Alzheimer zu fördern, die Gruppen mit
verschiedenen Individuen einsetzt. Die NIA wird auf der AAIC 2017 die
Empfänger der Erstzuschüsse und ihre Projekte verkünden sowie die neu
gewonnenen Informationen hervorheben, die mit diesen Zuschlägen
vermutlich gewonnen werden.

„Altersforschung, die auf ein Rahmenwerk gestützt ist, das
Faktoren auf mehreren Ebenen einbezieht, muss mit Studienpopulationen
durchgeführt werden, die sich durch solide demografische Vielfalt
auszeichnen“, forderte Carl V. Hill, PhD, MPH, Director of the NIA
Office of Special Populations. „Durch verschiedenartige Kohorten
können neue Wege identifiziert werden, die umweltbezogene,
soziokulturelle, verhaltensbezogene und biologische Faktoren
verbinden. Und das ist, was wir uns von diesen Forschungspreisen
erhoffen.“

Wie im Rahmen der Bekanntgabe der Finanzierungsmöglichkeiten
mitgeteilt wurde, umschließen Populationen mit gesundheitlichen
Ungleichheiten: Schwarze/Afro-Amerikaner, Hispanoamerikaner/Latinos,
indigene amerikanische und alaskanische Einwohner, indigene
Hawaiianer und andere pazifische Insulaner sowie sozioökonomisch
benachteiligte und ländliche Bevölkerungsgruppen. Mögliche
zusätzliche Populationen sind: Bevölkerungsgruppen mit Behinderungen
sowie geschlechtliche Minderheiten.

Informationen zur Alzheimer’s Association International Conference
(AAIC)
Die Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) ist das
weltweit größte Treffen von Forschern aus aller Welt, deren
Spezialgebiet Alzheimer und andere Demenzerkrankungen ist. Als Teil
des Forschungsprogramms der Alzheimer’s Association fungiert die AAIC
als Impulsgeber für den Erwerb neuer Kenntnisse zu Demenz sowie für
die Stärkung einer unverzichtbaren, kollegialen
Forschungsgemeinschaft.
Webseite der AAIC 2017: www.alz.org/aaic/
Newsroom der AAIC 2017: www.alz.org/aaic/pressroom.asp

Informationen zur Alzheimer’s Association

Die Alzheimer’s Association ist die führende freiwillige
Gesundheitsorganisation für Betreuung, Unterstützung und Forschung zu
Alzheimer. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Alzheimer durch den
Fortschritt von Forschung endgültig zu besiegen, Betreuung und
Unterstützung für alle Betroffenen anzubieten sowie zu verbessern und
das Risiko einer Demenzerkrankung durch die Förderung eines gesunden
Gehirns zu reduzieren. Unsere Vision ist eine Welt ohne Alzheimer.
Besuchen Sie alz.org (http://www.alz.org/) oder rufen Sie +1 800 272
3900 an.

– Gill Livingston, MBChB, PhD; Lon S. Schneider, MD, MS. The Lancet
International Commission on Dementia Prevention and Care.
(Geldgeber: University College London, Alzheimer’s Society UK,
Economic and Social Research Council, Alzheimer’s Research UK)

– www.thelancet.com/commissions/dementia-2017

– Carl V. Hill, PhD, MPH and Rachel Whitmer, PhD, Vorsitzende.
Advancing Health Disparities Research with the National Institute
on Aging (NIA). (Geldgeber: U.S. National Institute on Aging)

Pressekontakt:
Alzheimer’s Association International Conf. Pressestelle
+44 (0) 20-7069-6000
media@alz.org

Niles Frantz
Alzheimer’s Association
+ 1 312-335-5777
nfrantz@alz.org

Emily Head
Press Officer
The Lancet
+44 (0) 207 424 4249
emily.head@lancet.com

Original-Content von: Alzheimer’s Association, übermittelt durch news aktuell

Beitrag von am 20. Juli 2017. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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