3D-Bildgebung: Wirbelsäulenmetastasen schonend beseitigen

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Wirbelsäulenspezialist Prof. Dr. Nils Hansen-Algenstaedt, OrthoCentrum Hamburg
 

Tumorzellen neigen dazu, sich über den Blutstrom weiter auszubreiten. Besonders häufig setzen sie sich an Knochen fest und entwickeln Tochtergeschwülste. Meistens ist die Wirbelsäule betroffen.

Zu Knochenmetastasen kommt es vor allem bei Brustkrebs oder Prostatakrebs, relativ häufig auch bei Tumorerkrankungen der Lunge, Niere oder Schilddrüse.

Die Metastasen an der Wirbelsäule verursachen fast immer erhebliche Rückenschmerzen, nicht nur bei Bewegungen, sondern meistens auch in Ruheposition. Neurologische Ausfälle erschweren ebenfalls das Leben der Betroffenen. Prof. Dr. Nils Hansen-Algenstaedt, Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist im OrthoCentrum in Hamburg: „Wächst das Geschwulst, nimmt es immer mehr Raum ein und quetscht dadurch andere Strukturen ein oder zerstört sie sogar.“ Neben Schmerzen berichten die betroffenen Patienten häufig über Taubheitsgefühle oder Lähmungen in den Beinen, Blasen- oder Darmentleerungsstörungen. „Im schlimmsten Fall droht sogar ein Querschnitt infolge eines Wirbelkörperbruches oder wenn der Tumor unkontrolliert auf das Rückenmark drückt“, sagt Prof. Hansen-Algenstaedt. Daher ist eine zügige Behandlung unbedingt notwendig.

Früher wurde meistens eine offene chirurgische Operation mit großen Schnitten durchgeführt, um die Knochenmetastasen zu entfernen. Heute kann dank modernster Technik viel schonender vorgegangen werden. Prof. Dr. Hansen-Algenstaedt: „Heute reichen winzig kleine Schnitte, um zur Wirbelsäule vorzudringen. Durch die intraoperative Bildgebung und 3D-Navigation kann extrem präzise operiert werden. Dies ist bei Wirbelsäulenoperationen besonders wichtig, um keine Nerven zu verletzen.“

Die kleinen Schnitte halten offenbar gleichzeitig den Tumor besser in Schach, wie aktuelle Studien zeigen. Prof. Dr. Hansen-Algenstaedt erklärt: „In Studien konnten wir und andere Forschergruppen zeigen, dass große Wunden das Wachstum von Tumorzellen fördern. Denn es werden durch die großen Wunden mehr Wundheilungsfaktoren aktiviert, die zur Wundheilung benötigt werden, zum Beispiel Vascular Endotheial Growth Faktor (VEGF). Unglücklicherweise führt der Anstieg dieser Faktoren aber auch zu einem beschleunigten Tumorwachstum.“ Umgekehrt werden somit durch die gewebeschonende OP-Technik die Ausschüttung von Tumor wachstumsfördernden Substanzen reduziert.

Um den chirurgischen Eingriff perfekt zu planen, fertigt der Arzt im Vorfeld eine Kernspintomographie des Patienten an. Während der Operation wird dann ein 3D Scan durchgeführt. Für die Operation selbst werden die Patientendaten mit allen Geräten und OP-Instrumenten verbunden. Computer und Navigationssysteme zeigen dem Arzt zu jedem Zeitpunkt der Operation, wo er sich im dreidimensionalen Raum mit seinem Instrument befindet und wo gesundes oder krankes Gewebe zu finden ist.

„Alles, was ich mache, wird in Echtzeit dreidimensional und millimetergenau auf dem Monitor dargestellt“, sagt Prof. Hansen-Algenstaedt. „Bewege ich ein Instrument auf den Knochen zu, sehe ich das gleichzeitig auf dem Monitor. So kann ich schonend Metastasen entfernen, ohne Nerven zu verletzen. Auch die Muskulatur braucht heute nur noch selten abgelöst zu werden, wie es früher oft notwendig war, um optimal sehen zu können.“

Häufig sind durch die Metastasen Wirbelkörper zerstört oder zur Seite geschoben worden. Im Rahmen desselben Eingriffs stabilisiert der Orthopäde die Wirbelsäule mit einem Schrauben-Stangen-System. Komplett geborstene Wirbelkörper kann er entweder durch körpereigene oder fremde Knochen oder durch künstliche Platzhalter (z.B. Cages) ersetzen.

Eine neue Studie zeigt, dass die Patienten von dieser minimal-invasiven Vorgehensweise sehr profitieren. An der Studie nahmen 110 Patienten mit Wirbelsäulenmetastasen teil. 80 wurden minimal-invasiv operiert, 30 mit einer offenen Operation. „Die Patienten, die minimal-invasiv operiert wurden, hatten weniger Blutverluste und brauchten weniger Bluttransfusionen als die Vergleichsgruppe. Außerdem waren sie nur halb so lange im Krankenhaus, nämlich sieben bis zehn Tage“, bilanziert Prof. Hansen-Algenstaedt. Durchgeführt wurde die Studie vom OrthoCentrum Hamburg, einigen norddeutschen Kliniken und dem Universitätsklinikum Kuala Lumpur in Malaysia.

Ein weiterer Vorteil der minimal-invasiven Vorgehensweise: Es gibt nur winzige Narben und somit keine Wundheilungsstörungen. Das ist vor allem für Patienten wichtig, die nach der Operation noch schnelle weitere Behandlungen brauchen wie beispielsweise eine Strahlentherapie oder Chemotherapie.

Die neue OP-Methode wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Beitrag von auf 29. November 2018. Abgelegt unter Gesundheit, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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