Bayern und Brandenburg senken Preise für Kontrastmittel deutlich ab

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In Bayern haben sich nach Informationen von NDR,
WDR und „Süddeutscher Zeitung“ die Gesetzlichen Krankenkassen und die
Kassenärztliche Vereinigung auf eine drastische Absenkung der Preise
verständigt, zu denen Radiologen Kontrastmittel abrechnen können. Die
neue Vereinbarung soll bereits zum 1. Oktober dieses Jahres in Kraft
treten. Auch Brandenburg will eine deutliche Preisabsenkung Anfang
des nächsten Jahres umsetzen. In mehreren anderen Bundesländern
laufen derzeit ebenfalls Verhandlungen über eine deutliche
Preissenkung.

Hintergrund ist, dass Anfang August erstmals echte Marktpreise
dieser Medikamente bekannt geworden waren. Damals hatten NDR, WDR und
SZ mit Verweis auf zahlreiche interne Abrechnungen von
Pharmaunternehmen und radiologischen Praxen nachgewiesen, dass
Röntgenärzte Kontrastmittel zu einem Bruchteil dessen einkaufen
können, was sie anschließend von Krankenkassen erstattet bekommen. So
liegen die tatsächlichen Einkaufspreise für einen Liter
MRT-Kontrastmittel bei rund 800 Euro. In Bayern haben die Ärzte dafür
von den Kassen bisher 3900 Euro erstattet bekommen. Künftig sollen
sie nur noch 970 Euro bekommen. Weder die AOK Bayern noch die
Kassenärztliche Vereinigung Bayern wollten auf Anfrage die neuen
Preise kommentieren, da die Verträge noch nicht unterzeichnet seien.

Erst jetzt wird zudem bekannt, dass manche Krankenkassen noch
höhere Preise bezahlen als die bayerischen. So erstatten die
Krankenkassen in Sachsen und Thüringen den Herstellern für einen
Liter MRT-Kontrastmittel rund 4700 Euro. Das geht aus internen
Unterlagen hervor, die die zuständige AOK Plus an die Hersteller
geschickt hat und die NDR, WDR und SZ vorliegen. Auf Anfrage teilt
die AOK Plus lediglich mit: „Die vereinbarten Konditionen unterliegen
unseren Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.“

Die für Brandenburg zuständige AOK Nordost hat jetzt Konsequenzen
aus den jüngst bekannt gewordenen tatsächlichen Marktpreisen gezogen.
Sie will vom kommenden Jahr an den Herstellern in einem so genannten
Open-House-Verfahren nur noch 1200 Euro für einen Liter
MRT-Kontrastmittel bezahlen, wie aus Unterlagen ersichtlich ist, die
die AOK Nordost im „Deutschen Vergabeportal“ veröffentlicht hat.

Laut Gesetz sind die Krankenkassen zur Wirtschaftlichkeit
verpflichtet. Derzeit zahlen sie bundesweit vollkommen
unterschiedliche Preise für Kontrastmittel. So geben nach Recherchen
von NDR, WDR und SZ die Kassen in Schleswig-Holstein 4,5 Millionen
Euro im Jahr für Kontrastmittel aus, Hamburg dagegen 11 Millionen
Euro – obwohl Hamburg deutlich weniger Einwohner hat. Rheinland-Pfalz
und das Saarland wiederum haben zusammen Kontrastmittelausgaben in
Höhe von 12 Millionen Euro, das etwa gleich große Hessen gibt dagegen
fast 27 Millionen Euro im Jahr aus. Baden-Württemberg hat mit 43,3
Millionen Euro die höchsten Kontrastmittelausgaben in ganz
Deutschland. Umgerechnet auf 1000 Versicherte gibt zum Beispiel
Schleswig-Holstein nur 1804 Euro im Jahr für Kontrastmittel aus –
Baden-Württemberg dagegen 4607 Euro.

Aufgerüttelt durch die Berichte über den Kontrastmittelmarkt hatte
das Bundesgesundheitsministerium für den 22. August mehr als 50
Vertreterinnen und Vertreter von Krankenkassen, Kassenärztlichen
Vereinigungen und des Radiologenverbands zu einem Gespräch ins
Ministerium eingeladen. Radiologen-Chef Detlev Wujciak fasst in
seinem Verbandsblatt das Treffen so zusammen: „Die Selbstverwaltung
funktioniert! Es besteht kein Handlungsbedarf von Seiten des
Gesetzgebers und wurde von keinem der Teilnehmer gefordert.“

In Deutschland bekommen rund fünf Millionen Menschen jedes Jahr
Kontrastmittel gespritzt. Die Mittel sollen die Bilder bei der MRT-
oder CT-Untersuchungen besser auswertbar machen. Nach Einschätzung
von Experten verschwenden die Gesetzlichen Krankenkassen im
Kontrastmittelmarkt jedes Jahr bis zu 200 Millionen Euro, indem sie
zu viel für die Mittel bezahlen.

Über das Thema berichtet der NDR am Freitag, 13. September, ab 17
Uhr online bei tagesschau.de und panorama.de sowie in den
ARD-Radioprogrammen.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040 / 4156-2304
Mail: i.bents@ndr.de
http://www.ndr.de
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Beitrag von auf 13. September 2019. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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