Der Schatz des Bankiers Albert Kahn – Die Wiederauferstehung der „Archive des Planeten“

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Berlin, 29.10.2009. Vor mehr als 100 Jahren begann der Elsässer Bankier und Humanist Albert Kahn sein monumentales Projekt „Archive des Planeten“. Ab 1909 reisten Fotografen für ihn um die Welt, um Stadtansichten und Völker für folgende Generationen zu dokumentieren. Zu einer Zeit, in der „In 80 Tagen um die Welt“ 40 Jahre alt war und die autochromatische Fotografie erst 4, begann Kahn seine Sammlung, die insgesamt 72.000 Farbbilder und 170.000 Meter Film umfassen würde.

Der Schatz des Bankiers lagert heute in Holzkisten westlich von Paris in Boulogne-Billancourt. Seine Autochrome werden in wechselnden Ausstellungen im „Musée Albert Kahn“, seinem ehemaligen Wohnhaus, gezeigt. Ein ungeschminkter Blick auf das Europa unserer Großeltern. Ein Fenster in eine Welt, die nicht mehr existiert. Szenen aus dem Alltagsleben, Architektur, Landschaften – penibel dokumentiert mit Ort, Datum und Uhrzeit.

Heute, 100 Jahre danach, entstehen die „Archive des Planeten“ neu. Sie heißen jetzt time-o-rama.com und sind in Deutsch und Englisch zugänglich. Jeder kann das Archiv kostenlos nutzen und selbst Fotos und Klangaufnahmen aus Vergangenheit und Gegenwart beisteuern. Aus den Beiträgen aller Nutzer erstellt die Software automatisch interaktive Zeitleisten, mit denen man durch die Geschichte eines Ortes, einer Straße, eines Hauses rollen kann.

Die Fotografen von time-o-rama.com heißen Onkel Paul oder Tante Erna, nennen sich „Starseeker“ oder „Soundgirl“. Es sind Menschen aus dem Alltag, die Orte ihres Lebens mit Fotos und manchmal auch Klangaufnahmen dokumentieren, ihr Hobby beschreiben oder eine schöne Reise, ein Verbrechen, eine Krankheit oder ein rührseliges Erlebnis. Zusätzlich steuert time-o-rama.com tausende von Fotos der letzten 100 Jahre aus dem Deutschen Bundesarchiv bei. In time-o-rama.com ist wie beim Bankier Albert Kahn alles fein säuberlich mit Ort und Zeit beschriftet.

Das Projekt wurde vom Berliner Internet Unternehmer Peter Debik nach der Idee und mit der Beratung eines seiner Kunden programmiert und gestaltet. Nebenbei sei erwähnt, dass Debik eigentlich gelernter Bankkaufmann ist und wie Albert Kahn von der Aufhebung von Rassen- und Religionsschranken träumt. Sollte man hier ein kosmisches Déjà vu hinein interpretieren?

Beitrag von auf 28. Oktober 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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