Die Festwochen Herrenhausen zwischen gestern und morgen -positive Bilanz

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Mit dem Konzert des Münchener Kammer-orchesters und dem Violinstar Lisa Batiashvili und dem Fest der Festwochen gingen am 20. Juni die Festwochen Herrenhausen zu Ende.

Bevor die Festwochen Herrenhausen mit dem rauschenden Fest mit Schauspielerin Katja Riemann, vielen weiteren künstlerischen und kulinarischen Genüssen und einer DJ-Party „eines Abends lange Reise in den Tag“ antraten, faszinierten am Freitag davor Lisa Batiashvili und das Münchener Kammerorchester mit Werken von Haydn, Lindberg und Schönberg. Bernhard Langs Monadologie III, deren Idee des zellulären Komponierens auf der barocken Philosophie Leibniz“ basiert, wurde vom Publikum an der Wirkungsstätte des großen Philosophen begeistert aufgenommen.

In der Tat herrschte vom Beginn an die von Kulturdezernentin Marlis Drevermann versprochene Aufbruchstimmung. Nicht nur die Komponisten Händel und Haydn, deren Jahrestage gefeiert wurden, prägten das Festival, sondern auch die spannungsreiche Programmatik zwischen Barock, Neuer Musik und neuen künstlerischen Formaten.

Überregionale Beachtung erlangte der Eröffnungstag mit einem Auftragswerk der Festwochen, das Stefan Litwin mit dem Ensemble Resonanz in Anwesenheit von Literaturnobelpreisträger Imre Kertész zur Uraufführung brachte. Der international bekannte Pianist und Komponist hatte einen Text von Imre Kertész eindrucksvoll vertont.

Mit Brigitte Maria Mayers „Anatomie Titus“ war eine hoch gelobte filmische Installation mit Jeanne Moreau zu sehen, die durch ihre Bildgewalt bestach. Mit dem 14 Tableaus umfassenden Passionsweg durch die Moderne wandelt die Fotografin und Regisseurin auf den Spuren ihres verstorbenen Mannes Heiner Müller.

Im weiteren Verlauf der Festwochen konnten die Besucher eine hervorragend disponierte Akademie für Alte Musik mit der brillanten Ruth Ziesak, die begeistert gefeierten Gastspiele des FestspielOrchesters Göttingen, Musica Alta Ripa, Hannovers Top-Ensemble in Sachen Originalklang oder den von André Bücker inszenierten „Serse“ von G.F. Händel mit der gut aufgelegten Lautten Compagney Berlin erleben.

Aufsehen erregte „ANÆSTHESIA“ die neue Produktion von Nico and the Navigators und dem Ensemble Franui. Eingefleischte Händel-Liebhaber wie experimentierfreudige Theatergänger waren gleichermaßen entzückt von der berauschenden „Barocknarkose“ mit ihrer einzigartigen Bildsprache und der originellen Instrumentierung.

Im abendlichen Berggarten genossen die Besucher Stephan Meiers Uraufführung seiner „Berggartenmusik“. Bei klassischer Musik entspannen, wie es „Monsieur Chill Out“, DJ Raphaël Marionneau versteht, war bei der Classic Lounge angesagt, die in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Violin-Wettbewerb Hannover der Stiftung Niedersachsen in der Orangerie stattfand und begeisterten Zuspruch erhielt.

Dem Motto „Zwischen gestern und morgen“ folgten auch die Konzerte des hochkarätigen Haydn Trio Eisenstadt, das mit zwei außergewöhnlichen Programmen „DedicatedToHaydn“ das Publikum in erheiternder Weise mit einbezog.

Nach dem Abschlussfest zeigte sich Kultur-dezernentin Marlis Drevermann mit den künstlerischen Darbietungen der 14 verschiedenen Veranstaltungen überaus zufrieden. Es ist deutlich geworden, dass für die neue Ausrichtung des Festivals neue Publikumsschichten gewonnen werden konnten. Das gilt es ebenso auszubauen wie das Stammpublikum für Neues zu begeistern.

Mit rund 3 500 Besucherinnen und Besuchern, die das Programm gebucht haben, erreichten die Festwochen das Vorjahresniveau. Die Auslastung liegt damit bei rund 70 %.

Die vielen neuen ästhetischen Formen des Festivals, wie die filmische Installation „Anatomie Titus“ oder jene Programmteile, die sich der modernen und zeitgenössischen Musik widmeten, sind für das Festwochen-Publikum eine Herausforderung gewesen, wurden aber durchweg mit Begeisterung aufgenommen. Darüber freut sich Marlis Drevermann ganz besonders: „Auch wenn die Besucherzahlen in dieser Saison noch nicht unseren Vorstellungen entsprachen, so dokumentiert doch die positive Resonanz beim Publikum und der Presse, dass wir auf dem richtigen Weg sind“.

Unter der künstlerischen Leitung von Elisabeth Schweeger sollen die Festwochen Herrenhausen zukünftig Musik, Kunst und Philosophie verbinden. Das Barockzeitalter von allen Seiten zu beleuchten, wird auch und vor allem im Jahr 2010 erklärtes Ziel der neuen Intendantin sein, die in dieser Saison bei den Festwochen Herrenhausen bereits beratend tätig war.

Die nächsten Festwochen finden vom 4. Juni bis 27. Juni 2010 statt.

Foto: Antonella Travascio

Beitrag von auf 25. Juni 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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