Die Kultur der Hochbegabten

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Bei ihrer Arbeit im Internet-Forum „Hochbegabung – Drama oder Erfolgsstory“ wie auch in ihren Interviews und Seminaren geht es Cremer-Altgeld um die Aufklärung der häufig mit Vorurteilen beladenen Themen „Hochbegabung und Höchstbegabung“.

Ein auffallendes Merkmal bei diesen Menschen ist, dass viele hochbegabte Erwachsene nichts von ihrer Begabung wissen. Sie spüren nur, dass sie leiden. Sie halten sich für „nicht normal“ und zweifeln insgesamt an ihrer Person. Sie fragen sich: Was ist los mit mir? Warum bin ich anders? Und: Wie bin ich denn nun wirklich?

Sie sind auf der Suche nach sich selbst. Die Generalist/innen unter den Hochbegabten verfügen zumeist über einen ganzen Strauss voller Begabungen. Und sind nicht selten damit überfordert, diese einzeln herauszufiltern und zu managen.

„Ich kann so viel – was soll ich tun?“ ist oft eine Frage von hoch intelligenten Menschen. Viele von ihnen fühlen sich irritiert durch die unüberschaubare Fülle der Talente. So sagte einmal eine Top-Politikerin: „Ich hätte auch Tiefsehtaucherin, Professorin, Autorin und Rennfahrerin werden können!“

Eine bekannte Professorin erzählte im Kreis ihrer Student/innen: „Wenn ich nicht Wissenschaftlerin geworden wäre, dann hätte ich wahrscheinlich jetzt eine Medaille in einem Feld der Leichtathletik.“ Und dann erzählte sie, welche Preise sie schon als Sportlerin mit nach Hause gebracht hat.

Manche Hochbegabte meinen, sie sollten nur einen (!) Beruf ausüben. Das trifft durchaus auf viele Berufe zu. Aber es gibt auch Berufsbilder, die eine breitere Palette zulassen. So kann man zum Beispiel Wissenschaftler/in sein, ausserdem eine eigene Radiosendung betreuen, Bücher schreiben und Lesungen abhalten sowie Seminare geben und Filme machen. Nicht immer alles zusammen – aber durchaus in einer angemessenen Reihenfolge.

Das Wesentliche ist doch: Zu sich selbst zu stehen und sich zu fragen: was will ich? In welcher Reihenfolge? Mit welchen Schwerpunkten?
Jedoch sind Hochbegabte oft so sehr in ihren Begabungen gefangen, dass ihnen ein klarer Blick auf sich selbst nicht wirklich gelingen will.

Zudem kommt: Auf den Gedanken, sie selbst könnten hochbegabt sein, kommen die meisten nicht mal im Traum. Selbst wenn sie hochbegabte Kinder haben. Oft sind sie eher bescheiden – nicht selten schüchtern. Hoch sensibel sind ebenfalls viele Hochbegabte.

Gespräche könnten helfen – aber viele Menschen mit IQ >130 lassen sich nicht gern helfen. Ihr Vertrauen ist zu oft missbraucht worden. Hilfreich sind Internet-Seiten über Hochbegabung und Foren, in denen sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können.

Viele Mitmenschen denken, wenn jemand hochbegabt ist, müsse er/sie das doch merken. Aber das ist ein Irrglaube. Auffallend viele dieser Menschen können nur bedingt gut mit ihrer Begabung umgehen.

Die sprichwörtliche Rede: „Eine 1+ in Mathe – aber die Schuhe nicht alleine zubinden können.“ bringt ein Wesensmerkmal der Hochbegabten auf den Punkt. Obwohl auch nicht alle Menschen mit einem besonders hohen IQ Mathe-Genies sind.

Hochbegabten-Forscher Jürgen vom Scheidt hat eine Hypothese über die Verteilung und Ausprägungen der Hochbegabung aufgestellt:

1. Die erste Gruppe der Hochbegabten, rund ein Drittel, lebt zufrieden und erfolgreich mit der Begabung.

2. Die zweite Gruppe der Hochbegabten, rund ein Drittel, wird als „latent“ bezeichnet – trotz Begabung kommen die Menschen nicht (richtig) voran.

3. Die dritte Gruppe der Hochbegabten, rund ein Drittel, wird als ‚Underachiever’ bezeichnet. Sie verweigern – aus ihrer Sicht aus gutem Grund – Begabungen und Talente.

Nach vorsichtigen Schätzungen leben rund zwei Millionen Hochbegabte und Höchstbegabte in Mitteleuropa: in Deutschland, Österreich und der Schweiz – in Liechtenstein und Luxemburg. Diesen Menschen selbst sowie deren Angehörigen, Freundinnen und Freunden, Chefs und Lehrerinnen einen Einblick in die Welt der Hochbegabung und Höchstbegabung zu geben, hat sich Lilli Cremer-Altgeld zur Aufgabe gemacht.

Beitrag von auf 12. März 2010. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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