Frühere Sozialministerin unterstützt Kommission im Erzbistum Freiburg – Tabuisierung bremste Aufklärung von sexuellem Missbrauch

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Kommission untersucht Fälle von Missbrauch

Ehemalige Sozialministerin unterstützt Aufklärung und Prävention bei Kirche

Freiburg / Oberharmersbach (pef). Alle Hinweise auf sexuellen Missbrauch im Erzbistum Freiburg werden von einer Kommission untersucht, der künftig auch die ehemalige Sozialministerin Barbara Schäfer-Wiegand angehören wird. Dies gab das Erzbistum am Freitag (19.3.) in Freiburg bekannt. Die Pädagogin und Politikerin war von 1984 bis 1992 Sozialministerin in Baden-Württemberg ? sie ist Vorsitzende der Stiftung „Hänsel + Gretel“ (www.haensel-gretel.de), die Missbrauch verhindern und Kindern helfen will.

Wie aus einer Mitteilung der Erzdiözese hervorgeht, wird die Kommission auch Fälle von Missbrauch in früheren Jahrzehnten sorgfältig überprüfen. Das erweiterte Gremium mit Fachleuten untersucht, wie der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft weiter verbessert werden kann. Generalvikar Dr. Fridolin Keck erklärte am Freitag in Freiburg: “Wir lernen. Wir analysieren unser Vorgehen vor der Jahrtausendwende und setzen die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz (seit 2002) konsequent um, die jetzt ebenfalls weiterentwickelt werden.“

Keck: Tabuisierung bremste in früheren Jahrzehnten Aufklärung

Auch wenn Fälle von sexuellen Missbrauch einst nicht für bundesweite Schlagzeilen und Blitzlichtgewitter sorgten, ist nach Angaben der Erzdiözese schon früher konsequent und umgehend gehandelt worden. Generalvikar Keck verweist auf Vorgänge in Oberharmersbach (Dekanat Offenburg-Kinzigtal), wo ein langjähriger Ortspfarrer im Juni 1991 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde – obwohl es lediglich Gerüchte über “unsittlichen Kontakt zu Kindern“ gab und dieser Verdacht zunächst nicht konkretisiert werden konnte. Der Pfarrer verließ die Gemeinde und zog in ein Altenheim – verbunden mit der Auflage, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. Als sich dann 1995 ? bei weiteren Recherchen des Erzbistums ? ein Missbrauchsopfer meldete und dem Pensionär klar gemacht wurde, dass nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werde, nahm sich der Pfarrer das Leben. In einem später auch in der Kirchenzeitung abgedruckten Abschiedswort bat der Geistliche alle um Verzeihung, “wem auch immer und wodurch auch immer er jemandem Leid oder Unrecht zugefügt“ habe.

Wer – mit dem Wissen von heute – nun suggeriere, der Missbrauch in Oberharmersbach sei vertuscht und der Pfarrer lediglich versetzt worden, surft nach den Worten von Generalvikar Keck auf der aktuellen Kirchen-Kritik-Trendwelle, ohne die Fakten zur Kenntnis zu nehmen: “Das Problem war die offensichtliche Tabuisierung in früheren Jahrzehnten – Kinder und Jugendliche haben sich offenbar zunächst jahrelang nicht getraut, über den Missbrauch zu sprechen.“ Erst danach konnte die Erzdiözese den Opfern durch gezielte Kommunikation vor Ort ihre Hilfe anbieten. Nach dem Tod des langjährigen Pfarrers hielt der Dekan des Dekanates Offenburg-Kinzigtal im Auftrag von Erzbischof Oskar Saier einen Gottesdienst in Oberharmersbach: Er informierte die Gemeinde über die Missbrauchsvorwürfe und lud Opfer ein, sich zu melden. Bei dem als Ansprechpartner benannten Psychotherapeuten meldeten sich 17 Betroffene. Soweit eine Therapie gewünscht war, wurde diese durch das Ordinariat finanziert: “Wir haben unsere Hilfe angeboten. Diese Hilfe wurde angenommen“, betont Generalvikar Keck.

Gezielte Hilfe und Ansprechpartner für Opfer von Missbrauch

Mit Rücksicht auf Opfer aus Oberharmersbach, die noch heute unter dem Missbrauch leiden, bittet das Erzbistum um eine differenzierte und zurückhaltende Darstellung: „Wir wissen aus Gesprächen, dass diese ? meist mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegenden – Erinnerungen nun bei den Opfern und ihren Familien wieder aufgewühlt werden. Deshalb machen wir in der Seelsorge in Oberharmersbach erneut gezielte Hilfsangebote. – Alle Opfer von sexuellem Missbrauch im Bereich des Erzbistums Freiburg können sich an Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner wenden, über die das Erzbistum in seinem Internetportal informiert. Dort (http://www.erzbistum-freiburg.de) sind weitere Einzelheiten – auch zur Prävention – nachzulesen.

Pressekontakt:
Erzdiözese Freiburg
Stabsstelle Kommunikation
Schoferstraße 2, D-79098 Freiburg
eMail: pressestelle@ordinariat-Freiburg.de

Beitrag von auf 19. März 2010. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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