FUNDSTÜCKE – Theatrale Ausstellung

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Die „Theatrale Ausstellung“ ist das dritte und letzte Modul des theaterpädagogischen Projekts FUNDSTÜCKE von GRIPS Werke e.V. in Kooperation mit dem GRIPS Theater.

FUNDSTÜCKE sind Gegenstände aus der ehemaligen DDR und BRD, die von Jugendlichen im ersten Modul des Projekts, Begegnungen, mitgebracht und dem Projekt geschenkt wurden.
Mit den FUNDSTÜCKEN brachten die Jugendlichen auch Geschichten aus ihren Familien und/oder von ihren Bekannten aus der Zeit des geteilten Deutschlands mit.

Daraus konzipierten Philipp Harpain und Georg Piller eine interaktive
„Theatrale Ausstellung“ für Jugendliche ab 13 Jahren.

Unter der Regie von Philipp Harpain, unterstützt von der Assistenz Anne Herrmann, ermöglichen die drei SchauspielerInnen den Jugendlichen in der „Theatralen Ausstellung“ die interaktive Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte.
Das Museumspersonal wird in Rollen der Kuratorin Frau Pfeiffer (Jessica Tietsche) des Museumsführers Herrn Bärlauch (Pano Karas) und des Technikers Herrn Arndt (Jules Armana) repräsentiert.
Gebannt und belustigt verfolgen die Jugendlichen den gespielt chaotischen Anfang der „Theatralen Ausstellung“.
Der Museumsführer, Herr Bährlauch, der meint als Museumswärter eingestellt worden zu sein, wird nach der Begrüßungsrede der Kuratorin, Frau Pfeiffer, mit den Jugendlichen allein gelassen um die Führung zu übernehmen.
Zunächst irritiert und entsetzt über die neue Verantwortung erzählt Herr Bärlauch den Jugendlichen ganz direkt und etwas schroff, dass er nicht vorbereitet ist und wird sofort zum Sympathieträger der Jugendlichen.
Herr Bärlauch beginnt schließlich doch die Führung (er möchte den Verlust seines Arbeitsplatzes nicht riskieren) und mit Hilfe vom Techniker, Herrn Arndt, wird sich so mehr oder weniger an das Aufführungsskript der Ausstellung gehalten.

Gespannt wird beobachtet wie Herr Bärlauch und Herr Arndt eine Mauer-Fluchtgeschichte lebendig werden lassen und bereitwillig und ohne Zögern wird schließlich Herrn Bärlauch in den nächsten Austellungsraum gefolgt.
Die Jugendlichen scheinen keine Zweifel daran zu haben, dass Herr Bärlauch auf seine Art und Weise die Führung meistern wird und lassen sich sogar das Versprechen abnehmen ihn vor der Kuratorin nicht zu verraten.
Herr Bärlauch platzt immer wieder mit Anekdoten aus seinem Leben in der DDR aus dem normalen Verlauf der Ausstellung heraus und berichtet lebhaft über Erfahrungen aus dem Staatsbürgerkundeunterricht und sammelt dadurch wieder einmal Sympathiepunkte bei den Jugendlichen.
Gerne gehen die Jugendliche auf Angebote ein, ehemalige Schulaufsätze über den Kapitalismus oder einen Bericht über die Mangelwirtschaft in der DDR vorzulesen.

Große Begeisterung erntet die Szene, in der Herr Arndt und Herr Bärlauch den Alltag eines Schülers aus West-Berlin, Jochen, und einer Schülerin aus Ost-Berlin, Anke, die ineinander verliebt sind, darstellen.
Als die Szene nun für die Jugendlichen eingeführt wird, wehrt sich Herr Bärlauch in seiner impulsiven Art vehement gegen diese Aufgabe. Große Lacher aus den Reihen der Jugendlichen folgen als sich Herr Bärlauch, jedoch mürrisch, auf die Rolle der Anke einlässt und den Alltag der 14-jährigen Anke vom Aufwachen in der kalten Ofen-Wohnung über den Unterricht „Produktive Arbeit“ in der Schule bis zum ersten Treffen und Telefonat mit Jochen spielt.

Als besonderes und emotionales Erlebnis wird in der Abschlussrunde – unter anderem – die Szene genannt, in der eine Mitschülerin von Frau Pfeiffer und Herrn Arndt, in den Rollen von Stasi-Mitarbeitern, spielerisch als inoffizielle Mitarbeiterin (IM) geworben wird. Dies wird zeitgleich im anderen Ausstellungsraum für die anderen SchülerInnen auf eine Wand projiziert.
Als ein Höhepunkt wird von den Jugendlichen die Nachstellung der friedlichen Revolution und des Mauerfalls erlebt. Hier spielt jede/r Jugendliche/r eine Rolle und gemeinsam mit den SchauspielerInnen werden Stationen wie die Besetzung der ungarischen Botschaft, Montagsdemonstrationen, das Politbüro der SED und schließlich die Maueröffnung nachgespielt. Die Jugendliche gehen in ihren Rollen als Grenzpolizisten, BRD- und DDR-Bürger, Politiker der SED oder Moderatoren völlig auf und tanzen bei der Maueröffnung begeistert auf der „Spielmauer“.

Ein gelungenes Ende bildet die Abschlussrunde, in der die Jugendlichen ein Feedback geben können. Ein Feedback ist ein tosender Applaus der Jugendlichen für die „Theatrale Ausstellung“. Frau Pffeiffer wird anschließend von den Jugendlichen überzeugt Herrn Bärlauch nach dieser gelungenen Premiere einzustellen.

Das Drehbuch, von Georg Piller geschrieben, ist bewusst so angelegt, dass die Jugendlichen am Ende der „Theatralen Ausstellung“ diskutieren ob die Art der Führung durch die „Theatrale Ausstellung“ so gewollt ist oder ob sich das Museumspersonal wirklich vorher nicht abgesprochen hat.
Dies macht den Reiz aus, von dem sich die Jugendlichen vom ersten Moment der „Theatralen Ausstellung“ mitreißen lassen.

Das besondere Bühnenbild von Markus Pötter, welches aus grünen Holztafeln besteht, die die DDR- und BRD- Geschichte in mit Kreide gezeichneten Bildern geeignet illustriert, verleiht der „Theatralen Ausstellung“ ihren speziellen Austellungscharakter. Somit erhalten die FUNDTÜCKE als reale Teile des Bühnenbilds ihre gebührende Aufmerksamkeit.

Das Projekt FUNDSTÜCKE wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin.

Zeit: 03.11.09 – 09.12.09 an jedem Werktag, jeweils 9.30 Uhr und 11.30 Uhr
Der Eintritt ist frei!

Wir empfehlen dazu auch den Besuch der Aufführung des GRIPS Theaters
„Lilly unter den Linden“.

Spielort: GRIPS MITTE im Podewil, Klosterstraße 68,
direkt am U-Bhf. Klosterstraße (U2)

Beitrag von auf 23. Oktober 2009. Abgelegt unter Museen. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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