Grabstein oder Denk(-)mal

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Mit was verbinden wir heutzutage einen Besuch auf dem Friedhof? Leider sehr viele von uns eine wirkliche Last! Und das sollten die lieben Verstorbenen besser nicht wissen! Was ist passiert aus der Kultur des Grabsteins, aus der Tradition den Ruheort des Verstorbenen aufzusuchen, um in Stille ein paar Sekunden mit ihm zu teilen? Was sehen wir eigentlich noch in so einem Stein, der schwer und groß auf dem Grab steht, der zudem sehr teuer war und der nun wirklich nicht jedermanns Geschmack ist?!

Kathrin Post, Steinmetzmeisterin und Bildhauerin aus Siegburg, befasst sich genau mit diesem Thema. Sie als Meisterin des Handwerks weiß was ihre Kunden denken, die Gespräche sind alle sehr offenherzig. Viele kommen zu ihr und möchten einen Grabstein bestellen. Antworten zum Wunsch über Material oder die Form kommen nur kläglich. Nachdem dann schätzungsweise 90% aller Kunden gesagt haben „Was die alle da haben, so einen glänzenden Stein…können Sie auch Rosen eingravieren?“ stellt die Bildhauerin eine wahrscheinlich völlig unerwartete Frage: „Würden Sie mir was über Ihren Vater/Mutter/Mann erzählen?“ so Post. Die Kunden schauen auf und erzählen. Sie lächeln dabei, weil die Erinnerung schön ist; Sie kommen ins Schwärmen, weil sie sich über die Dinge erfreuen die sie damals zusammen erlebt haben und sie weinen auch manchmal, berichtet Kathrin Post. Und an diesem Punkt beginnt die Beratung, denn die Steinmetzmeisterin möchte genau diese Erinnerungen „zu Stein“ bringen. Ihre Devise lautet: Weg vom Grabstein, hin zum Denkmal.

Ein Denkmal ist etwas individuelles, ein Unikat. Oft kann niemand Fremdes in einem solchen Denkmal einen Sinn finden, aber jeder der den Verstorbenen kannte, kann dies zweifellos. „Es gibt nichts Schlimmeres als einen geliebten Menschen zu verlieren, wieso nutzen die Menschen nicht die Möglichkeit ihrem Liebsten ein letztes Mal etwas mitzugeben?“ fragt sich die Bildhauerin so oft. Jedes Hobby, jede Lebenseinstellung und jedes Erlebnis lassen sich beispielsweise in einer Form oder einem Ornament umsetzen. Eine handwerkliche Oberflächenbearbeitung unterstützt die Individualität zudem, diesbezüglich sind keine Grenzen gesetzt. Religiös angehaucht müssen die Steine schon lang nicht mehr sein.

Steht das Denkmal dann erst auf dem Friedhof, sind die Hinterbliebenen oft sehr fröhlich, weil sie ihre letzte Chance genutzt haben, entgegen der Pflicht und entgegen der üblichen Grabsteine, die man so kennt. Für die Steinmetzmeisterin Kathrin Post ist dieser Moment auch der Schönste, denn sie hat mindestens einen Menschen damit glücklich gemacht und einen anderen kennengelernt.

Beitrag von auf 10. November 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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