Heuschnupfen: Darmspülung, Nasenstecker oder Selbsthypnose – Die 10 skurrilsten Tipps für Allergiker

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1. Hannibal Lecter-Schutzmaske: Der Hersteller Respro® bietet spezielle Allergie-Masken aus Polyester an, die einen ein bisschen an “das Schweigen der Lämmer” erinnern. Sie wird über Mund und Nase gestülpt und bietet so Schutz vor Allergenen. In der Maske ist also ein Filter eingebaut, der Partikel davon abhalten soll, in die Atemwege zu gelangen. Die verbauten Materialien sind natürlich allergenfrei. Von der British Allergy Foundation wurde die Maske als allergiefreundliches Produkt ausgezeichnet.

Einschätzung von Dr. Garcha: Basis-Schutz vor Pollen bieten diese Masken bestimmt. Allerdings würde ich persönlich meinen Patienten nicht raten, im Alltag eine Maske anzulegen. Allergiker, bei denen auch die Augen betroffen sind, müssten zusätzlich eine Brille tragen. Weniger empfehlenswert.

2. Heuschnupfen-Armband: Das “Qu-Chi acupressure band” verspricht klinisch getestete Entlastung bei Heuschnupfen und allergischer Rhinitis. Das zweigeteilte Stoffband – in rosa oder braun – wird oberhalb und unterhalb des Ellenbogens angelegt. Durch Druck auf den Qu-Chi-Punkt, der spezifisch mit den Augen und der Nase verbunden ist, sollen die Allergie-Symptome gelindert werden. Atemprobleme in Rachen und Nase können so durch Akupunktur-Methoden reduziert werden.

Einschätzung von Dr. Garcha: Eine große Studie der Charite Berlin hat gezeigt, dass die Wirkung von Akupunktur vor allem eine psychologische zu sein scheint: Bei Probanden, die eine Schein-Akupunktur erhielten, verbesserten sich die Symptome fast genauso stark, wie bei Patienten mit einer echten Akupunktur. Die Macher der Studie bewerten den medizinischen Nutzen von Akupunktur daher als unklar. Weniger empfehlenswert.

3. Rotlicht-Nasenstecker: Der tragbare Lloydspharmacy Allergy Reliever umfasst zwei Dioden, die in die Nase eingeführt werden, um mittels Rotlicht-Therapie Heuschnupfen und Allergische Rhinitis zu bekämpfen. Der Einsatz von Rotlicht soll in den betreffenden Zellen die Histaminfreisetzung unterdrücken. Der Hersteller Lloyds Pharmacy gibt an, dass auf diesem Wege allergische Symptome eingedämmt werden können: tränende Augen und laufende Nase.

Einschätzung von Dr. Garcha: Die Nebenwirkungen der Rotlichtbestrahlung im Naseninneren sind derzeit nicht bekannt. Deshalb sind schwerwiegende Nebenwirkungen wie bösartige Wucherungen nicht auszuschließen. Auf dieses Gerät sollte verzichtet werden.1 Nicht empfehlenswert.

1 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84789660.html

4. Luftbefeuchter: Luftbefeuchter, die Allergene entfernen sollen, gibt es u.a. von Bionaire®. Die Konsole mit Timer enthält einen Aktivkohlefilter mit Backpulver, der gleichzeitig unangenehme Gerüche überdecken und das Zuhause frisch und gleichzeitig allergenfrei halten soll. Nach eigenen Angaben entfernt das Gerät bis zu 99,97% der in der Luft enthaltenen Pollen.

Einschätzung von Dr. Garcha: Wer neben Medikamenten in der Wohnung die Pollenbelastung reduzieren will, kann dies gerne mit verschiedenen Mitteln tun, auch mit Luftbefeuchtern. Oftmals hilft es bereits, tagsüber das Fenster geschlossen zu halten und nur nachts zu lüften. Empfehlenswert.

5. Bioresonanztherapie: Die Bioresonanz soll Abhilfe bei Allergien über körpereigene Schwingungen schaffen. Das Prinzip dahinter stammt aus der Physik und besagt, dass vergleichbare Frequenzen sich verstärken oder aufheben können. Im Rahmen der Therapie werden biophysikalische Frequenzen über Elektroden gemessen, erkannt und daraufhin in gute und schlechte Schwingungen eingeordnet. Ebenfalls über Elektroden werden die angepassten Schwingungen zurückgeleitet.

Ein Beispiel, wie das ganze ablaufen kann, zeigt die Venenpraxis Wunstorf: Bei der Therapie werden zwei Messingkugeln in die Hände genommen, die die körpereigenen Frequenzmuster in das Gerät aufnehmen und verarbeiten. Ebenso nimmt das Gerät die Information des Allergens auf und verarbeitet sie. Das Gerät gibt die „Anti-Allergie-Frequenz“ über die Matte, auf der man liegt, wieder an den Körper ab. Der Körper des Patienten soll dabei über mehrere Sitzungen hinweg lernen, die Frequenzen des Allergens nicht mehr als schädlich zu identifizieren.

Einschätzung von Dr. Garcha: Der Ärzteverband Deutscher Allergologen sieht das so wie ich: mit solchen “Heilpraktiken kann man eine Allergie nicht in den Griff bekommen.” Nicht empfehlenswert.

6. Pollen-Barrieren-Balsam: HayMax ist ein organischer Nasen-Balsam, der um die Ränder der Nasenflügel aufgetragen wird. Dort wirkt der Balsam als eine Barriere für Allergene, indem diese ganz einfach an ihm kleben bleiben. Über ein Drittel aller Pollen sollen durch HayMax daran gehindert werden, in die Nase zu gelangen.

Einschätzung von Dr. Garcha: Gerne können Hilfsmittel wie dieses mit einem Nasenspray oder einer Tablette kombiniert werden. Wichtig ist es aber, die Pollen von vornherein von sich fern zu halten.2 Empfehlenswert.

2 http://www.looklive.at/lifestyle/2016-07-11-experten-tipps-gegen-heuschnupfen-83188/

7. Selbsthypnose: Der Versuch, durch Hypnose Heuschnupfen zu heilen oder zumindest die Beschwerden zu reduzieren, ist kein seltener. An der Universität Basel wurde beispielsweise 66 Allergikern Hypnosetechniken beigebracht. Diese halfen angeblich bei der Linderung bestimmter Symptome, darunter verstopfte Nase. Die Wissenschaftler hinter dieser Studie gehen davon aus, dass die Hypnose den Blutfluss in der Nase beeinflusst und dadurch die Verstopfung reduziert.

Einschätzung von Dr. Garcha: Gut möglich, dass die Hypnose unterstützend wirken kann. Wer an einer starken Allergie leidet, wird diese aber nicht allein durch Hypnose eindämmen können. Verbesserung der Gesundheit möglich.

8. Darmspülung: Der Darm spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem des Körpers. Anwender der sogenannten Colon-Hydro-Therapie vertreten die Meinung, dass das Organ durch schlechte Ernährung “verschmutzt” und Allergien fördert. Bei der Colon-Hydro-Therapie wird der Darm wiederholt mit mehreren Litern Wasser ausgespült. Hierdurch sollen die Keime entfernt und das Immunsystem stabilisiert werden.

Einschätzung von Dr. Garcha: Darmspülungen können schnell falsch durchgeführt werden, sodass die Darmwand verletzt wird. Menschen mit schwachem Kreislauf sollten diese Methode nicht anwenden, da es zu Übelkeit und Kreislaufschwierigkeiten kommen kann. Besser für die Darmflora ist eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls Bakterienkulturen. Eine starke Allergie wird man damit aber auch nicht heilen. Nicht empfehlenswert.

9. Staubsauger-Allergie-Set: Dyson bietet spezielle Staubsauger-Sets für Pollengequälte an. Für knapp 50 Euro ist die besonders weiche Bürste erhältlich. Sie soll Staub und andere Allergene besonders gut von Oberflächen entfernen können.

Einschätzung von Dr. Garcha: Grundsätzlich ist es absolut richtig, die eigene Wohnung regelmäßig zu säubern und so die Pollen von Oberflächen und aus Teppichen zu entfernen. Ob dafür eine extra Bürste notwendig ist, ist allerdings fraglich. Verbesserung der Gesundheit möglich.

10. Türkise Heuschnupfen-Sonnenbrille: Die PRiSMA® Farbbrillen SpektroChrom® sind in den verschiedensten Farben erhältlich. In Grün oder Türkis sollen sie gegen Allergien helfen. Der Grund dafür: Die Farben helfen bei der Regeneration und wirken beruhigend.

Es gibt eine Reihe effektiver Therapien zur Heuschnupfen-Bekämpfung. Auch der Allergologe Prof. Dr. med. Thomas Fuchs bestätigt, dass die deutsche Allergie-Forschung zur Weltspitzenklasse gehört. Wovon hingegen Betroffene die Finger lassen sollten, sind Heilpraktiker-Methoden. Mittel wie Bioresonanztherapie, Globuli oder Armbänder sind definitiv keine wirksamen Therapien bei Heuschnupfen.

Beitrag von auf 22. März 2018. Abgelegt unter Behandlung & Beratung, Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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