„Lebensretter“ mit deutlich geringeren Komplikationen

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Dr. Magnusson mit dem S-ICD
 

Vor etwa 70 Jahren defibrillierte ein amerikanischer Herzchirurg zum ersten Mal erfolgreich einen Menschen mit plötzlichem Herzstillstand. Dabei gab er einen Stromstoß am offenen Brustkorb direkt an den Herzmuskel ab. Seither hat sich in der Technik dieser Therapie vieles getan. Schon seit Langem gibt es sogenannte interne Defibrillatoren, kurz „ICD“ genannt (siehe Kasten). Diese überwachen dauerhaft den Herzrhythmus und geben im Notfall einen Elektroschock ab. Das Alice-Hospital bietet Patienten mit bestimmten Herzerkrankungen nun einen neuartigen internen Defibrillator.
„Im Gegensatz zu den herkömmlichen ICDs, deren Elektroden über eine Vene bis an den Herzmuskel geschoben werden, kommt das neue Gerät ganz ohne eine Berührung des Herzens aus“, sagt Dr. Kai Magnusson, einer der Fachärzte der Gemeinschaftspraxis Zentrum für Herzgesundheit-Kardiologie Darmstadt und Belegarzt am Alice-Hospital. Dessen Elektrode implantieren die Ärzte nämlich so unter die Haut (subkutan), dass das Herz zwischen ihr und dem Defibrillator liegt. In der Fachsprache heißen die Defibrillatoren daher auch S-ICDs (subkutane ICDs).
Elektrode funktioniert lebenslang
Die neue Technik erspart dem Patienten gleich mehrere Risiken. So kann es zum Beispiel bei der herkömmlichen Operation zu einer Lungenverletzung kommen, wenn der Arzt mit einer Nadel ein Blutgefäß unter dem Schlüsselbein punktieren möchte. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Krankheitserreger an der Elektrode entlang zum Herzen wandern und dort die Klappen schädigen. Die Elektrode selbst geht manchmal im Lauf der Zeit durch die mechanische Beanspruchung kaputt, da sie sehr nah an der ersten Rippe liegt und Bewegungen sie daher im Lauf der Zeit beinträchtigen können. „Bei den S-ICDs gibt es diese Komplikationen nicht, sie bieten eine lebenslange Garantie auf ihre Elektroden und funktionieren nach der aktuellen Datenlage genauso zuverlässig wie die herkömmlichen Defibrillatoren“, so Magnusson.
Allerdings kommen sie nicht für alle Patienten in Betracht, die einen ICD benötigen. Sie verfügen nämlich nicht über eine Stimulationsfunktion – die herkömmlichen Geräte tun das. Im Fall eines zu langsamen Herzschlags sind sie daher nicht geeignet. Auch bei Patienten, die bestimmte zu schnelle Herzrhythmusstörungen aufweisen, sogenannte Kammertachykardien, kommen sie nicht zum Einsatz. Denn hier sind nur herkömmliche ICD in der Lage, das Herz sozusagen zu überholen und es durch diese Überstimulation wieder in den richtigen Rhythmus zu überführen.
Insgesamt fünf Patienten hat Magnusson seit Mitte des vergangenen Jahres erfolgreich einen S-ICD implantiert und ist damit für diese neue Methode Vorreiter in Darmstadt. Von ihrem Nutzen ist er so überzeugt, dass er sie künftig öfter anbieten möchte. Profitieren können beispielsweise Patienten, deren Herzleistung weniger als 35 Prozent beträgt und damit stark beeinträchtigt ist. „Etwa ein Drittel dieser Patienten erleben im Lauf ihres weiteren Lebens ein Kammerflimmern“, so der niedergelassene Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin. Ein S-ICD kann dann ihr „Lebensretter“ sein.

Beitrag von auf 7. März 2016. Abgelegt unter Herz-Kreislauf, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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