Literatur: für oder wider Totalitarismus?

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Tatsächlich? Verhindert die Erinnerung an unsere „deutsche Vergangenheit“, dass unsere Literatur sich mit dem Totalitarismus verbündet?
Aber vielleicht gibt es nicht nur den Totalitarismus, den jeder aus den Geschichtsbüchern kennt. Vielleicht gibt es einen schleichenden, der – jedenfalls vorläufig – weitgehend unbemerkt bleibt, der die Menschen versteckt beherrscht, eine Herrschaft gleichsam ohne unser Wissen aufrichtet. Ja, schlimmer noch, den viele Menschen gerne mitmachen, weil sie ihn mit Freiheit verwechseln.
Unser Staat ist nicht totalitär. Doch so traurig es klingt: viele lassen sich gerne verdummen. Und Verdummung ist ein großer Schritt in Richtung Totalitarismus.
Einige Beispiele mögen dies illustrieren:
– Brot und Spiele: Sättigung und Ablenkung. Immer schon ein Mittel der Menschenbeherrschung. Dank Massenmedien heute kein Problem mehr.
– Zuckerbrot und Peitsche: bei Laune halten und zugleich Angst schüren. Man werfe nur einen Blick in die Nachrichten. Angst macht gefügig und schürt den Wunsch nach einem „starken Arm“.
– Verdummung der Menschen durch Erziehung, die nicht erzieht, durch Ausbildung, die nicht bildet. Wer nichts weiß, kann nicht vergleichen. Wer sich nicht mehr selbstbeherrschen kann, öffnet der Fremdherrschaft die Tore.
– Propagierung von absoluter Freiheit und Unabhängigkeit, um die Menschen zufriedenzustellen und sie erst recht unbemerkt ihrer Freiheit zu berauben.
– Menschen müssen überzeugt sein, aus eigenem Antrieb zu handeln. Wie macht es denn die Werbung?
Schön und gut, aber was hat die Literatur damit zu tun? Grundsätzlich ist Literatur, wenn sie nicht im Dienst von Dikaturen steht, antitotalitär, weil sie die Augen öffnet. Vorausgesetzt, es ist gute Literatur (wie auch immer man diese definieren mag). Was aber ist, wenn die Literatur nicht „wider den Stachel löckt“, sondern die beschriebenen Tendenzen mitverfolgt, sie unterstützt? Mithilft, die Menschen zu verdummen, indem sie Interessen dient? Indem sie, nur als Beispiel, falsche Freiheiten propagiert und damit gerade der wirklichen Freiheit entgegenwirkt? Indem sie irreale Optimismen fördert? Indem sie zwar kritisch ist und infrage stellt, aber eine Kritik der Infragestellung ausschließt?

Beitrag von auf 15. Juni 2008. Abgelegt unter Literatur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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