Ministerpräsident Roland Koch stellt Leiterin des neuen HLZ-Schwerpunktprojekts ?Politisch-Historische Aufarbeitung der SED-Diktatur? vor

Abgelegt unter: Kunst & Kultur |


>
Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch hat heute in Wiesbaden Jutta Fleck als Leiterin eines Dokumentationszentrums und Ansprechpartnerin für Zeitzeugen des SED-Unrechtsregimes in einem neuen Schwerpunktprojekt der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung vorgestellt. „Mit Jutta Fleck haben wir eine außerordentliche Persönlichkeit gefunden, die vor allem durch Glaubwürdigkeit und Authentizität, nämlich durch ihren eigenen Kampf für Freiheit, aber auch durch ihre Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit und umfassende Kenntnisse des SED-Regimes überzeugt“, sagte Koch bei ihrer Vorstellung. „Frau Fleck wird den Schwerpunkt ?Politisch-Historische Aufarbeitung der SED-Diktatur? aufbauen und leiten und sich dabei vorrangig um die Dokumentation von Fakten und Erlebnisberichten in diesem Zusammenhang kümmern und Ansprechpartnerin für die Regime-Opfer sein.“ Daneben stehe die Unterstützung der bestehenden Bildungsangebote sowie deren Ausweitung und Vertiefung auf dem Arbeitsprogramm.

„Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe und sehe sie als eine Herausforderung an, vor allem um das Wissen über die Diktatur in der DDR und das SED-Regime zu vertiefen und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern“, sagte Jutta Fleck, der 2007 die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, die Wilhelm-Leuschner-Medaille, verliehen wurde. „Dabei möchte ich einen Beitrag dazu leisten, die bestehenden Einrichtungen ? Stiftungen, Vereine, Informationszentren und Besichtigungsstätten ? stärker zu vernetzen, um die Erinnerungskultur und die politische Bildungsarbeit auf diesem Gebiet auf eine breitere Basis zu stellen.“ Neben einem Zeitzeugenprojekt gehe es darum, die Angebote für Schülerinnen und Schüler und andere Interessierte zu erweitern ? sei es durch Besichtigungsfahrten zu den Erinnerungsorten wie Point Alpha, Schifflersgrund und der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, sei es durch die Vermittlung von Zeitzeugen für Gespräche im Unterricht und die Zurverfügungstellung von entsprechendem Unterrichtsmaterial.

„20 Jahre nach dem Fall der Mauer stellen wir Defizite fest, was das Wissen um die DDR und den Charakter des SED-Regimes angeht“, sagte der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Stefan Grüttner. „Mit unserem neuen Schwerpunktprojekt und Jutta Fleck als dessen Leiterin wollen wir unsere politische Bildungsarbeit auf dem Gebiet der DDR-Geschichte und der Aufarbeitung des Unrechtsregimes der SED ausweiten und vertiefen.“ Der Direktor der Landeszentrale für Politische Bildung, Bernd Heidenreich, dankte der Hessischen Landesregierung für die Initiative dazu. „Die HLZ ist als unabhängige und parteiübergreifende Einrichtung des Landes und mit ihren Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit der richtige Partner für dieses Projekt.“

Ministerpräsident Koch betonte abschließend die Einzigartigkeit dieses „Hessischen Modells“: „Wir setzen einen neuen Akzent, damit mehr Signale vor allem auch in die jüngere Generation gehen, um sich mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur zu befassen“, so Koch. „Ich bin sehr froh, dass wir mit Jutta Fleck, die als ?Frau vom Checkpoint Charlie? einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, eine Persönlichkeit mit der Leitung dieser neuen Aufgabe betrauen können, die nicht nur die Diktatur am eigenen Leibe erfahren hat, sondern die auch gezeigt hat, dass man mit Mut und Entschiedenheit der Freiheit zum Durchbruch verhelfen kann.“ Bereits kurz nach Ankündigung der Initiative sei in der Staatskanzlei ein Schreiben eines Opfers der SED-Diktatur eingegangen, das genau diesen Aspekt hervorgehoben habe: „Unrecht wird vor allem dann hautnah erfahrbar, wenn es einen Namen ? ein Gesicht hat, wenn man mit dem einzelnen Schicksal mitfühlen kann.“

Link-Tipp: www.hlz.hessen.de

Zur Person:

Jutta Fleck
geb. Malorny, verheiratet, zwei Kinder

? 1963 ? 1965 Ausbildung zum Handelskaufmann
? 1965 ? 1968 Datenverarbeitungs-Kaufmann, Deutsche Reichsbahn, Dresden
? 1968 ? 1976 Fernstudium Diplom-Betriebswirt (FH) für Datenverarbeitung/Informatik und Tätigkeit als Programmierer/ Organisator
? 1976 ? 1982 Mitarbeiterin im Kulturbereich, u.a. Begleitung von TV-Serien für das DDR-Fernsehen und Publikums-Dramaturgin

? 1982 ? 1984 Politische Haft wegen „Republikflucht“ in Hoheneck/Stollberg
? 1984 Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland
? 1984 ? heute Selbstständige Mediaberaterin

? 1984 ? 1988 Diverse Aktivitäten zur Freilassung ihrer Töchter aus der DDR, u.a. am Checkpoint Charlie, in Helsinki und bei der Gedenkfeier anlässlich „25 Jahre Mauerbau“ im Berliner Reichstag
? Seit 2000 Politische Bildungsarbeit in Form von Lesungen, Vorträgen, Veranstaltungen, vorwiegend an Schulen als Zeitzeugin ihrer politischen Haft

? Ihr Schicksal war Gegenstand mehrerer Buch-Veröffentlichungen sowie eines zweiteiligen Fernsehfilms der ARD/arte
? 2007 Trägerin der Wilhelm-Leuschner-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen

Pressestelle: Staatskanzlei
Pressesprecher: Staatssekretär Dirk Metz, Sprecher der Landesregierung
Telefon: (0611) 32 39 18, Fax: (0611) 32 38 00
E-Mail: presse@stk.hessen.de

Beitrag von auf 4. September 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste