Ratgeber für den Klavierkauf

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Für den Klavierkauf gibt es keine allgemein gültigen DIN-Normen. Da das Empfinden für den Klang eines Klavieres und das Gefühl für die Spielart keinen Tests und Vergleichstabellen unterworfen sind, erscheint dem bisher unbedarften Interessenten der Kauf eines Klavieres als schwieriges Unterfangen.

Bei der Anschaffung eines Klaviers weiß der Käufer zu Beginn meist nicht so genau, was er überhaupt haben will und kann somit natürlich auch nicht entscheiden, ob das Angebotene Klavier den Anforderungen entspricht. Zudem traut sich der Anfänger oft nicht, das Instrument im Laden selbst auszuprobieren um sich einen eigenen Klangeindruck zu verschaffen. Mangels anderer verbindlicher Kriterien landet das Gespräch schnell bei der Frage nach der Preisvorstellung. Doch selbst das ist nicht immer eine gute Ausgangslage, da die Unsicherheit in Bewertungsfragen und Vergleichskriterien dazu führen, dass der Käufer sich nicht zutraut, die Erklärungen des Verkäufers zu bewerten.
Wer jedoch das einfachste Stück oder auch nur ein paar Töne oder Akkorde der Reihe nach auf verschiedenen Klavieren gespielt hat, kann sehr wohl Unterschiede heraushören und für sich bewerten.

Klavier oder Flügel?
Flügel und Klavier weisen zwei grundverschiedene Bauformenauf. Diese unterschiedlichen Bauformen gehen einher mit unterschiedlichen Ansprüchen und Möglichkeiten. Das klangliche und spieltechnische Potential hängt zwar nicht ausschließlich, aber doch zu einem erheblichen Teil von der Größe des Instrumentes ab. Entscheidend hierbei sind die Saitenlänge und Größe des Resonanzkörpers, die den klanglich markantesten Unterschied zwischen einem Klavier und einem Flügel ausmachen.
Ein Konzertflügel (Länge je nach Hersteller von ca. 270cm bis 310cm) kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn professionell musiziert wird (Konzert oder Tonstudio).
Der nächst „kleinere“ Flügel ist der sogenannte „Halbkonzertflügel“. Diesen Flügel (ab einer Länge von ca. 215cm) findet man üblicherweise auch noch nicht in Privatwohnungen. Salonflügel liegen bei einer Größe von 180 bis ca. 200.
Der Stutzflügel als „kleinster“ Flügel liegt auf jeden Fall unter 180cm. Die kürzesten derzeit angebotenen Flügel sind etwa 150cm lang und damit ist, zumindest in den meisten Fällen, die Grenze des musikalisch noch sinnvollen bereits unterschritten. Abstufungen in der Größe gibt es auch beim aufrecht stehenden Klavier. Kleinklaviere beginnen bei ca. 110cm Bauhöhe. Die größten Klaviere erreichen eine Höhe von 130cm. Lässt man einmal die Kaufpreise für Flügel außer Acht, die meist beginnen, wo die Klavierpreise enden, dann spricht viel für die Anschaffung eines Flügels: Sein Platzbedarf ist zwar größer, aber da man ihn frei im Raum aufstellen kann und er damit nicht auf knappe Stellfläche an der Wand angewiesen ist, lässt er sich oftmals sogar besser unterbringen als ein Klavier, wobei die Länge des Flügels dabei natürlich von entscheidender Bedeutung ist.
Es ist ein völlig anderes Gefühl, mit freiem Blick in den Raum an einem Flügel zu sitzen und nicht, wie beim Klavier, ständig gegen die Wand sehen zu müssen. Besonders beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ist es von Vorteil, wenn man den, oder die Partner sehen kann. Selbst die kleineren Flügelmodelle haben im Vergleich zum Klavier klanglich und spieltechnisch die Nase vorn.
Das wichtigste und schwierigste Auswahlkriterium sind die technischen und musikalischen Qualitäten. Schwierig deshalb, weil es zwar verschiedene Bauarten und Größenklassen gibt, die angewandten Konstruktionsprinzipien zwischen den einzelnen Fabrikaten aber meist nicht so auffällig voneinander abweichen, als dass man daraus eine Kaufempfehlung ableiten könnte. Anders herum ist auch falsch, irgendein Klavier von passender Größe und Farbe zu kaufen. Im Gegenteil: Es gibt krasse Unterschiede in der Qualität der Materialien und der Sorgfalt der Verarbeitung, die sich deutlich in Klang, Spielart und Dauerhaftigkeit äußern. Sogar für einen Fachmann ist es nicht immer leicht, diese Unterschiede bei Klavieren und Flügeln auszumachen.

Während Klang und Spielart mit ein wenig Übung bald selbst beurteilt werden können, ist es bei der Material- und Verarbeitungsqualität schwieriger. Tatsächlich trennt sich hier jedoch schon nach einem Jahrzehnt die Spreu vom Weizen, da ein Klavier doch eigentlich Generationen überdauern sollte.

Preisunterschiede
Einen Anhaltspunkt für die Qualität eines Klavieres bietet natürlich schon der Kaufpreis. Er verhält sich in der Regel dem Fertigungsaufwand für das Klavier oder den Flügel entsprechend.

Markennamen
Hinter bekannten und vor allem deutsch klingenden Namen für Klaviere, verbergen sich mittlerweile oftmals Marken, die auf irgendeine Weise erworben wurden. Nicht selten werden sogar die Namen von ehedem bekannten Klavierherstellern heute als Handelsmarken neuer Hersteller verwendet.
Man halte sich also im Zweifelsfall beim Klavierkauf an das, was man hört und fühlt.

Asienimporte
Heute gibt es auf dem Klavier Markt sehr viele Asienimporte. Um genau zu sein, übersteigt die Zahl der in Ostasien gebauten Klaviere die Zahl der in Europa gebauten Instrumente bei weitem. Im Angebot gibt es mittlerweile einige Klaviere, die zwar günstig aber solide gebaut wurden. Selbstverständlich sind dies keine Instrumente, die Generationen überdauern können, aber der Tatsache sollte man sich beim Kauf eines solchen Klavieres bewusst sein.

Ein Klavier oder einen Flügel neu oder gebraucht kaufen?
Der Kauf eines Gebrauchtinstrumentes ist gerade beim Klavier oder beim Flügel nahe liegend, da ein qualitativ hochwertiges Instrument bei angemessener Pflege und Wartung oft auch noch nach Jahren und Jahrzehnten, in gutem Allgemeinzustand ist. Doch auch hier gilt es zu unterscheiden: Ein wirklich tadelloses Klavier wird nur selten zu einem günstigen Preis verkauft. Und im Gegensatz zu anderen Konsumgütern werden Klaviere nicht deswegen ersetzt, weil sie ein gewisses Alter erreicht haben. Anlass für den Verkauf ist entweder der Kauf eines besseren Klaviers oder die Tatsache, dass es schlicht nicht mehr benötigt wird. Grundsätzlich muss man jedoch zwei verschiedene Gebraucht-Varianten unterscheiden:

Das nur wenige Jahre alte Gebrauchtklavier und das wirklich Jahrzehnte alte Klavier, das durch einen Fachmann überholt und restauriert wurde.

Dass man auch solche Instrumente durchaus in Erwägung ziehen sollte, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Grundkonstruktion des Klaviers und des Flügels seit über 100 Jahren annähernd gleich geblieben ist.

Bei der Begutachtung eines Klavieres sollte man also sein Augenmerk auf folgende Merkmale richten:

■Ist der Rahmen des Klavieres durchgehend aus Gusseisen?

■Verlaufen die Saiten diagonal und überschneiden sie sich?

■Liegt beim Klavier die Leiste der Hammerköpfe oberhalb der Dämpfung?

Können diese Fragen durchgehend mit JA beantwortet werden, handelt es sich meistens zumindest um eine so genannte moderne Konstruktion, die gegebenenfalls restaurationswürdig ist, solange dies von einer ausgesprochenen Fachwerkstatt gemacht wird. Man sollte jedoch beachten, dass solche Klaviere oft zwar über eine sehr gute Substanz und qualitativ hochwertiges Material verfügen, der Preis für eine Restauration jedoch in den Bereich einer Neuanschaffung kommt. Allerdings kann das Ergebnis eines solchermaßen restaurierten Klavieres dann auch hochwertiger sein, als ein billiges Neuklavier.

Die kompetente Beratung durch einen Fachmann ist hier auf jeden Fall anzuraten.

Beitrag von auf 25. August 2009. Abgelegt unter Klassische Musik. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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