Rückzug in die eigenen vier Wände: Baumarktbranche behauptet sich trotz Krise

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München, 14. April 2010: Trotz der Wirtschaftskrise sinkt das Marktvolumen der Baumarktbranche europaweit um nur 1,5 Prozent. Das geht aus dem Europa Konsumbarometer 2010 hervor, einer Studie der Dresdner-Cetelem Kreditbank in ausgewählten europäischen Ländern. Danach fällt der Rückgang im Marktvolumen für den Heimwerkermarkt im Vergleich zu anderen Konsum- und Investitionsgütern für private Haushalte moderat aus. „In Zeiten der Unsicherheit ziehen sich Menschen verstärkt in ihre eigenen vier Wände zurück“, schließt Dr. Anja Welsch, Bereichsleitung Sales Support & Marketing der Dresdner-Cetelem Kreditbank, „dies erklärt das relativ gute Abschneiden der Baumarktbranche im letzten Jahr.“

Deutschland bleibt 2009 im europäischen Vergleich die Heimwerkernation Nummer eins. Mit einem Marktvolumen von 42,96 Milliarden Euro liegt die Branche hierzulande weit vor dem zweitgrößten europäischen Markt, Frankreich (19 Milliarden). Dies schlägt sich auch in den durchschnittlichen Ausgaben je Haushalt nieder. 1.072 Euro hat ein durchschnittlicher deutscher Haushalt 2009 im Baumarkt ausgegeben. Damit lassen die Bundesbürger ihre französischen Nachbarn (694 Euro) auf Platz zwei weit hinter sich. Bei vergleichbarem Einkommen geben die Haushalte hierzulande mit 807 Euro rund zwei Mal so viel Geld für den Heimwerkerbedarf aus als die Portugiesen (412 Euro), die immerhin auf Platz drei im europäischen Vergleich liegen.

2010: Es wird gebaut, gebastelt und umgestaltet
In diesem Jahr planen Europäer offensichtlich weitgreifende Umbauten in Haus und Hof. Wollten 2009 noch 19 Prozent in Heimwerker- und Gartenbedarf investieren, plant dies im laufenden Jahr fast jeder vierte Befragte. Lediglich die beiden Spitzenreiter Deutschland und Frankreich zeigen sich zurückhaltend: Zwar liegen in beiden Ländern die Kaufabsichten immer noch deutlich über dem europäischen Durchschnitt, allerdings sind sie im Vergleich zum Vorjahr rückläufig.

Sicherheit in der Krise: die eigenen vier Wände
Die generell positiven Zahlen der Branche erklärt Professor Dr. Schröder der Universität Duisburg-Essen: „Es ist schon häufig zu beobachten gewesen, dass sich die Menschen in Krisensituationen mehr um ihr eigenes unmittelbares Umfeld kümmern. Es geht darum, sich nachhaltig etwas Gutes zu tun, etwas, woran man sich jeden Tag erfreut. Das kann der umgestaltete Garten sein, das neu eingerichtete Wohnzimmer oder der Freizeitsport, den man täglich ausübt.“

Neue Distributionsformen: Internet und Gebraucht-Waren-Handel im Kommen
Trotz positiver Aussichten, muß sich der stationäre Handel künftig jedoch vorsehen. Konkurrenz droht aus dem Internet sowie vom Gebraucht-Waren-Markt: Hatten bisher nur sieben Prozent der Europäer Heimwerker- und Gartenbedarf aus zweiter Hand gekauft, beabsichtigen dies 32 Prozent in der Zukunft. In Deutschland kann sich fast jeder vierte Befragte vorstellen, seine Heimwerkerausrüstung gebraucht zu kaufen. 12 Prozent der Europäer haben schon einmal Heimwerker- und Gartengeräte gebraucht verkauft, rund doppelt so viele planen dies in der Zukunft. In Deutschland sind bereits deutlich mehr Verbraucher in die Rolle des Verkäufers geschlüpft. 18 Prozent haben bereits Heimwerkerbedarf privat verkauft, 45 Prozent wollen dies künftig tun. Auch das Internet wird immer attraktiver. Während europaweit nur rund 40 Prozent der Befragten vorhaben, die neuesten Werkzeuge bequem von zu Hause zu bestellen, sind dies hierzulande 45 Prozent.

Konsum im Wandel – Was kommt nach der Wirtschaftskrise?

Allgemeine Stimmung: Moderate Zuversicht
Die Bilanz aus dem Krisenjahr 2009 könnte vernichtender sein. Mit 4,2 von insgesamt zehn möglichen Punkten bewerteten die Europäer Ende 2009 die Gesamtsituation ihres Landes um nur 0,1 Prozent schlechter als im Vorjahr. Die Zukunftsaussichten legten im Vergleich zum letzten Jahr in allen Ländern sogar leicht zu. Doch spurlos hat Europa die Wirtschaftskrise dennoch nicht überstanden. Die Erfahrungen mit der Rezession schlagen sich in unterschiedlichen Bereichen des Konsum-Alltags nieder.

Ausgabeverhalten: Sparen hoch im Kurs
Das Ausgabeverhalten der Europäer steht weiterhin klar im Zeichen der Krise. Mehr als jeder dritte Befragte will in diesem Jahr seine Ersparnisse erhöhen. Gleichzeitig äußert mehr als jeder zweite Befragte die Absicht, seine Ausgaben in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Trotzdem stehen für die Hälfte der Europäer auch 2010 wieder “Freizeit und Reisen“ auf Platz eins der Konsumpräferenzen. Auch Haushaltsgeräte, Möbel und High-Tech-Produkte fürs Wohnzimmer rangieren ganz oben auf der Konsumliste.

Umdenken nach der Krise: Der Verbraucher von morgen
Nach der Wirtschaftskrise orientieren sich die europäischen Verbraucher neu. Fast zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, dass die wirtschaftliche Talfahrt der letzten Jahre ihr Konsumverhalten nachhaltig verändern wird. In Deutschland hat rund die Hälfte der Befragten vor ihr Kaufverhalten zu ändern, um Kosten zu sparen. Im Vordergrund steht die Rückbesinnung auf Preis (96 Prozent) und Qualität (87 Prozent). Viele Service- und Zusatzleistungen verlieren in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Für niedrigere Preise würden 82 Prozent der Befragten Europäer eine einfachere Produktpräsentation in Kauf nehmen. Rund die Hälfte würde auf Kassierer und Verkäufer verzichten und sich mit einer eingeschränkten Markenauswahl arrangieren.

Handel: klassische Konzepte auf dem Prüfstand
Das Discountkonzept erobert weitere Produktmärkte und findet auch bei besser situierten Berufsgruppen Zuspruch. Einzelhandelsketten reagieren mit drastischen Preissenkungen und abgespecktem Leistungsangebot nach dem Vorbild der Discountmärkte. „Die tiefgreifenden Veränderungen im Kaufverhalten sind eine große Herausforderung für den Einzelhandel“, so Dr. Anja Welsch, Bereichsleitung Sales Support & Marketing der Dresdner-Cetelem Kreditbank. „Traditionelle Handelskonzepte müssen vor diesem Hintergrund neu überdacht werden.“

„Grüner Konsum“: Das ökologische Gewissen kauft mit
Aus der Krise wächst offenbar auch ein neues Verantwortungsbewusstsein. Grüner Konsum und fair gehandelte Produkte sind gefragter denn je. Der europäische Konsument kauft verantwortungsvoll und vorausschauend, er achtet auf Umweltschutzkriterien, gesunde Erzeugnisse sowie einen gerechten Lohn. So geben knapp zwei Drittel aller befragten Europäer an, bewusst Recyclingpapier zu verwenden. 40 Prozent betreiben bereits aktiven Umweltschutz im eigenen Heim und mehr als jeder dritte Europäer hat schon öfters ins Bioregal gegriffen.
Geht es jedoch um Komfortverzicht oder größere Investitionen zugunsten der Umwelt, lässt die Begeisterung der Konsumenten nach. Nur jeder dritte europäische Befragte gibt an, schon einmal aus ökologischen Aspekten den Zug genommen zu haben, anstatt mit Auto oder Flugzeug zum Ziel zu gelangen.

Fairtrade-Produkte: Nachholbedarf bei der Vermarktung
Fairer Handel verzeichnet in Europa seit einigen Jahren deutliche Zuwachsraten. Der Befragung zufolge greifen allerdings bislang nur 44 Prozent der Europäer gelegentlich zu Waren aus fairem Handel. Als Hauptgründe gegen den Kauf nennen die Verbraucher zu hohe Preise (69 Prozent) sowie ein unzureichendes Angebot im „Non-Food-Bereich“ (64 Prozent). Mehr als jeder dritte Befragte empfindet Fairtrade lediglich als ein weiteres Marketinginstrument.
Im Gegensatz zu Bioprodukten fehlt im Fairtrade-Segment außerdem der Anreiz des persönlichen Vorteils. Der Kauf von fair gehandelten Gütern hilft den kleinbäuerlichen Erzeugern. Bioware hingegen kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch der eigenen Gesundheit. So nehmen Verbraucher bei Biowaren höhere Preise in Kauf, während sie sich dies bei Fairtrade-Erzeugnissen nicht gefallen lassen. Der faire Handel wird erst dann weitere Marktanteile gewinnen, wenn der Verbraucher intensiver informiert, die Glaubwürdigkeit gestärkt und die Attraktivität der Produkte gesteigert wird.

Gebraucht-Waren: Inbegriff einer neuen Konsummentalität
Der Gebraucht-Waren-Handel gewinnt stärker an Bedeutung. Secondhand-Produkte befriedigen die neuen Kundenbedürfnisse: Sie versprechen gute Qualität zu kleinen Preisen. Besonders gefragt sind Fahrzeuge: Rund zwei Drittel der befragten Europäer haben schon einmal einen Gebrauchtwagen erworben. Auf Platz zwei der Beliebtheitsskala rangieren mit 60 Prozent Bücher, CDs und Videospiele.

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