Stellungnahme der IB-Hochschule Berlin zum Positionspapier „Heilmittelerbringer direkter in die Versorgung einbinden“ der CDU/CSU Bundestagsfraktion

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In einem Positionspapier der AG Gesundheit der
CDU/CSU Fraktion im Bundestag, welches auf eine Initiative des
Physiotherapeuten, Praxisinhabers und Bundestagsabgeordneten Dr. Roy
Kühne zurückgeht, werden zahlreiche Forderungen aufgestellt. Diese
stimmen auf den ersten Blick mit den Bemühungen vielfältiger Akteure
der Verwissenschaftlichung und Akademisierung der
Gesundheitsfachberufe überein. Auf den zweiten Blick ist der Vorstoß
der CDU/CSU Fraktion jedoch kritisch zu sehen, da er diese Bemühungen
im Handstreich zunichte machen und die Themen auf Jahre aus einer
politischen Diskussion verbannt werden könnten.

Zum Positionspapier:
http://ots.de/pOmHg

Das Positionspapier stellt einen Rundumschlag gegen tatsächliche
Missstände in den Berufen und Versorgungsstrukturen der
Heilmittelerbringer dar, greift dabei argumentativ aber viel zu kurz
und fokussiert letztendlich auf eine Verbesserung der
Einkommenssituation der Gesundheitsfachberufe. Dadurch rückt der Kern
des Gewollten – eine bessere Versorgung von Patientinnen und
Patienten – in den Hintergrund und die nun erfolgende öffentliche
Debatte greift vorrangig den monetären Aspekt auf. Dieser wird durch
die Befangenheit Herrn Kühnes, dem leicht eine Vorteilnahme aufgrund
seines Abgeordnetenstatus für die eigene Berufsgruppe nachgesagt
werden kann, noch verstärkt (vgl. Beitrag ARD „Report München“ vom
21.04.2015).

Die Übertragung von mehr Verantwortung wie der des Direktzuganges
auf die Heilmittelerbringer in der Physiotherapie, Ergotherapie und
Logopädie ist daran gebunden, dass die Qualifikation eine Übernahme
dieser Verantwortung auch rechtfertigt. Die Übertragung derartiger
Verantwortung erfordert eine weiterführende, hochschulische
Qualifikation, die genau diese Art eigenständiger
Verantwortungsübernahme, gepaart mit weitreichenden Kompetenzen
beispielsweise in Differentialdiagnostik, gewährleistet. Die
Anpassung der Qualifikation auf Hochschulniveau bis zum Master muss
Voraussetzung für erweiterte Kompetenz- und
Verantwortungszuschreibungen sein.

Die Argumentation im Positionspapier bezieht sich in ihren
Forderungen im Wesentlichen auf Modellvorhaben mit
Blankoverordnungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu
Veränderungsprozessen und deren Auswirkungen im komplexen und
sensiblen System der Gesundheitsversorgung scheinen nicht Grundlage
der Forderungen. Ein besser argumentiertes, differenzierteres und vor
allem in Kooperation mit den berufs- und bildungspolitischen Akteuren
sowie den wissenschaftlichen Experten abgestimmtes Vorgehen ist
unabdingbar, um Reformen einzuleiten, die den zukünftigen
Versorgungsbedarfen gerecht werden. Die IB-Hochschule Berlin
positioniert sich eindeutig für ein gemeinsames Vorgehen aller
relevanten Experten aus Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
Ein Alleingang der CDU/CSU Bundestagsfraktion ohne die Rückbindung an
belegbare Argumentationsstränge von seit Jahren aktiven Experten kann
hingegen nur eine kurze Reichweite haben.

Pressekontakt:
IB-Hochschule Berlin
Prof. Dr. Mariam Hartinger
Fakultät Gesundheitswissenschaften
Forschungskoordinatorin und Projektleiterin BMBF-Projekt „Therapeutic
Research als berufsbegleitende Weiterbildung für
Gesundheitsfachberufe“
mariam.hartinger@ib-hochschule.de

Robert Richter
Fakultät Gesundheitswissenschaften
Fakultätskoordinator Berlin
robert.richter@ib-hochschule.de

Beitrag von auf 4. Mai 2015. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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