Uwe – Ein Transvestit mit reichlich viel Kopf-Kino?

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Wunder brauchen Zeit – Im Roman wird eine Liebe beschreiben, die sich ihren eigenen Weg sucht. Es ist ein Roman der sich zwischen Lebenssinn-Suche, Identitätssuche, Lebensgestaltung, Liebe und Abhängigkeit, Partnerbeziehungen die nicht gelingen wollen, aber auch um den Verlust des Weiblichen beim Mann beschäftigt.

Buchbeschreibung:
Die Ausgangssituation für die Hauptprotagonisten „Lissy“ und „Uwe“ ist sehr extrem und der Leser fragt sich, ob die beiden es schaffen, zueinander zu finden – und das ist hier ziemlich schwierig.
Im Buch wird verdeutlicht, welche psychischen Probleme ein junger Mann in sich trägt, der glaubt, eine Frau sein zu wollen. Es ist ein ernsthaftes Thema, das mit viel Humor erzählt wird, ohne sich darüber lustig zu machen.
Lissy trennt sich von ihrem Ehemann Roger und zieht vorübergehend zu ihrer Freundin. Ihr einfühlsames Wesen ermutigt Uwe sich ihr anzuvertrauen und er gesteht, dass er eigentlich eine Frau sein möchte. Dadurch, dass Uwe auch noch der Arbeitskollege von Roger ist, macht die Situation noch viel schwieriger. Kurios scheint auch die Aussage seiner Kollegen – er sei ein Weiberheld. Und richtig kompliziert wird es dann, wo Lissy sich eingestehen muss, sich in Uwe verliebt zu haben.
Wo hört Freundschaft auf und wo fängt Liebe an?
Lissy will sich von Uwe zurückziehen aber ihre Sehnsucht nach ihm wird grenzenlos. Um dieser Problematik nicht nur hilflos gegenüber zu stehen, informiert sie sich über Transsexualität und begleitet ihn zu einer Selbsthilfegruppe.
Gleichzeitig lernt sie den Japanisch-Lehrer Walter kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht.
Nicole, die seit zwei Jahren ihre Operation „zur Frau“ schon hinter sich hat, gesteht Lissy, dass ihre OP ein riesengroßer Fehler war und will die Anderen davor warnen.
Wie aus heiterem Himmel sagt Uwe seinem Arbeitgeber die Wahrheit über sich. Er will endlich eine Frau werden!
Gibt es jetzt für ihn kein Zurück mehr?
Diese Kommunikation zwischen den beiden Hauptdarstellern spiegelt beinahe alle Facetten des Lebens wieder: Vorfreude, Neugierde, Wut, Zärtlichkeit, Enttäuschung, Verrat, Liebe, Erotik, Entschlossenheit, Wankelmütigkeit, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung.

Leseprobe:
Kapitel 5 – Ein paar Tage danach erhielt ich einen langen Brief von Uwe. Er musste ihn persönlich in meinen Briefkasten geworfen haben, denn der Umschlag war ohne Briefmarke. Ich steckte ihn, ohne zu öffnen in meine Tasche, da ich sehr in Eile war. Außerdem wollte ich seine Zeilen in Ruhe lesen. Ich fragte mich den ganzen Tag, was er mir wohl geschrieben hatte und wurde immer ungeduldiger. Gegen sechzehn Uhr verließ ich das Büro und fuhr nach Hause. Eilig schloss ich die Tür auf, warf meine Jacke achtlos aufs Sofa und begann zu lesen.
Er schrieb über seine Gefühle, die ihn nicht mehr losließen. Er beschrieb sie voller Leidenschaft, und ich konnte jedes einzelne Wort in meiner Seele spüren.
Nein, sein Geständnis erschreckte mich nicht, seine Gefühle waren nur so überraschend für mich. Sollte ich jetzt schockiert, erschüttert oder traurig sein?
Ich saß auf meinem blau melierten Teppichboden und konnte wegen meiner weichen Knie nicht aufstehen. Dieser tolle Mann hatte mir soeben ein Geständnis gemacht und er vertraute jetzt auf mein Mitgefühl.
Rot lackierte Fingernägel, die Wimpern lang und seidenschwarz getuscht, Make-up und rubinrote, glänzende Lippen. Dazu einen engen und nur bis zum Po reichenden Minirock, Nylonstrümpfe und hohe Pumps.
Uwe fand das an Frauen toll.
Aber am meisten an sich selbst. Die Frau in ihm wollte endlich zu leben anfangen!
Nein, ich war nicht traurig und auch nicht entsetzt, vielleicht nur etwas erschüttert. Und was ich sonst noch fühlte, hätte ich nicht mit Worten beschreiben können. Vielleicht war es so wie rückwärtsgehen, oder im Kopfstand zu versuchen, ein Glas Sekt zu trinken und dabei die Schwerkraft außer Acht zu lassen? Selbstverständlich wusste ich, dass es „solche Menschen“ irgendwo gab, nur hatte ich nie einen von ihnen kennengelernt. Und ausgerechnet Uwe sollte solch ein Mensch sein?
Er schrieb über Gefühle, die weiblich oder männlich wären, und ich fragte mich, was Gefühle mit dem Geschlecht zu tun hatten? Und ich dachte mir, nicht männlich oder weiblich bilden den Unterschied, sondern echt und unecht.
Seine Schilderungen, diese Reise in sein Inneres, hatten mich auf eine Weise berührt wie die Tautropfen im Gras, wenn sich der Nebel langsam im Morgengrauen erhebt. Ich spürte, dass er jetzt wie ein Vergissmeinnicht für mich war, das ich ganz nah an meinem Herzen spüren wollte, aber trotzdem nicht pflücken durfte.
An den vorhergehenden Tagen hatte ich sehr viel an ihn denken müssen, und wenn ich an ihn gedacht hatte, dann war es stets ein berauschendes Gefühl gewesen. Daran änderte jetzt auch dieser Brief mit seinem Bekenntnis nichts mehr.
Wunder brauchen Zeit (Autoren: Jutta Schütz und Jens Petersen) ISBN: 978-3-86850-625-9, (2. Auflage) tredition-Verlag.
Veröffentlichung nur mit Quellennachweis!

Beitrag von auf 6. Oktober 2010. Abgelegt unter Literatur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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