Vernissage und Konzert. Sasha Pushkin spielt am 18.09 zu Bildern von Jaroslaw Broitman in der Galerie Vinogradov.

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Die Werke Jaroslaw Broitman scheinen aus der Kraft der Natur, die für ihn die Quelle der Inspiration bildet, zu erwachsen. Die abstrakten Farblandschaften, die durch den pastosen Farbauftrag auf der groben Leinwand entstehen, erhalten durch diese Materialität des Bildes eine dritte Dimension und greifen sowohl in den Raum wie in die Bildtiefe hinein. Für den Künstler steht vor allem der Malprozess im Vordergrund, der auf das intuitive “Sich von der Farben leiten lassen” zurückgeht und als eine metaphysische Kontemplation empfunden wird. Seine Werke scheinen durch die Nähe zum Ouevre Emil Schumachers, prominenten Vertreter des deutschen Informels, vertraut zu sein und doch entfalten sie eine eigene archaische Kraft. Das Erleben der Farbpigmente als naturnahe Rohstoffe, die alle organischen und erdgeschichtlichen Potentiale in sich tragen, der kräftiger Pinselduktus sowie die Oberflächenstrukturen bringen die gesehene und die empfundene Seelenlandschaft in Resonanz zu einander und lassen das hektische Großstadtleben um sich vergessen. Wie durch einen Bogen, das als Motiv in seinen Werken oft zu beobachten ist, lässt der Künstler den Betrachter auf das Wesentliche, auf die Natur in sich, blicken. „Was Natur vergebens möchte, vollbringen die Kunstwerke: sie schlagen die Augen auf“, – so formulierte T. Adorno die Aufgabe der Kunst in seiner „Ästhetischen Theorie“. In der künstlerischen Umsetzung besitzt die Bogenform bei Broitman ein hohes Maß an Spannungsintensität zwischen Kreis oder Quadrat, sie nimmt einen unregelmäßigen Verlauf an oder wird sogar an verschiedenen Stellen durchbrochen. Die Bogenform tritt beim ihm als Reminiszenz an die Architekturform von Moscheen, Kuppeln auf und deutet auf die Sehnsucht und die Erinnerungen an seine Heimat Dagestan hin.

Der Bezug auf „Natur“ als Gegenstand der Kunst wird in dem Maße präsenter je weiter die zivilisatorischen Automatisierungs- und Technisierungsprozesse voranschreiten. Die von Goethe und Novalis geprägte Bezeichnung der Kunst als „zweite Natur“ charakterisiert inzwischen deren dialektisches Verhältnis. Oder wie es Martin Seel treffend formulierte: „Wir suchen in der Natur immer auch eine Wirklichkeit außerhalb der Geschichte, wir suchen in der Kunst immer auch eine Geschichte außerhalb der Wirklichkeit.“

Der 1966 in Machatschkala geborener Künstler, absolvierte sein Studium der Malerei an der Kunsthochschule „Dschemal“ in Machatschkala und arbeitete bis zu seiner Auswanderung im Jahre 1999 in Moskau. Er ist Mitglied des International Federation of Artists UNESCO (IFA). Seit 2002 lebt und arbeitet in Berlin, Griechenland, Frankreich und Spanien.
Wie ein inspirierter Maler erschafft der russische Konzertpianist und Komponist Sasha Pushkin mit seinen musikalischen Grenzüberschreitungen immer wieder neue improvisierte Klangbilder, die Ausdruck seiner offenen, kosmopolitischen Existenz sind.
Der Begriff „Exprovisation“ steht für die unmittelbare Vereinigung von Experiment und Improvisation und bezieht sich auch auf den Begriff des musikalisch „freien“ Impromptu-Klaviersolos wobei an diesem Abend die Malerei von Jaroslaw Broitman als Inspiration dienen wird.
Ähnlich der Cut-Up Technik von William S. Borroughs zerreißt, zerschneidet und restrukturiert Sasha Pushkin virtuos verschiedenste Elemente aus Klassik, Jazz, Avantgarde, Minimal, Rock und Ethnoklängen zu einem Fluss von interagierenden Klang-Kaleidoskopen.
Der Zuschauer wird beim Konzert unmittelbar Zeuge eines verdichteten Kompositionsprozesses, nämlich einer einmaligen „Exprovisation“.
Gleichsam eines atemberaubend dynamischen Drahtseilaktes erlebt der Zuschauer mit der actio und reactio von aufwogenden Klangwellen bis zu nuanciertesten Pianissimo-Sequenzen die immense Bandbreite des virtuosen Klangakrobaten, dessen unverwechselbares Spiel – wenn man denn einen Vergleich ziehen möchte – z.B. an Bartok, Gershwin, Keith Jarrett, Tschaikowski oder Rachmaninow erinnert.
Dazu gehören rhythmische und melodische und bisweilen eruptive bis atonale Improvisationen, die neben dem Piano in Anlehnung an das „Prepared piano“ von John Cage auch weitere Klangerlebnisse einschließen können. Einen musikalischen Widerhall finden bei den Improvisationen von Sasha Pushkin auch seine vielfältigen Aktivitäten, u.a. als Zeichner, Dichter und als Komponist bei Kooperationen für modernen Tanz, Multimedia-Projekte und Filmmusik.
http://www.sashapushkin.com/

Ausstellungseröffnung 18Uhr
Konzertteil 20Uhr
Galerie Vinogradov. Internationale Kunst in Berlin.
Chodowieckistr. 25, Berlin, 10405
S-Bahn Prenzlauer Allee. Tram M2/M10 Danziger Str/Prenzlauer Allee
Mi-Fr 14-20h, Sa 11-15h und nach Vereinbarung
+49 3086430410
www.eurusart.com

Beitrag von auf 13. September 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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