Vom alten Hasen lernen: Gitarrenlegende Siggi Schwarz im MUSICplease Interview

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MP: Herr Schwarz, Ihren ersten Plattenvertrag haben Sie vor mehr als vier Jahrzehnten bei einem Bandwettbewerb gewonnen. Ist das heutzutage noch eine realistische Chance für Bands, groß raus zu kommen?
Schwarz: Das wird tatsächlich immer schwieriger … heute wird da nichts mehr dem Zufall überlassen. Die Organisatoren von Casting Shows, Fernseh-gesellschaften, sowie Plattenfirmen, geben nur wenigen Bands und Künstlern wirklich eine Chance. Es geht um Macht und Geld, weniger um die Kunst … leider! Aber nichts ist unmöglich. Wenn man Dinge mit Liebe erfüllt und daran glaubt, können auch kleine und große Wunder geschehen.

MP: Sie sind nun seit Jahrzehnten nicht mehr aus der deutschen Musikgeschichte fortzudenken und auch heute haben sie noch alle Hände voll zu tun: Hier als Festival-Veranstalter des „Brenzpark Open Airs“, dort als Produzent zu der Wolfgang-Fierek-Serie „On The Road Again“ … Wie lief die Arbeit für Sie als Filmmusik-Produzent ab?
Schwarz: Mit Wolfgang Fierek bin ich schon länger befreundet. Wir machen auch auf der Bühne zusammen Musik. Man schaut sich den Film-Rohschnitt mehrere Male an und versetzt sich in das Thema und das Feeling des Films hinein. Der Film zeigt die schönsten Seiten und die Roots von Arizona, dazu passt Musik mit Blues-Rock und Country Feeling. Ich hatte viel Freiheit.

MP: … apropos Filmmusik: Erst kürzlich wurde Ihre Version des Sam & Dave-Songs „Hold On I’m Coming“ für die Hollywood-Produktion von „Kung Fu Panda 2“ ausgewählt. Wie haben Sie es auf den Soundtrack geschafft?
Schwarz: Das kam für mich selbst sehr überraschend. Paramount Pictures Hollywood schickte mir eine E-Mail-Anfrage für eine Lizenzierung meiner Version von „Hold On I’m Coming“, den ich für mein „Soul Classics“-Album von 2007 produziert hatte und bei dem unter anderem der Ex-Sänger von Manfred Mann’s Earthband Chris Thompson, Ex-Prince-Drummer David Haynes und Westerhagen-Bassist Raoul Walton neben mir an der Gitarre zu hören sind. Man hatte meine Version ausgesucht, weil sie modern klingt und vom Sound perfekt passte. Sie wurde außerdem für die weltweite Bewerbung des Hollywood-Animationsfilms „Kung Fu Panda 2“ durch TV-Spots, Video-Trailer, Video-Games usw. eingesetzt. Mal sehen, was diese gute Verbindung noch so mit sich bringt.

MP: Um Jobs wie Filmmusiken zu ergattern, wie wichtig ist da das Networking innerhalb der Musikerszene? Haben Sie diesbezüglich Tipps für junge Musiker?
Schwarz: Beim Filmmusikgeschäft gibt es viele alte Verbindungen und Freundschaften, da ist es schwer einzudringen. Mein Tipp dennoch: Kontakte suchen, im Gespräch bleiben, Material anbieten und auch auf das Glück vertrauen.

MP: Sie sind nicht nur Musiker, Produzent, Veranstalter und Komponist, Sie führten auch über mehrere Jahre hinweg einen Gitarrenhandel. Wie schwierig ist es, das alles unter einem Hut zu bringen? Muss man heutzutage als Musiker auch ein geborener Multitasker sein?
Schwarz: Musik mache ich seit meiner frühen Jugend, den Handel habe ich fast 30 Jahre mit großem Spaß betrieben. Siggi Schwarz Music war ein sehr exklusiver Gitarrenladen mit vielen ausgesuchten und teuren Instrumenten. Die Kundschaft kam aus der ganzen Welt zu mir nach Heidenheim, wie z. B. Die Toten Hosen, Rammstein und Aerosmith. Aber als ich mehr im Studio und als Produzent tätig wurde und mich als Veranstalter um die Kultur kümmerte, war mir klar, alles gut zu machen, geht nicht. Deshalb habe ich vor drei Jahren ohne Wehmut, aber mit großer Dankbarkeit für eine großartige Zeit, als Gitarrenspezialist meinen Laden zu gemacht. Man braucht das Talent sich zu organisieren und muss manchmal Prioritäten zu setzen. Ich kann mich glücklicherweise auf mehre Dinge gleichzeitig konzentrieren und dafür bin ich auch dankbar. Denn dann kann sich alles um meine Leidenschaft drehen: die Musik!

MP: Sie veranstalten Konzerte in Heidenheim, von ICH+ICH bis hin zu Barclay James Harvest. Fördern Sie auch unbekannte Bands und wenn ja, wie?
Schwarz: Ja, seit 2004 veranstalte ich in Heidenheim Konzerte auf mein eigenes Risiko. Seither waren es ca. 60 mittelgroße bis große Konzerte mit Bands wie Silbermond, Reamon, Boss Hoss, Culcha Candela, Status Quo … und jedes Mal gebe ich einer Newcomer-Band oder einer regionalen Band die Möglichkeit, im Vorprogramm aufzutreten. Beispielsweise spielte so Euer MUSIC please-Pate Tommy Roberts jr. im Vorprogramm von ICH+ICH. Da ist die Freude natürlich groß!

MP: Wie geht es zukünftig mit Ihnen weiter?
Schwarz: Als der A&R Chef von Sony Music meine letzten Aufnahmen hörte, hat er mir einen 3-Jahres-Vertrag angeboten. Das Schöne ist, dass Sony Music meine vergangenen Alben alle noch mal mit Bonus-Material veröffentlicht und das im Februar 2012 ein Album von mir dann mit ausschließlich eigenem Material erscheint. Das freut mich sehr.

Das Interview führte Simone Bauer für MUSIC please.

Beitrag von auf 25. März 2012. Abgelegt unter Kunst & Kultur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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