Weiße Indianer, Grenzgänger zwischen den Kulturen in Nordamerika

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Der Persimplex Verlag präsentiert zur Buchmesse Leipzig 2010:
Der in Fankfurt am Main lehrende Marin Trenk hat zusammen mit Studenten eines Spezialseminars ein Thema untersucht, das von jeher fasziniert und viele Fragen aufwirft.
Ließ sich doch in Nordamerika besonders stark beobachten, dass viele Europäer freiwillig den Weg in die indianische Gesellschaften suchten.
Hinzu kam eine nicht unbedeutende Menge von gewaltsam verschleppten Personen beiderlei Geschlechts.
Und auch von diesen zogen es viele vor, letzten Endes bei den Indianern zu bleiben.
Wenn sie nach Jahren wieder in die sogenannte Zivilisation zurückkehrten, hatten sie Anpassungsprobleme – und wurden von den „Weißen“ nicht mehr akzeptiert.
Trenk stell sehr anschaulich dar, warum es so viele Europäer zu den so bezeichneten „Wilden“ zog, und stellt eine große Zahl von Beispielen vor.
Dabei sind auch Beispiele zu verzeichnen, wo Protagonisten den umgekehrten Weg gehen – jedoch sind diese bei weitem nicht so zahlreich.
Es gibt wenige „indianische Weiße“.
Das Buch ist eine äußerst spannend zu lesende Ansammlung biografischer Skizzen.
Oft sind es Aussteiger aus der Gesellschaft, die es vorziehen, fernab jeglicher Zivilisation bei den Indianern zu leben, weil sie deren Lebensweise faszinierend finden.
Dabei ist beispielsweise die Lebensgeschichte des Schweizer Malers Rudolph Friedrich Kurz sehr interessant.
Kurz, heute kaum bekannt, ging nach Amerika, um die indianische Kultur kennen zu lernen, heiratete sogar eine Indianerin.
Seinen Weg kann man als Kulturflucht bezeichnen.
Und er war nicht der Einzige, der diesen Weg nahm.
Trenk hat den Lebensweg dieses Malers, der im Zuge der intensiven Beschäftigung mit Bodmer auch bei anderen Forschungen ins Rampenlicht rückte, aufgezeichnet.
Das Buch stellt Personen vor, die zumindest vom Namen her vielen Lesern bekannt vorkommen dürften.
Dazu gehören Etienne Brulé, Cynthia Ann Parker, John Tanner oder Frank Hamilton Cushing.
Aber ebenso hat der Verfasser mit seinem Team viele unbekannte Menschen der Vergessenheit entrissen und stellt ihre Schicksale hier vor.
Dabei werden alle Facetten beleuchtet: die freiwillige Zivilisationsflucht in die Wildnis oder Raub und anschließende Adoption durch die Indianer.
So lernt der Leser dann auch Christian Gottlieb Prieber kennen, der wie Karl May aus Sachsen stammt und in Zittau sogar als Anwalt gearbeitet hat.
Möglicherweise musste er die Stadt aber aus politischen Gründen verlassen und kam dann Mitte der 30er Jahre des 18. Jahrhunderts zu den Cherokee.
Dort errang er eine hohe Stellung – aber das kann man im Buch nachlesen.
busch-pr

Beitrag von auf 20. Februar 2010. Abgelegt unter Literatur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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