Wenn Mama trinkt

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Wenn Mama trinkt…

Um 06:30 klingelt der Wecker von Nadine. Die Wohnung ist noch ganz dunkel. Sie steht auf, zieht sich an und fängt an Frühstück vorzubereiten. Anschließend weckt sie ihren kleinen Bruder. Nach dem gemeinsamen Frühstück verlassen sie das Haus, um zur Schule zu laufen. Nadine ist neun Jahre alt und besucht die dritte Klasse der Grundschule, ihr kleiner Bruder ist dieses Jahr eingeschult worden.

Am frühen Nachmittag geht sie alleine nach Hause. Freunde hat sie nicht viele.
Ungewiss öffnet sie die Haustüre. Ihr Magen zieht sich zusammen, da sie nicht weiß, in welchem Zustand sie ihre Mutter vorfinden wird.
Sie hört aus dem Wohnzimmer den Fernseher laufen. Ihre Mutter liegt schlafend auf dem Sofa. Auf dem Tisch stehen einige leere Bierflaschen. Nadine deckt ihre Mutter mit einer Tagesdecke zu und räumt die Flaschen weg.
Leise geht sie in die Küche, um Mittagessen zu kochen. Sie hofft die Mutter nicht zu wecken, sie weiß, dass ihre Mutter getrunken hat und nun ihren Rausch aus-schlafen muss.
Spät abends kommt ihr Vater nach Hause. Er arbeitet im Schichtdienst, Nadine sieht ihren Vater nur kurz vor dem Schlafengehen.
Nachts wird Nadine wach, sie hört ihre Eltern laut streiten. Ihre Eltern streiten oft. Sie hofft, dass sie nichts falsch gemacht hat und ihre Eltern nicht wegen ihr streiten. Sie kuschelt sich ganz fest an ihren Schmusehasen namens Hansi und flüstert ihm ihre Gefühle ins Ohr. Sonst kann sie niemanden erzählen was in ihr vorgeht, Freunde hat sie lange nicht mehr zu sich nach Hause eingeladen. Die Angst ist zu groß, dass irgendjemand mitbekommen könnte, dass ihre Mutter trinkt.

Kinder aus suchtbelasteten Familien brauchen ebenso wie ihre Eltern Hilfe.
Sie leiden stark unter der enormen familiären Belastung durch die Sucht-erkrankung und trauen sich häufig aus Angst und Scham nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Sie wollen ihre Eltern nicht verraten und haben Angst sie zu ver-lieren. Die Gefahr der sozialen Isolation ist sehr hoch, ebenso später selbst suchtkrank zu werde.
Meist dreht sich innerhalb des Familienlebens alles nur noch um die Sucht. Für die Kinder und deren Bedürfnisse bleibt nur wenig Zeit. Dadurch fühlen sie sich ungeliebt und nicht beachtet. Vielfach haben sie das Gefühl, sie seien Schuld an der Suchterkrankung des Elternteils. Daraus entsteht eine tiefe und nachhaltige Verunsicherung.
Der suchtmittelabhängige Elternteil ist häufig unzuverlässig und sein Verhalten unberechenbar.
Kinder übernehmen häufig die Rolle und die Verantwortung von Erwachsenen, um das Familiensystem zu erhalten und den fehlenden Part des Elternteils aus-zugleichen. Sie machen den Haushalt, kümmern sich um Geschwister oder stellen einen Partnerersatz für den nicht abhängigen Elternteil dar.

Um Kinder aus ihrer Isolation zu holen, bieten die Caritas Sozialdienste Hilfs-angebote für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien an: KiZ (Kids im Zentrum. KiZ findet in der Fachambulanz für Suchtkranke auf der Lindenstrasse 1 in Grevenbroich statt, weitere Gruppen gibt es in Neuss und Dormagen.

Bei KiZ sollen Kinder insbesondere eine Entlastung erfahren. Es ist wichtig zu den Kindern eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen und ihnen Kontinuität sowie Stabilität zu geben.
Innerhalb des Gruppenangebots haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit sich mit Gleichaltrigen auszutauschen und erfahren so eine Enttabuisierung ihrer eigenen Situation. Sie erleben, dass es auch andere Betroffene gibt und werden hierbei von Fachpersonal begleitet. Es wird stark auf das individuelle Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen Rücksicht genommen, sie können entscheiden, wie viel sie erzählen oder über was sie berichten möchten. Ein starker Fokus liegt ebenso auf den freizeitpädagogischen Angeboten. Kinder und Jugendliche können sich dabei spielerisch selbst erleben und auszuprobieren. Hier sollen sie unter Anleitung einer pädagogischen Fachkraft die Möglichkeit erhalten, ihre Ge-fühle zu spüren, Spaß, Zorn, Wut oder auch die Trauer zeigen zu können.

Neben dem Angebot für Kinder und Jugendliche haben Eltern die Möglichkeit zur Einzel- und Paarberatung. Hierdurch sollen die Eltern Unterstützung erhalten, Erziehungsprobleme zu klären und zu bewältigen. Ziel ist die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz. Gemeinsam mit der gesamten Familie können individuelle Lösungskonzepte erarbeitet werden.

Informationen:
CaritasSozialdienste Rhein-Kreis Neuss GmbH
Fr. Küpper, Hr. Faßbender
Lindenstr. 1
41515 Grevenbroich
Tel. 02181/5665
fachambulanzgv@caritas-neuss.de
Foto: ©Paul-Georg Meister/PIXELIO.de

Wenn Mama trinkt…

©Paul-Georg Meister/PIXELIO.de

Um 06:30 klingelt der Wecker von Nadine. Die Wohnung ist noch ganz dunkel. Sie steht auf, zieht sich an und fängt an Frühstück vorzubereiten. Anschließend weckt sie ihren kleinen Bruder. Nach dem gemeinsamen Frühstück verlassen sie das Haus, um zur Schule zu laufen. Nadine ist neun Jahre alt und besucht die dritte Klasse der Grundschule, ihr kleiner Bruder ist dieses Jahr eingeschult worden.

Am frühen Nachmittag geht sie alleine nach Hause. Freunde hat sie nicht viele.
Ungewiss öffnet sie die Haustüre. Ihr Magen zieht sich zusammen, da sie nicht weiß, in welchem Zustand sie ihre Mutter vorfinden wird.
Sie hört aus dem Wohnzimmer den Fernseher laufen. Ihre Mutter liegt schlafend auf dem Sofa. Auf dem Tisch stehen einige leere Bierflaschen. Nadine deckt ihre Mutter mit einer Tagesdecke zu und räumt die Flaschen weg.
Leise geht sie in die Küche, um Mittagessen zu kochen. Sie hofft die Mutter nicht zu wecken, sie weiß, dass ihre Mutter getrunken hat und nun ihren Rausch aus-schlafen muss.
Spät abends kommt ihr Vater nach Hause. Er arbeitet im Schichtdienst, Nadine sieht ihren Vater nur kurz vor dem Schlafengehen.
Nachts wird Nadine wach, sie hört ihre Eltern laut streiten. Ihre Eltern streiten oft. Sie hofft, dass sie nichts falsch gemacht hat und ihre Eltern nicht wegen ihr streiten. Sie kuschelt sich ganz fest an ihren Schmusehasen namens Hansi und flüstert ihm ihre Gefühle ins Ohr. Sonst kann sie niemanden erzählen was in ihr vorgeht, Freunde hat sie lange nicht mehr zu sich nach Hause eingeladen. Die Angst ist zu groß, dass irgendjemand mitbekommen könnte, dass ihre Mutter trinkt.

Kinder aus suchtbelasteten Familien brauchen ebenso wie ihre Eltern Hilfe.
Sie leiden stark unter der enormen familiären Belastung durch die Sucht-erkrankung und trauen sich häufig aus Angst und Scham nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Sie wollen ihre Eltern nicht verraten und haben Angst sie zu ver-lieren. Die Gefahr der sozialen Isolation ist sehr hoch, ebenso später selbst suchtkrank zu werde.
Meist dreht sich innerhalb des Familienlebens alles nur noch um die Sucht. Für die Kinder und deren Bedürfnisse bleibt nur wenig Zeit. Dadurch fühlen sie sich ungeliebt und nicht beachtet. Vielfach haben sie das Gefühl, sie seien Schuld an der Suchterkrankung des Elternteils. Daraus entsteht eine tiefe und nachhaltige Verunsicherung.
Der suchtmittelabhängige Elternteil ist häufig unzuverlässig und sein Verhalten unberechenbar.
Kinder übernehmen häufig die Rolle und die Verantwortung von Erwachsenen, um das Familiensystem zu erhalten und den fehlenden Part des Elternteils aus-zugleichen. Sie machen den Haushalt, kümmern sich um Geschwister oder stellen einen Partnerersatz für den nicht abhängigen Elternteil dar.

Um Kinder aus ihrer Isolation zu holen, bieten die Caritas Sozialdienste Hilfs-angebote für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien an: KiZ (Kids im Zentrum. KiZ findet in der Fachambulanz für Suchtkranke auf der Lindenstrasse 1 in Grevenbroich statt, weitere Gruppen gibt es in Neuss und Dormagen.

Bei KiZ sollen Kinder insbesondere eine Entlastung erfahren. Es ist wichtig zu den Kindern eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen und ihnen Kontinuität sowie Stabilität zu geben.
Innerhalb des Gruppenangebots haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit sich mit Gleichaltrigen auszutauschen und erfahren so eine Enttabuisierung ihrer eigenen Situation. Sie erleben, dass es auch andere Betroffene gibt und werden hierbei von Fachpersonal begleitet. Es wird stark auf das individuelle Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen Rücksicht genommen, sie können entscheiden, wie viel sie erzählen oder über was sie berichten möchten. Ein starker Fokus liegt ebenso auf den freizeitpädagogischen Angeboten. Kinder und Jugendliche können sich dabei spielerisch selbst erleben und auszuprobieren. Hier sollen sie unter Anleitung einer pädagogischen Fachkraft die Möglichkeit erhalten, ihre Ge-fühle zu spüren, Spaß, Zorn, Wut oder auch die Trauer zeigen zu können.

Neben dem Angebot für Kinder und Jugendliche haben Eltern die Möglichkeit zur Einzel- und Paarberatung. Hierdurch sollen die Eltern Unterstützung erhalten, Erziehungsprobleme zu klären und zu bewältigen. Ziel ist die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz. Gemeinsam mit der gesamten Familie können individuelle Lösungskonzepte erarbeitet werden.

Beitrag von auf 24. Januar 2010. Abgelegt unter Behandlung & Beratung. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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