Wie Internet-Stars mit Jugendlichen zu Ernährung und Bewegung kommunizieren (FOTO)

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– Wie Internet-Stars mit Jugendlichen zu Ernährung und Bewegung
kommunizieren
– Studie der Uni Witten/Herdecke räumt auf mit dem Märchen von
Freundschaft, Schönheit und Glück

Forscherinnen der Universität Witten/Herdecke haben untersucht,
wie Influencer zu gesundheitsrelevanten Themen kommunizieren und
Jugendliche in ihrem Verhalten beeinflussen. Ergebnisse der Studie
wurden jetzt international im Springer Fachmagazin BMC Public Health
veröffentlicht (DOI: 10.1186/s12889-019-7387-8; zum Download unter
https://rdcu.be/bNlDx).

Die Wittener Forscherinnen haben 1.000 Bilder von Deutschlands
Top-50 Fitness-Influencern untersucht und teilweise
Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000 Kommentaren analysiert. Die
Ergebnisse sind eindeutig: Fitness-Influencer vermitteln Ernährung
und Bewegung als Stellschrauben für die Perfektionierung des eigenen
Körpers. Auf mehr als der Hälfte der Bilder ist ein muskulöser
nackter Bauch zu erkennen. Sichtbare Muskulatur und ein geringer
Anteil an Körperfett sind Ideale des aktuellen Körperkults, der
Schönheit nur durch aktive Formung des eigenen Äußeren erlaubt. Durch
Kontrolle erschaffene, gestaltete Körper folgen einem unrealistischen
Schönheitsideal. Sie werden aber als Signale für Gesundheit und
Selbstbestimmung umkodiert und als Indikator für Kontrolle, Leistung
und Macht angesehen.

„Jugendliche kommunizieren mit Influencern über das Internet wie
mit besten Freundinnen, sie klagen über ihre Figur, kommentieren
umfangreich das Aussehen, die Kleidung, das Essen ihrer Idole, und
sie suchen Rat, wie auch sie so perfekt werden können“, erklärt
Katharina Pilgrim, die zu dieser Thematik ihre Doktorarbeit verfasst
hat. „Dass die dargestellten Fotos aufwändig in Szene gesetzt und
umfangreich bearbeitet sind, ist ihnen oft nicht bewusst.“ Prof. Dr.
Sabine Bohnet-Joschko, Betreuerin der Arbeit, ergänzt: „Jugendliche
bewegen sich täglich mehrere Stunden in sozialen Netzwerken, dort
informieren sie sich auch über gesundheitsrelevante Themen wie
Ernährung und Bewegung. Wir müssen diese Art der Kommunikation und
ihre Hintergründe verstehen, wenn wir gesundheitsfördernde Maßnahmen
planen, sonst zielen wir an der Lebenswelt der Jugendlichen vorbei.
Das war der Ausgangspunkt unserer Studie.“

Selbstoptimierung als Schlüssel zum Glück

Es geht natürlich auch um Geld. Influencer verdienen über den
Verkauf der Produkte, die sie auf ihren Bildern präsentieren. „Nicht
ständig, aber doch regelmäßig geht es auch um die Vermarktung von
Produkten wie Sportbekleidung und Nahrungsergänzungsmittel,“
erläutert Katharina Pilgrim. Jugendliche gewinnen den Eindruck, dass
die von ihren Idolen genutzten Produkte einen etwas einfacheren Weg
zum angestrebten Äußeren bieten. Insgesamt wurde auf zwei von drei
Bildern ein Hersteller, ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen
eingebunden, wobei nur die Hälfte als Werbung gekennzeichnet war. Die
Vermarktung und damit einhergehende Einnahmen stehen somit speziell
bei Fitness-Influencern eindeutig im Fokus des Interesses. „Konsum,
Schönheit und Glück werden so in einen direkten Zusammenhang
gestellt“, sagt Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko. Im Ergebnis stellten
die Forscherinnen fest, dass auf fast der Hälfte der Bilder
Nahrungsergänzungsmittel in Pulver oder Pillenform abgebildet waren.

Zum Hintergrund:

Die anhaltend große Zahl von Minderjährigen mit Essstörungen von
Magersucht bis Übergewicht gibt in Deutschland Anlass zu Besorgnis:
20 Prozent sind unzufrieden mit Figur und Gewicht oder leiden an
Heißhungeranfällen, jede sechste Person zwischen 14 und 17 leidet an
Übergewicht. Familien, Schulen und Krankenkassen versuchen, Einfluss
zu nehmen und diese gefährliche Entwicklung zu bremsen, doch dies ist
in Zeiten des Internet nicht leichter geworden: Aktuelle
Untersuchungen zeigen, dass 12- bis 17-Jährige täglich bis zu drei
Stunden in sozialen Netzwerken verbringen. Über ein Drittel der
Jugendlichen steuert dabei gezielt die Seiten sogenannter Influencer
– Personen, die in sozialen Netzwerken besonders einflussreich sind
und deshalb bevorzugt als Webebotschafter eingesetzt werden – an.
Speziell wird das Gefühl geschätzt, persönlich angesprochen zu werden
und eine überzeugende Erklärung von Vor- und Nachteilen zu erhalten.

Soziale Medien als eigene Lebenswelt

„Die Fitness-Influencer prägen Jugendliche heute maßgeblich in
ihren gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen. Dabei betreiben diese
keine Gesundheitsförderung, sondern wollen Geld verdienen. Es besteht
also ein deutlicher Bedarf, Jugendliche in ihrer psychischen und
physischen Entwicklung zu schützen und zu begleiten“, betont
Katharina Pilgrim.

„Aktuell sehen wir großes Interesse in der Medienwelt, wenn
Influencer wegen Schleichwerbung abgemahnt werden. Aber viel
wichtiger ist es, Lehrende, Erziehungsberechtigte sowie
Entscheiderinnen und Entscheider zu befähigen, Minderjährige
angemessen aufzuklären, zu beraten und zu schützen. Dazu gehört auch
das Umdenken, die sozialen Medien als eigene Lebenswelt wahrzunehmen.
Sie also nicht pauschal zu verdammen, sondern sie zu nutzen, um mit
wirklicher Gesundheitsförderung die Jugendlichen zu erreichen“, legt
Bohnet-Joschko nach.

Über uns:

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung
1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als
Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen
Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der
klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer
Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

Pressekontakt:
Katharina Pilgrim, 02302/926-475, katharina.pilgrim@uni-wh , Die
Handynummer können Sie unter 02302/926-805/849 erfragen

Original-Content von: Universität Witten/Herdecke, übermittelt durch news aktuell

Beitrag von auf 7. Oktober 2019. Abgelegt unter Gesundheit, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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