Wo schon Goethe und Wagner studierten – 600 Jahre Universität Leipzig

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Genau genommen verdankt die Leipziger Universität ihre Gründung dem tschechischen Reformer Jan Hus, der an der Prager Karls-Universität die Machtverhältnisse zu Ungunsten deutscher Studenten und Professoren verschoben hatte. Viele von ihnen zog es daraufhin im Mai 1409 auf der Suche nach einer neuen Bildungsstätte nach Leipzig. Hier wurden sie von den Landesherren freundlich und wohlwollend aufgenommen und konnten den Lehrbetrieb zunächst provisorisch fortführen.

Feierlich eröffnet wurde die Universität Leipzig dann am 2. Dezember 1409 im Thomaskloster durch die Markgrafen Wilhelm und Friedrich von Sachsen. Letzterer – auch Friedrich der Streitbare genannt – kam 1909 zu Münzehren, als sich König Friedrich August von Sachsen zur damaligen 500-Jahrfeier im Doppelporträt mit dem Universitätsgründer auf 2- und 5-Mark-Silbermünzen verewigen ließ.

100 Jahre später wird das Thema auf der neuen deutschen
10-Euro-Gedenkmünze entsprechend moderner umgesetzt, wenngleich Münzdesigner Dietrich Dorfstecher auch heute durchaus stilistische Brückenschläge zur Vergangenheit gesucht hat. Da ist zum einen das historische Siegel der Universität Leipzig mit der selbsterklärenden Umschrift „SIGILLUM UNIVERSITAS STUDII LIPSIENSIS“, das den Heiligen Laurentius mit Johannes dem Täufer unter einem gotischen Baldachin zeigt. Rechts daneben schaut uns – aus ebenfalls münzähnlicher Anmutung – Gottfried Wilhelm Leibniz mit neugierigem Forscherblick entgegen.
Der berühmteste Schüler und Lehrer der Leipziger Universität ist nicht nur Generationen von Kindern durch den nach ihm benannten Butterkeks bekannt, sondern gilt weltweit als der letzte Universalgelehrte. Leibniz brachte sich bereits mit acht Jahren selbst die griechische und lateinische Sprache bei und wusste später die verschiedensten Fakultäten wie Mathematik, Philosophie, Kunst, Politik und Geschichte miteinander zu verknüpfen.

Das Porträt des Gelehrten umgibt sein Leitsatz „THEORIA CUM PRAXI“, den sich im Laufe der Jahrhunderte viele weitere Studenten der Leipziger Universität zueigen machen sollten. Unter anderem finden sich auf den Immatrikulationslisten so illustre Namen wie Goethe, Liebknecht, Novalis, Nitsche und Wagner. Aber auch Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Fernsehmoderatorin Maybrit Illner oder Bundeskanzlerin Angela Merkel machten ihre Seminarscheine an der geschichtsträchtigen Hochschule. Auf der 10-Euro-Silber-Gedenkmünze stellt den Bezug zur Moderne ein am unteren Münzenrand platzierter Aufriss des Universitätsneubaus her. Die Randinschrift der Silbermünze „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ ist das Motto der Universität, welches sehr treffend die Gründungsgeschichte und – im übertragenen Sinn – den Lehrauftrag der 600 Jahre alten Universität zusammenfasst.

Neben der neuen 10-Euro-Silber-Gedenkmünze (und seinen 2- und 5-Mark-Vorläufern aus dem sächsischen Königreich) zum Universitätsjubiläum können sich Sammler bereits heute mit dem nächsten Leipzig-Thema beschäftigen. 2015 feiert die Stadt ihren 1000-jährigen Geburtstag. Eine von der Münze Berlin herausgegebene Sammlung verschiedener Silber-Gedenkprägungen will sowohl Sammler als auch Leipzig-Interessierte Stück für Stück bis ins Jubiläumsjahr an die wechselvolle Stadtgeschichte heranführen.

Bezugsnachweis:
Gedenkmünzen im örtlichen Münzhandel, bei ausgesuchten Banken mit numismatischer Abteilung oder über den Versandhandel. Die erwähnte Kollektion „1000 Jahre Leipzig“ der Münze Berlin wird nur über MDM Münzhandelsgesellschaft mbH Deutsche Münze ausgeliefert, Telefon (0180) 577 33 80 (14 Cent/min) bzw. www.mdm.de

Beitrag von auf 2. Juli 2009. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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