
Kennengelernt hatte der Arzt den deutschen Profiboxer, der als Festim Kryeziu in Albanien zur Welt gekommen war, über dessen damaligen und mit Dr. Rueth eng befreundeten Weltmeister-Trainer Konrad „Conny“ Mittermeier.
Ab 2012 entstand eine Freundschaft zwischen dem Lindenloher Chefarzt und dem Boxer. Als sein Bruder Urim im Frühling dieses Jahres eigens aus dem Allgäu nach Lindenlohe reiste, um sich hier von Dr. Rueth in einem sehr komplizierten Eingriff erfolgreich an der Achillessehne operieren zu lassen, begleitete ihn Festim. Dieser nutzte dabei die Zeit, um sich von Dr. Rueth eingehend untersuchen zu lassen – und gemeinsam mit ihm ein individuelles, funktionelles Work-out zu entwickeln, mit dem letzte athletische Defizite behoben wurden.
Dabei entstand auch in langen Gesprächen die Idee, dass der Arzt den Boxer künftig medizinisch betreuen und bei der Zusammenstellung eines funktionellen Trainings unterstützen solle. Nachdem Festim nach einer längeren Pause im Sommer sein Coaching-Team neuformierte und Urim dabei die Federführung übernahm, stand fest: Der Lindenloher Chefarzt gehört zum Team.
Tatsächlich präsentierte sich Festim alias Timo Schwarzkopf beim Europameisterschaftskampf nicht nur in bester körperlicher Verfassung, sondern überzeugte die Laien wie Experten unter den über 800 Zuschauern in der Argensporthalle in Wangen (Allgäu) mit einem unbändigen Siegeswillen und einer klaren Fokussierung auf Gegner und Kampf. „Ob man einen Kampf gewinnt oder verliert, entscheidet sich bei ähnlich austrainierten Boxern zuallererst im Kopf“, so Dr. Rueth: „Und hier war es wichtig, Festim einerseits den festen Glauben an sich und seine Fähigkeiten zu geben und andererseits seine Konzentration auf die wesentlichen Punkte zu fixieren“.
Ein Rezept, das aufging, und ein Coaching-Team, das hervorragende Arbeit leistete. In Wangen fügte Festim nicht nur seinen bisher 18 Siegen einen weiteren hinzu, sondern brillierte gegen einen erfahrenen Gegner, der fünf Zentimeter größer ist und in den drei Kämpfen zuvor insgesamt nur vier Runden benötigt hatte. Kardos hatte dennoch keine Chance und kassierte bereits in der ersten Runde einen Wirkungstreffer, dem im zweiten Durchgang ein Schlag gegen die Kinnspitze, ein Lebertreffer und die Aufgabe des rumänischen Titelinhabers folgte.
Für Festim soll der EBU Europameistertitel nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Vielmehr peilt er nun einen Weltmeisterschaftskampf an – sollte es dazu kommen, wird Dr. Rueth wieder als Mental-Coach u.a. am Ring im Einsatz sein.