Lungenkrebs präziser abklären: Gauting startet robotisch assistierte Bronchoskopie

– Innovatives Verfahren erleichtert Untersuchung schwer zugänglicher Bereiche
– Frühe Diagnose kann Behandlungschancen verbessern
– Jährlich rund 1.000 thoraxchirurgische Operationen

Als erste Klinik in Bayern setzte die Asklepios Lungenklinik Gauting am 27. August das ION-System klinisch ein. Die robotisch assistierte Bronchoskopie (Lungenspiegelung) erweitert die Diagnostik bei Verdacht auf Lungenkrebs, insbesondere wenn auffällige Veränderungen weit außen in der Lunge liegen und mit der herkömmlichen Bronchoskopie nicht immer erreicht werden können.Das neue Verfahren erweitert damit die Möglichkeiten zur gezielten Gewebegewinnung und ergänzt den Gautinger Versorgungspfad von der Früherkennung über die diagnostische Abklärung bis zur operativen oder medikamentösen Therapie. Je früher ein Tumor entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Behandlungsaussichten.

Bei der Früherkennung von Lungenkrebs werden erhebliche Fortschritte erzielt: Mit der CT-basierten Lungenkrebsfrüherkennung werden zunehmend kleine Veränderungen der Lunge sichtbar. Lungenrundherde sind kleine, meist rundliche Veränderungen im Lungengewebe mit einem Durchmesser von höchstens drei Zentimetern. Gerade wenn solche Befunde weit außen in der Lunge liegen, kann ihre weitere Abklärung anspruchsvoll sein: Über die fein verzweigten Atemwege sind sie mit herkömmlichen bronchoskopischen Verfahren nur schwer zu erreichen. Als erste Klinik in Bayern setzt die Asklepios Lungenklinik Gauting deshalb das ION-System zur robotisch assistierten Bronchoskopie ein, um auch schwer zugängliche Befunde abklären zu können. Das ION-System ergänzt damit einen bereits eng verzahnten Versorgungspfad: Die Thoraxchirurgie verzeichnet in Gauting jährlich rund 1.000 Eingriffe, darunter etwa 250 anatomische Lungenresektionen, die Thorakale Onkologie behandelte 2025 rund 650 Primärtumoren der Lunge. Die erste Untersuchung mit dem neuen System führte Dr. med. Christopher Breyer, Oberarzt Pneumologie an der Asklepios Lungenklinik Gauting, durch.

Eine belastbare Gewebeprobe ist entscheidend, um die Art einer Veränderung festzustellen und einen Tumor diagnostisch einzuordnen. Gerade für die Lungenkrebsfrüherkennung ist dies relevant: Nach Daten der NELSON-Screening-Studie, einer belgisch-niederländischen wissenschaftlichen Untersuchung zur CT-basierten Früherkennung von Lungenkrebs, liegt ein großer Anteil solcher Befunde im peripheren Drittel der Lunge¹.

Die Frage, wie sich diese Veränderungen zuverlässig abklären lassen, gewinnt mit der Lungenkrebsfrüherkennung zusätzlich an Bedeutung. Seit April 2026 können aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren unter definierten Voraussetzungen jährlich eine Niedrigdosis-CT als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Ziel ist es, Lungenkrebs bereits in einem frühen Stadium zu entdecken, weil dann die Behandlungsaussichten besser sind. Bei einem abklärungsbedürftigen CT-Befund beginnt anschließend die weitere diagnostische Einordnung. Je schneller ein auffälliger Befund zuverlässig eingeordnet werden kann, desto gezielter lässt sich die weitere Behandlung planen.

„Mit dem Screening werden wir häufiger mit kleinen Befunden konfrontiert, bei denen die entscheidende Frage lautet: Wie gelangen wir möglichst präzise zu einer belastbaren Gewebeprobe?“, sagt Dr. med. Wolfgang Gesierich, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Pneumologie der Asklepios Lungenklinik Gauting. „Die robotisch assistierte Bronchoskopie erweitert hier unser diagnostisches Spektrum. Sie ersetzt die etablierten Verfahren nicht. Entscheidend bleibt, für jeden Rundherd anhand von Größe, Lage, Bildgebung und individueller Risikokonstellation das geeignete Verfahren auszuwählen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet es, dass auch schwer erreichbare Befunde gezielter über die natürlichen Atemwege abgeklärt werden können und sich belastendere diagnostische Zugangswege in geeigneten Fällen vermeiden lassen. Zugleich schafft eine belastbare Gewebeprobe die Grundlage dafür, die weitere Behandlung rasch und zielgerichtet festzulegen.“

Für eine erfolgreiche Probenentnahme ist es entscheidend, im Untersuchungsraum die genaue Lokalisation des Lungenrundherdes zu erfassen. Eine robotisch assistierte Bronchoskopie kann dazu mit einer dreidimensionalen Cone-Beam-CT-Bildgebung kombiniert werden. Sie dient unter anderem dazu, Abweichungen zwischen der vor dem Eingriff aufgenommenen CT und der tatsächlichen Lage des Rundherdes während der Untersuchung zu erkennen und die Position des Instruments zu überprüfen. Mit dem ION-System lassen sich auch weit peripher gelegene Regionen gezielt ansteuern. Das Cone-Beam-CT unterstützt dabei die dreidimensionale Kontrolle und gegebenenfalls Aktualisierung der Zielposition.

Wie leistungsfähig diese Kombination bei kleinen peripheren Rundherden sein kann, zeigt die 2026 publizierte prospektive multizentrische CONFIRM-Studie. Untersucht wurden 155 Patientinnen und Patienten mit im Median 14 Millimeter großen Rundherden. Bei der Kombination aus Shape-Sensing-Bronchoskopie und mobilem Cone-Beam-CT lag das Biopsieinstrument in 99,4 Prozent der Eingriffe im Zielbefund. In 89 Prozent der Fälle konnte mit dem gewonnenen Material eine diagnostische Zuordnung erreicht werden2.

„Moderne Lungenkrebsmedizin entscheidet sich an der gesamten Versorgungskette, von der Früherkennung über die präzise Diagnostik bis zur individuell abgestimmten Therapie“, sagt Lukas Förster, Geschäftsführer der Asklepios Lungenklinik Gauting. „Genau diese Expertise bündeln wir in Gauting, damit Patientinnen und Patienten möglichst schnell Klarheit über ihren Befund erhalten und gezielt behandelt werden können. Mit dem ION-System entwickeln wir diesen Weg konsequent weiter und schaffen zusätzliche Möglichkeiten, auch schwer erreichbare Befunde präzise abzuklären.“

Quellen / weiterführende Literatur:

1. Horeweg et al., Characteristics of lung cancers detected by CT screening in the randomized NELSON trial. Am J Respir Crit Care Med. 2013

2. Husta et al., Shape-sensing robotic-assisted bronchoscopy with integrated mobile cone-beam CT for small nodules: results from the prospective multicentre CONFIRM study. Thorax. 2026 Feb

Über die Asklepios Lungenklinik Gauting

Die Gautinger Lungenklinik ist ein vom Bayerischen Gesundheitsministerium offiziell anerkanntes Lungenzentrum, das überregional besondere Aufgaben in der Behandlung von Lungenerkrankten übernimmt und als Kompetenz- und Koordinierungszentrum andere medizinische Versorger mit gebündelter interdisziplinärer Fachexpertise berät. Mit 268 Betten und jährlich über 10.000 behandelten Patientinnen und Patienten ist sie die größte Lungenklinik in Bayern und zählt zu den fünf führenden Lungenkliniken bundesweit. Die Fachklinik ist Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München und Gründungsmitglied des Comprehensive Pneumology Centers (CPC) sowie eine der wenigen außeruniversitären Lungenkliniken im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL). Die Spezialisten der Pneumologie, Thorax-chirurgie, thorakale Onkologie, sowie Intensiv-, Schlaf- und Beatmungsmedizin sind deutschlandweit bekannt und von den Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin zertifiziert.

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