88 Prozent der Familien nach Eizellspende wünschen sich Unterstützung beim späteren Gespräch mit ihrem Kind.
Hamburg, 16.06.2026. Eine Betroffenenbefragung der Deutschen Vereinigung für Familien nach Eizellspende, FE-Netz e.V., gibt einen seltenen systematischen Einblick in den späteren Familienalltag nach einer Eizellspende. 179 Menschen mit persönlichem Bezug zum Thema nahmen teil. Der Glanzfunke Verlag hat insbesondere die offenen Antworten zum Familienalltag und zur späteren Aufklärung der Kinder ausgewertet. Denn die eigentliche Herausforderung beginnt für viele Familien erst nach der Eizellspende.
Zwischen Normalität und Stigmatisierung
88 Prozent der Befragten wünschen sich Unterstützung dabei, später mit ihrem Kind über seinen Anfang zu sprechen. Die Rückmeldungen zeigen, wie unterschiedlich Eltern heute damit umgehen. In einer Antwort heißt es: „In Familien, die mit ihren Kindern früh offen über ihre Entstehung sprechen, herrscht große Normalität. Das Thema steht nicht im Vordergrund.“
Eine weitere Antwort beschreibt den Druck der aktuellen Rechtslage direkt: „Die jetzige Gesetzeslage stigmatisiert uns und unsere Kinder. Das führt zu Geheimnissen und verhindert oft, dass Familien ihre Kinder aufklären.“
Mehrere Teilnehmende formulieren den Wunsch, dass Kinder nach Eizellspende ihre Entstehungsgeschichte nicht mit „verbotenen Machenschaften“ verbinden, sondern mit einer von vielen Formen der Familienbildung.
Wenn die Medizin endet, beginnen die Fragen
Familien berichten, dass sie sich während der medizinischen Behandlung im Ausland gut begleitet fühlten, nach der Rückkehr nach Deutschland jedoch oft allein gelassen. Besonders dann, wenn es um Fragen der Familienkommunikation und die kindgerechte Aufklärung geht. Mit Initiativen wie dem FE-Netz e.V., psychosozialen Beratungsangeboten und Kinderbüchern für Familien nach Eizellspende gibt es inzwischen wichtige Unterstützungsangebote. Dass sich 88 Prozent der Befragten dennoch mehr Unterstützung wünschen, zeigt jedoch, dass in diesem Bereich weiterhin eine erhebliche Versorgungslücke besteht.
Die zertifizierte Kinderwunschberaterin und systemische Familientherapeutin Sandra Hösl beobachtet in ihrer Praxis: „Die meisten Eltern, die zu mir kommen, möchten ihrem Kind offen von seiner Entstehung erzählen. Was ihnen fehlt, sind nicht Mut oder Liebe, sondern ganz praktische Dinge: Worte, die passen. Und das Gefühl, dass sie damit nicht allein sind.“
Debatte ohne Ende – Familien ohne Antworten
In Deutschland wird die Frage nach einer Legalisierung der Eizellspende seit Jahren diskutiert, ohne dass betroffene Familien bislang eine klare politische Antwort erhalten haben. Der europäische Vergleich verschärft diesen Widerspruch: In Dänemark, Frankreich, Österreich, Spanien und den meisten weiteren europäischen Ländern ist Eizellspende seit Jahren gesetzlich geregelt. Deutschland gehört zu den letzten Ländern, in denen das Verbot weiter gilt.
Aus Sicht betroffener Familien entsteht dadurch ein doppeltes Problem: Das Verbot verhindert anonyme Eizellspenden nicht. Stattdessen drängt es Familien in Länder, in denen die Anonymität der Spenderin gesetzlich vorgesehen ist. Gleichzeitig hinterlässt es Familien ohne gesellschaftliche Sichtbarkeit, ohne ausreichende Orientierung, ohne Sprache für das, was ihr Kind eines Tages wissen will.
Nicole Klein, Gründerin des Glanzfunke Verlags, arbeitet seit der Verlagsgründung mit Hebammen und Kinderwunschzentren zusammen: „Viele Familien fühlen sich nach der Behandlung mit ihren Fragen allein. Denn irgendwann geht es nicht mehr um Medizin, sondern darum, wie man einem Kind seine eigene Geschichte erklärt. Die eigentliche Herausforderung beginnt oft erst Jahre später – wenn Kinder anfangen, Fragen zu stellen.“
Über FE-Netz e.V. – Deutsche Vereinigung für Familien nach Eizellspende
Das FE-Netz e.V. setzt sich für Sichtbarkeit, Vernetzung und Unterstützung von Familien nach Eizell- und Embryonenspende ein. Der Verein fördert einen offenen Umgang mit der Entstehungsgeschichte und engagiert sich für die Legalisierung der Eizellspende in Deutschland. Derzeit bestehen Regionalgruppen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München, Münsterland, Nürnberg/Nordbayern, Ostwestfalen-Lippe/Südniedersachsen, Rheinland sowie im Großraum Stuttgart inklusive östlichem Hessen. Die Gruppen ermöglichen persönlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung im Familienalltag.
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