Endzeit-Szenario in Einfacher Sprache

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Bedrückend: Marlen Haushofers Roman
 

Weltberühmt ist die Geschichte von Robinson Crusoe, der als Schiffbrüchiger rund zwei Jahrzehnte auf einer Südseeinsel gefangen ist. Was sich zunächst als spannender Abenteuerroman mit Happy End liest, stellt sich bei genauerem Hinsehen als mühsamer Überlebenskampf dar.

Marlen Haushofer hat das Szenario 1963 in die moderne Welt übertragen. Im Roman Die Wand wird schnell deutlich, welche fast übermenschlichen Anstrengungen es kostet, auf sich allein angewiesen zu sein und das Überleben zu sichern.

Auch in der Version in Einfacher Sprache ist genügend Raum, um philosophische Fragen aufzuwerfen und unsere Gesellschaft kritisch zu hinterfragen:

In der Stadt lebt man immerzu in größter Hast.
Und das Jahr für Jahr.
Im Wald geht das nicht.
Kein Mensch kann lange in größter Hast
bergsteigen oder Kartoffeln ernten.
Man muss sich seine Kräfte gut einteilen.
Heute beeile ich mich nicht mehr bei dem,
was ich tue. Ich bewege mich ohne jede Hast.
Früher war ich immer in Eile, immer ungeduldig.
Ich frage mich, warum eigentlich.
Die Welt der Menschen und Dinge
Ist mir ja sowieso fremd geblieben.
Nur die Bücher, die habe ich geliebt.
Die Bücher vermisse ich.

Die Wand hat beim Publikum und in der Kritik viel Beachtung gefunden. Vor wenigen Jahren ist der Stoff von Julian Pölsler wieder aufgegriffen und unter dem gleichen Namen verfilmt worden.

Martina Gedeck erhielt für ihre Rolle im Solostück den deutschen Filmpreis 2012.

Tiefgründige Romane in Einfacher Sprache bilden das Kerngeschäft des Spaß am Lesen Verlages aus Münster. „Wer lesen kann, bestimmt selbst über sein Leben“, sagt Geschäftsführer Ralf Beekveldt. „Nur leider gibt es in Deutschland weit mehr schwache Leser als vermutet. 7,5 Millionen Menschen können keine zusammenhängenden Texte lesen und sind damit bei alltäglichsten Anliegen auf die Hilfe anderer angewiesen. Ein selbstbestimmtes Leben ist damit nicht möglich. Das wollen wir ändern.“

Sein Erfolgsrezept nennt er „Lesekilometer“, also Learning by Doing, in der Schule auch als Fibel-Methode bekannt: Ungeübte Leser brauchen mehr Übung, um an ein früher erreichtes Leseniveau anknüpfen oder es übertreffen zu können. Bei den betroffenen Erwachsenen gibt es, anders als bei Kindern, eine große Diskrepanz zwischen der Fähigkeit zu lesen und der geistigen Reife. Kinderbücher sind daher für Erwachsene ungeeignet, um Lesekompetenz auszubauen – Erwachsene brauchen erwachsenengerechte Bücher.

Das ist die Nische des Spaß am Lesen Verlages: Intelligente und kritische Bücher, übersetzt in Einfache Sprache.

Beitrag von auf 10. Dezember 2018. Abgelegt unter Literatur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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