Gambia setzt 2021/22 auf Expansion im Tourismus. Womit überzeugt das kleinste Land Afrikas?

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DABO House: Gambias kulturfreundlichstes Gästehaus
 

Das Kapital Gambias sind die Menschen

Die Bevölkerung des kleinsten Lands Afrikas ist wirklich herzlich und freundlich. Immer wieder wird man gefragt „From where do you come from Sir?“ und wenn man dann antwortet, dass man aus Deutschland kommt, hat man die Sympathien der Afrikaner sicher. Für mich war es auch spannend zu erfahren, wie das Leben in Westafrika aktuell für die Menschen läuft.

Klare Erkenntnis: die Not ist groß und Menschen haben in diesem ärmsten Land Afrikas nur eine Hoffnung, dass ist die Wiederbelebung des früher starken Umsatzbringers, des Tourismus.

Das spürt man immer wieder, die Bevölkerung freut sich über Urlauber und mangels Alternativen ist sie auch auf diese einzige Einnahmequelle angewiesen. Kinder rufen neugierig und durchaus freundlich zu jedem Weißen „HELLO TUBAB“ (‚Hallo Europäer‘). Ich habe wirklich den Eindruck gewonnen, dass die Gambianer es schätzen, wenn wir mal vorbeischauen…

Wie lebt die Bevölkerung und wie „frei“ sind die Besucher in Gambia? 

Ganz frei. Keine Restriktionen, keine Einschränkungen. Bars, Restaurants und Diskotheken sind offen, es wird getanzt, gegessen und geschmatzt, dass man sich hier so fühlt, wie vor der Covid Pandemie. Keiner trägt Maske oder Face-Shield. Frauen tragen gerne mal einen Minirock oder hautenge Jeans, es ist sehr tolerant und es wird offenbar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gedroht.

Nirgendwo wird man von Zeitgenossen angeschnauzt, wenn man ohne Gesichtsmaske im Taxi, Bus oder beim Friseur sitzt. Gambia ist m.E. das richtige Herbst- und Winterreiseziel für jene, die auch im Dezember bei rund 30°C Tagestemperatur in die Fluten des warmen Mittelatlantiks springen wollen, das ganze versehen mit einem für uns mittlerweile ungewohnten Freiheitsgefühl. Das Meer hat hier angenehme 26 – 27° Wassertemperatur. 

Wie kommen Freunde des gepflegten Badeurlaubs nach Gambia?

Die meisten Flüge kommen nachts auf dem Flughafen von Banjul an. Das mag den einen oder anderen nicht stören, mich schon. Ich wählte für den 1. Juni 2021 den einzig möglichen Tagesanflug aus Europa mit Vueling Airlines, S.A..

Es handelt sich dabei um eine spanische Low-Cost Airline, die zweimal in der Woche von Barcelona nach Banjul fliegt. Der Airbus 320 war nur zu einem Drittel besetzt. Das Flugzeug hat keine Komfort-Ausstattung, aber immerhin Lademöglichkeit für Handy und Co mit USB. Speisen und Getränke gegen Bezahlung.

Im Flugzeug waren fast nur Afrikaner, die haben spärlich Gebrauch gemacht von den recht teuren Offerten (z.B. kleine Flasche Wasser 3€). Internet-Pakete können dazugebucht werden. Sitzkomfort gering, ‚Ryanair‘ läßt grüßen.  Abflug ca 12h von Barcelona, Ankunft Banjul lokale Ortszeit 15.30h, Flugdauer 5h30min. Preis rund 200€, One Way, ohne Gepäck.

Covid Schnelltest bei Ankunft in Banjul obligatorisch.

Nach rund 6h Flugzeit kann der Mitteleuropäer Gambianischen Boden betreten. Ab Einreise bekommen EU-Bürger eine 30 Tage Aufenthaltserlaubnis. Diese kann verlängert werden. Voraussetzung für die Einreise im Juni 2021 war ein negativer PCR Test. Dennoch ‚überraschen‘ einen die Gambianer dann auf dem Flughafen mit einem zwangsweisen „Corona- Schnelltest“, der mit 1000 Dalassi (rund 20 $) berappt werden muss.

Bevölkerung ist sehr freundlich, alle sprechen Englisch

 Die Republik Gambia ist das kleinste Land auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Es glänzt mit der nach Meinung des Autors freundlichsten Bevölkerung in ganz Afrika. Das Westafrikanische Land kann m.E. als sicheres Reiseland bezeichnet werden. Gambias Fläche beträgt nur rund 11000qkm, das entspricht in etwa einem Drittel von NRW (Nordrhein-Westfalen). Die Küstenlänge von knapp 100km sind teilweise menschenleer und wunderschön. Es gibt eine beachtliche Anzahl von endemischen Tieren und Pflanzen und sogar Affen und Krokodile kann man hier finden. 

Das Land ist bis auf die Gambianische Westküste am Atlantik komplett vom Senegal umschlossen. Gambia liegt zu beiden Seiten des Unterlaufs des z.T. malerischen Naturparadieses, des Gambia-Flusses. Der Fluss ist gleichzeitig auch Namensgebers der Nation, der durch das Zentrum Gambias fließt und in den Atlantik mündet.

Das kleine Land hat nach Schätzung von einem gambianischen Journalisten etwas weniger als 3 Mio Einwohner. Banjul ist die Hauptstadt und gleichzeitig der größte Ballungsraum des Landes. Größere Städte sind Serekunda und Brikama.

Wie in vielen Ländern Westafrikas, war auch in Gambia einer der Sammelpunkte für denn Sklavenhandel. Die Portugiesen errichteten eine Kolonie am Gambia-Fluss, damals noch A Gâmbia genannt. Später, am 25. Mai 1765, wurde Gambia ein Teil des Britischen Empire, als die Regierung formell die Kontrolle übernahm und die Gambia-Kolonie und das Protektorat gründete.

1965 erlangte Gambia die Unabhängigkeit unter der Führung von Dawda Jawara, der bis zur Machtergreifung von Yahya Jammeh in einem unblutigen Putsch 1994 regierte. Adama Barrow wurde im Januar 2017 der dritte Präsident Gambias, nachdem er Jammeh bei den Wahlen im Dezember 2016 besiegt hatte. Der zweite Präsident Gambias, Jammeh, akzeptierte die Ergebnisse zunächst, weigerte sich dann aber, sie anzuerkennen, was eine Verfassungskrise und ein militärisches Eingreifen der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten auslöste, was zu seiner Verbannung von Jammeh führte.

Wirtschaft Gambias basiert auf Fischfang, etwas Landwirtschaft – und dem Tourismus

Die Wirtschaft Gambias wird von der Landwirtschaft, der Fischerei und bis 2020 vom Tourismus dominiert. Im Jahr 2015 lebten 48,6 % der Bevölkerung in Armut. In den ländlichen Gebieten ist die Armut mit fast 70 % noch weiter verbreitet.

Die Corona-Pandemie traft Gambia im März 2020 heftig und unerwartet. Viele Europäer hatten  seit dem Jahr 2000 die Chance genutzt, unter der Sonne Afrikas und in relativer Sicherheit ein Gästehaus, ein Hotel oder eine Pension zu betreiben. Die Reisebranche war bis 2019 Jahr für Jahr erfolgreicher, 2019 kamen fast 620.000 Besucher in dieses kleine Land im westlichen Teil von Afrika. Immer mehr Menschen fanden Lohn und Brot im Tourismus. 

2020 massiver Einbruch der gambischen Reisebranche

Die Corona-Krise hat die Tourismusindustrie auf der ganzen Welt getroffen. Aber die Not der Bevölkerung hat in Gambia durch die extreme Abhängigkeit von der Urlaubsbranche besonders zugeschlagen. Zehntausende von Gambianern verloren – direkt oder indirekt im Tourismus arbeitend – ihre Lebensgrundlage. Nach Schätzung eines Gambianischen Journalisten gibt es außer Fischfang (Überfischung!), dem Anbau von Erdnüssen, Obst und Gemüse nur noch den Tourismus. Der wird nun mit allerlei Plänen bestückt zu einem Wachstumsturbo umgebaut.

Tourismus in Gambia vor einem Comeback?

Viele Hotels haben in der Corona Zeit zugemacht, die besseren Hotels wie das Sunprime Tamala Beach Resort haben auch in der Krise viel vom lokalen Tourismus profitiert und konnten ihren Geschäftsbetrieb fortsetzen.

Afrikaner aus dem Senegal oder Nigeria nutzen die günstigen Preise in 2020 und 2021, Auslastung konnte über einer kritischen Marke gehalten werden. Natürlich mussten auch derartig erfolgreiche Hotels Einbrüche hinnehmen, aber weit entfernt von der katastrophalen Lage der kleinen Häuser … oder der Einzelkämpfer, viele mussten aufgeben. Es gibt unter den kleinen Privatangeboten auch 2021 erfolgreiche Anbieter, wie das folgende Beispiel eines kleinen Gästehauses einer Schwedin zeigt.

Das Dabo House trotzt auch 2021 der Krise mit Musik und Kultur.

Exemplarisch möchte ich das kleine, aber sehr familiär geführte Dabo House als gutes Beispiel für erfolgreiche Fortsetzung von Tourismus-Aktivitäten in der C-Krise erwähnen. Die Schwedin Ulrika Ardin Dabo ist Betreiberin des Dabo House Gästehauses in Banjul’s Ortsteil Brufut.

Ulrika ist nebenbei noch Organistin in Stockholm. Sie unterstützt dabei die exzellenten Musiker der ‚BENDULA CULTURAL DANCE GROUP‘. Einige der Band Mitglieder haben sogar am Stockholmer Musikkonservatorium studiert und das merkt man, der Sound ist mitreißend und die Performance hat Weltklasse Niveau.

Das Dabo House eignet sich hervorragend für Menschen, die einige Tage einfach mal wirklich sehr entspannen oder sich sicher erholen wollen, dabei auch noch etwas für die Kultur tun möchten. Die Zimmer des Gästehauses sind geschmackvoll und mit vielen Elementen eines bekannten schwedischen Möbelhauses ausgestattet. Ein Pool und eine schöne Erholungsfläche erlaubt es den Reisenden, sich hier gut verpflegen zu lassen. Das Personal ist darauf bedacht, den Urlaubern maximale Erholung zu gewähren. Die sehr guten Referenzen in Buchungsportalen zeigt, dass diese Offerte gut ankommt. 

Mein Resümee nach vier Wochen in Gambia im Sommer 2021:

Ich glaube, dass man Gambia und den Menschen im Land wirklich helfen kann, wenn man Gambia als Marke für Aktiv- und Badeurlaub neu aufstellt.

Motto: man tut sich selbst etwas Gutes und hilft, ist das nicht eine sympathische Kombination?

Das Land ist nach Expertenmeinung gut beraten, bald eine internationale Marketingstrategie zu fahren, um Menschen auf das sichere und sympathische Reiseland Gambia aufmerksam zu machen. Im Winter ist es hier heiß, beste Voraussetzungen, um auch im Dezember Vitamnin D zu tanken.

Natürlich gibt es auch einiges, was nicht so gut funktioniert. Das Internet ist langsam, gelegentlich gibt es Stromausfall und die Infrastruktur entspricht bei weitem nicht der von Europa. Viele Straßen sind noch nicht asphaltiert und es gibt mit Sicherheit noch ganz viele andere Aspekte, die generell für ganz Afrika gelten. Taxifahren ist ein kleines Abenteuer, Verhandlungsgeschick ist da angebracht. Autofahren ist aber insgesamt recht problemfrei möglich, hier fahren in Autos wie in Europa rechts.

Nach vielen Gesprächen mit Menschen vor Ort möchte ich ausdrücklich für Gambia werben, die Bevölkerung freut sich wirklich über Reisende. Da es im Land keine Rohstoffe gibt und auch die Bildung nicht wirklich überzeugt, könnte die Not im Land signifikant gelindert werden, wenn mehr Touristen ins Land kommen. Dabei ist die Sicherheitslage ausgesprochen positiv, ich habe bislang noch von niemandem gehört, der bestohlen oder gar beraubt wurde. 

Gambia freut sich auf Dich … Bis bald in Gambia.

Beitrag von auf 30. Juni 2021. Abgelegt unter Urlaub & Reisen, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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