Heilsame Schönheiten – das Aostatal in voller Blütenpracht

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Mont Blanc, Aostatal, Italien
 

Jede alpine Pflanze ist einzigartig und kommt auf vielfältige Weise zum Einsatz. Im Aostatal haben vor allem die valdostanischen Frauen das Wissen über die Pflanzen und ihre Heilkräfte von Generation zu Generation weitergegeben. Neben den traditionellen Heilmitteln, die seit Jahrhunderten die Grundlage der ländlichen Hausapotheke bilden, sind auch Zubereitungsarten, Dosierun¬gen und Anwendungsdauer überliefert. Neue und besonders schonende, technische Verfahren des Destillierens verbinden Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Moderne. Pharmazeuten und kleine Produzenten aus der Region verarbeiten die Schätze zu ebenso aromatischen wie heilsamen Tees, Salben, Tinkturen und Ölen zum Einnehmen, Einreiben oder Inhalieren. Für Wellness, Phytokosmetik und Aromatherapie wird der Wildwuchs ebenso verarbeitet. Ätherische Öle sind das Wertvollste, was man aus einer Pflanze gewinnen kann. Sie sind die Persönlichkeit und Seele der der Pflanze. Ihr Konzentrat enthält vitale Ener¬gie in ihrer reinsten Form. Pur oder mit hochwertigem Pflanzenöl werden sie sanft durch die Atmung aufgenommen oder versorgen die Haut mit wichtigen Nähr- und Pflegestoffen.
Typische Heilpflanzen des Aostatals
Neben wildem Rosmarin oder Lavendel stehen auch Malve, Calendula oder Imperatoria (Meisterwurz) zum Pflücken bereit. Neben seiner kühlenden, schweißhemmenden Wirkung lindert der Saggio delle Montagne (Salbei) Halsschmerzen. Immergrüner
Berg-Thymian reinigt die Atemwege – antiviral. Beruhigend und abschwellend wirkt die krautige Arnika. Während sie in Weiden, Mooren und Rhododendren schon ab 500 Höhenmetern wächst, trifft man den bitter-aromatischen Genepy erst ab 1.500 an. Die¬ser Valdostaner wächst unter Felsbrocken und lindert „Bergkrankheit“ wie Kopfweh, Schwindel und Erschöpfung. Seine Bitterstoffe wirken verdauungsfördernd. Hoch in den Bergen wächst auch die Ährige Edelraute (Artemisia Genipi). Das eng mit dem Wermut verwandte typische Aostakraut ist die Hauptzutat für den traditionellen Génépi-Likör. In bis zu über dreitausend Metern Höhen wächst auch der Star der Alpen: Zwischen den Kalksteinfelsen der alpinen Weiden findet man Stella Alpina – das Edelweiss. Das zart be¬haarte, phytogene Wahrzeichen ist reinstes Antiaging für die Haut.
Begehbares interaktives Herbarium
Wer mehr wissen will: Im Zentrum zur Anwendung von Heilpflanzen „La Maison des Anciens Remèdes“ findet sich von der Wurzel über die Stämme, Blätter, Blüten und Früchte das geballte Pflanzenwissen- von der alten Heilkunde bis zur wissen¬schaftlichen Erkenntnis. Im ehemaligen Heuschober der Pfarrei Jovençan treffen Natur und volkstümliche Kultur mit uraltem Wissen über Legenden, Rezepte und Hausmittel zusammen. In La Bouteucca de l’Apotéquéro – der alten Apotheke – werden 38 lokale Pflanzen in Schubladen aufbewahrt. Dieser haptische Zugang eröffnet dem Besucher einen sinnlichen Zugang in die alpine Pflanzenwelt. Interaktive Bildschirme vermitteln die Zubereitung der traditionellen Heilmittel. Ein spezieller Bereich mit interaktiven Lernspielen ist den Kindern gewidmet. Infos: www.anciensremedesjovencan.it/
Das Viergespann der alpinen Botanischen Gärten
Ganze vier alpine botanische Gärten sind über das Aostatal verstreut. Die Gärten Chanousia am kleinen Sankt Bernhard,
Saussurea am Pavillon des Montblanc, Paradisia in Cogne und der Park am Castel Savoia in Gressoney-Saint-Jean laden zu einer Entdeckungsreise in die typische Bergwelt des Aostatals. Sie eröffnen den Gästen die Artenvielfalt und machen die
valdestonische Flora begeh- und erlebbar.
Botanischer Garten im Schloss Savoyen in Gressoney-Saint-Jean (1990)
Der 30 Jahre alte botanische Garten ist Teil des pittoresken Schlossparks. Zahlreiche ornamentale Felsenbeete beherbergen neben den einheimischen auch aus anderen Berglandschaften der Welt stammende Pflanzen. Beim Wandeln über die kleinen Brücken, die über den Fluss Lys führen, begegnet man dem einen oder anderen Edelweiß, der Arnica Montana oder der Familie der Enziane (Gentiana).
>>> Der Garten ist ganzjährlich geöffnet (gekoppelt an die Öffnungszeiten des Schlosses). Blütehochzeit ist im Juli und August.
Botanischer Garten Paradisia in Cogne (1955)
Situiert vor der majestätischen Kulisse des Gran Paradiso-Massivs präsentieren in Paradisia über tausend einheimische und aus anderen Bergregionen der Welt stammende Pflanzen ihr Vielfalt. Benannt wurde der Garten nach der weißen Lilie (Paradies Lilia¬strum), die auf den alpinen Hochweiden wächst. Aufgrund seiner relativ geringen Höhe von 1700 Metern hat er eine optimale Bo¬denbeschaffenheit für die Rekonstruierung von Habitats wie Pseudosteppe, Torfmoor, Moräne, Kalksteingeröllhalde und Erlenwald.
>>> Dezidierte Beschreibungstafeln liefern Erklärungen. Alle Pflanzen sind mit einem Namensschild versehen, auf dem die volk¬stümliche und die wissenschaftliche Bezeichnung zu lesen sind.
Botanische Garten von Saussurea am Fuß des Monte Bianco (1987)
Der 7.000 qm große, alpine botanische Garten von Saussurea wurde 1987 nahe der Zwischenstation der Skyway Monte Bianco Seilbahn eröffnet und gewinnt von Jahr zu Jahr an naturwissenschaftlicher Bedeutung. Der in 2.173 Metern Höhe liegende Garten ist einer der höchsten in Europa. Benannt ist er nach der Blume „Saussurea Alpina” und dem Genfer Wissenschaftlers Horace Bénédict de Saussure, der 1786 einer der Initiatoren der Erstbesteigung des Mont Blancs war. Naturbelassene Bergwiese mit endemischer Pflanzenwelt werden von 800 europäischen Pflanzenarten ergänzt.
>>> Der Garten kann mit der Skyway Monte Bianco Seilbahn (erste Station/Pavillon) oder zu Fuß über einen Wanderweg von etwa zwei Stunden erreicht werden. (803 Meter Hm). Blütezeit ab ca. Juli, Blumenarten exotischer Herkunft können bis Ende September bewundert werden. Infos: www.saussurea.it
Botanischer Garten Chanousia in La Thuile (1897)
Der Name Chanousia geht auf seinen Gründer, den Abt Pierre Chanoux zurück. Er gründete den Garten im Jahr 1897. 4.000 alpine Pflanzenarten aus aller Welt wachsen hier in Kalkstein-Felsgärten oder Torfmoore. Aufgrund seiner Lage auf 2170 Hm finden sich auch typische Gewächse, die aus hohen Gebirgsbreiten und den Schneegebieten stammen. Die üppigste Blütezeit des Gartens dauert von Ende Juli bis Mitte September. Zurzeit werden ungefähr 1.600 verschiedene Bergpflanzen angepflanzt.
>>> Dieser älteste Garten liegt am Kleinen Sankt Bernhard auf französischer Seite, zwischen Savoyen und dem Aostatal, knapp einen Kilometer von der Grenze entfernt. In einem kleinen Museum ist die Sammlung des Abts Chanoux zu bestaunen.

Beitrag von auf 3. Juni 2020. Abgelegt unter Urlaub & Reisen, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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