Krankenkassen: Harter Wettbewerb um Versicherte – eineüberstrahlt alle

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Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verzeichnete einen neuen Rekord. Am 1. Januar 2021 waren genau 73.073.990 Menschen in Deutschland gesetzlich krankenversichert, rund 152.000 mehr (plus 0,21 Prozent) als noch ein Jahr zuvor. Trotzdem:

Im Jahr 2020 war bei fast jeder zweiten Krankenkasse (42 von 103) die Versichertenstatistik rot gefärbt. Einige verloren in den zwölf Monaten fast sieben Prozent ihres Bestandes, bei anderen verschwanden über 90.000 Versicherte aus den Statistiken. Auf der Gegenseite sammelte eine einzige Kasse per Saldo mehr Versicherte ein als alle elf Ortskrankenkassen (AOKen) und alle sechs Innungskrankenkassen (IKKen) in Deutschland zusammen. Am härtesten tobte auch 2020 der Wettbewerb der Körperschaften um Versicherte in Niedersachsen. Diese und andere Details findet man im 52. Versicherten-Ranking des führenden Berliner gesundheitspolitischen Hintergrunddienstes „dfg – Dienst für Gesellschaftspolitik“, das jetzt erschien. Der „dfg“ erstellt seit 2004 vierteljährlich Rankings der Versicherten und der Mitglieder aller Kassen. Die Daten beruhen traditionell auf Meldungen der Körperschaften und ihrer Verbände, sie werden validiert durch öffentliche Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).

Alle in Deutschland Lebenden können seit 1996 ihre gesetzliche Krankenkasse frei wählen. Der Wettbewerb der 103 noch existierenden Kassen ist hart und kennt traditionell Gewinner und Verlierer, Freude und Leid sind ungerecht verteilt. Die absolute Gewinnerin „nach Köpfen“ war auch 2020 die Hamburger Ersatzkasse Techniker Krankenkasse (TK). Sie gewann netto 204.876 Versicherte neu hinzu (nach 244.421 in 2019) und verfügte zum Stichtag 1. Januar 2021 über mehr als 10,7 Mill. Versicherte. Damit legte die GKV-Branchenführerin 2020 ein besseres Ergebnis hin als alle elf AOKen (Plus 122.254) und alle IKKen (Plus 82.586) zusammen. Obwohl der TK mit den AOKen Niedersachsen, PLUS (Sachsen+Thüringen), Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg gleich vier Vertreterinnen dieser Kassenart in der TOP 10-dfg-Liste der „Gewinner nach Köpfen“ folgten. Auf Rang 4 findet man die Bremer Ersatzkasse handelskrankenkasse (hkk). Vier Betriebskrankenkassen (BKKen), die Bremer BKK firmus, die Biberacher BKK VerbundPlus, die Wiesbadener BKK Linde und die AUDI BKK vertreten diese Kassenart. Die Dortmunder IKK BIG direkt gesund stärkte sich durch eine kassenartenübergreifende Fusion mit einer BKK.

Die TOP 10-dfg-Liste der „Gewinner nach Prozent“ führen die BKK firmus (Plus 37,7 Prozent) und die BIG Direkt gesund (Plus 25,12 Prozent) an. Auf Platz 3 findet man die BKK VerbundPlus, die um 13,19 Prozent zulegte. Außer der Ersatzkasse hkk gelang es nur noch BKKen überproportional im „GKV-Markt“ zu wachsen. Man mußte schon mehr als drei Prozent im Bestand zulegen, um auf dieser TOP 10-Liste zu erscheinen.

Bei den „Verlierern“ des GKV-Wettbewerbs ragte auch 2020 die Wuppertaler Ersatzkasse BARMER hervor. Sie verlor in 2020 netto 90.584 Versicherte (nach 205.704 in 2019). Gefolgt von zwei weiteren Ersatzkassen (DAK Gesundheit und KKH) und der Bochumer Knappschaft (KBS). Mit der AOK Nordost auf Platz 7 der „Verlierer nach Köpfen“ findet man eine Ortskrankenkasse. Das Auftauchen der Celler BKK Mobil Oil und der Hannoveraner energie BKK in den dfg-Verlierer-Listen dürfte dem harten Wettbewerb in Niedersachsen geschuldet sein. Zwei Bremer Kassen (hkk, BKK firmus) und die Hannoveraner AOK Niedersachsen lockten auch in 2020 mit unterdurchschnittlichen Zusatzbeiträgen zahlreiche neue Kunden an – das Nachsehen hatten traditionelle Wettbewerber.

Die Gründe für die Versichertenverluste sind vielfältig. Aber wenn die Minusquote zweieinhalb oder gar drei Prozent im Jahr übersteigt, dann sollte man schon nach den Ursachen fragen, so dfg-Chefredakteur Wolfgang G. Lange. So manche der so genannten „Versorgerkassen“ verfüge über eine Altersstruktur, die eine „Sterbequote“ zwischen zwei bis drei Prozent nur so herausfordere. Liege der Verlust unter einem Prozent, dann deute das bei der Versorgerkasse daraufhin, daß ihre Akquisiteure im „Markt“ erfolgreich mit dem Fang neuer „Versicherten-Verhältnisse“ gewesen waren. Liege der Prozentwert höher, dann dürfe in 2019 – aus welchen Gründen auch immer – ein Exodus von Mitgliedern (unter Mitnahme der Versicherten) eingesetzt haben, wie z.B. bei der pronova BKK, der BARMER und anderen BKKen. Das könne am Image liegen, an einem unattraktiven, weil zu hohen Zusatzbeitrag, nicht ausreichender Kundenbetreuung oder gar schlechtem Marketing. Aber auch an den regionalen Marktbedingungen, wenn andere, für die „Kunden“ attraktivere Kassen die Mitglieder abwerben konnten (z.B. BKK MOBIL OIL).

Das 52. dfg-GKV-Versicherten-Ranking kann von interessierten Redaktionen und Journalisten bei der dfg-Redaktion angefordert werden. Es beinhaltet im Kommentar-Teil auch die TOP 10-Winner/Loser-Listen.

Der gesundheitspolitische Hintergrunddienst „dfg – Dienst für Gesellschaftspolitik“ erscheint seit 1962 wöchentlich und wird von der Berliner MC.B Verlag GmbH herausgegeben (www.mcb-verlag.de). Er ist bekannt geworden durch seine investigativen Hintergrundberichte. Außerdem erscheinen seit 2004 vierteljährliche dfg-Rankings der Mitglieder und Versicherten aller deutschen Krankenkassen (GKV) sowie jährliche GKV-Bilanz-Rankings aller GKV-Kassen bzw. jährliche Versicherten-Rankings der privaten Krankenversicherungsunternehmen (PKV).

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Redakteur André Korn
0176 – 26 119 436
Redaktion „dfg – Dienst für Gesellschaftspolitik“
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Beitrag von auf 11. Februar 2021. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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