Leipzig, 16.07.2026 – Forschende untersuchen derzeit, ob mesenchymale Stammzellen (MSC) aus Nabelschnurgewebe künftig bei schweren Augenerkrankungen helfen könnten. Erste klinische Studien liefern vielversprechende Hinweise darauf, dass die Zellen Entzündungen hemmen, geschädigtes Gewebe schützen und den Verlauf bestimmter Erkrankungen verlangsamen können.
Das Auge enthält hochspezialisiertes Gewebe, das sich nach Schäden oft nur eingeschränkt regenerieren kann. Erkrankungen wie die Retinitis pigmentosa oder das Sicca-Syndrom („Trockene Augen“) führen deshalb häufig zu dauerhaften Beschwerden oder sogar zu einem Verlust der Sehfähigkeit.
Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe gelten in der regenerativen Medizin als besonders interessant. Sie können entzündungshemmende Botenstoffe freisetzen und möglicherweise die Regeneration geschädigter Gewebe unterstützen.
Eine größere Studie mit mehr als 400 Teilnehmenden deutet darauf hin, dass MSC den fortschreitenden Verfall der Netzhaut bei Retinitis pigmentosa verlangsamen könnten. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten erblich bedingten Ursachen für Erblindung. Ziel der Forschung ist es, die verbliebenen Netzhautzellen möglichst lange funktionsfähig zu erhalten.
Auch beim Sicca-Syndrom zeigen erste Untersuchungen positive Ergebnisse: In einer Studie mit 16 Betroffenen verbesserten MSC die Produktion von Tränenflüssigkeit und reduzierten Entzündungsmarker. Die Behandlung könnte damit künftig eine neue Option für Menschen mit chronisch trockenen Augen darstellen.
Darüber hinaus erforschen Wissenschaftler:innen den Einsatz von Stammzellen bei weiteren Augenerkrankungen, darunter Schäden der Hornhaut oder entzündliche Netzhauterkrankungen.
Trotz der vielversprechenden Resultate betonen Expert:innen jedoch, dass weitere klinische Studien notwendig sind, um Sicherheit, Wirksamkeit und langfristige Effekte besser beurteilen zu können.
Die Forschung zu Stammzellen aus Nabelschnurgewebe verdeutlicht das Potenzial regenerativer Therapien in der Augenheilkunde – insbesondere dort, wo herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten bislang an ihre Grenzen stoßen.
Literaturstellen
1. Harrell CR et al.
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