NOZ: Friedenspreisträgerpaar Assmann fordert: Klimaschutz mit unserer Wirtschaftsform verbinden

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Aleida und Jan Assmann sehen Veränderungen im
Zusammenhalt der Gesellschaft – Politiker sind zu Schauspielern
geworden

Osnabrück. Deutliche Kritik an Medien und Internet und dem kurzen
Takt ihrer Kommunikation formulieren die Kulturwissenschaftler Aleida
und Jan Assmann. „Wir müssen uns auf grundsätzliche Fragen besinnen
und ihre Langfristigkeit im Auge behalten. Zu diesen Fragen zählt für
mich die Frage, wie wir Klimaschutz mit unserer Wirtschaftsform
verbinden“, sagte Aleida Assmann, die gemeinsam mit ihrem Mann Jan
Assmann 2018 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
ausgezeichnet worden war, im Interview mit der „Neuen Osnabrücker
Zeitung“. „Mich beunruhigt auch, dass sich der Zusammenhalt der
Gesellschaft gerade deutlich verändert, nicht nur durch Migration,
sondern auch durch den Verlust von Mitmenschlichkeit, Respekt und
Anstand“, sagte sie. Auch der Begriff der Glaubwürdigkeit von
Politikern habe sich stark verändert, sagte Aleida Assmann. Die
biografisch verbürgte Glaubwürdigkeit, wie sie ein Willy Brandt
verkörpert habe, gebe es nicht mehr. „Heute haben wir einen neuen Typ
von Politiker, der zum Schauspieler geworden ist. Jetzt geht es
darum, sich pausenlos in Szene zu setzen“, sagte sie. Das politische
Geschäft kenne keine Pausen mehr, es gebe „einen dauerhaften Strom
der Erregung“.

Aleida und Jan Assmann traten in dem Gespräch weiter dafür ein,
das europäische Einigungsprojekt zu erneuern. Dabei könne es nicht
nur um eine gemeinsame Erinnerungskultur gehen, denn Ost und West in
Deutschland wie in Europa teilten nicht immer die gleiche Erinnerung.
„Wir haben in Ost und West unterschiedliche Erfahrungen. Aber die
müssen ja auch nicht vollkommen gleich sein. Wir müssen nur schauen,
worauf wir uns beide beziehen können“, sagte sie. „Deshalb beziehe
ich mich weniger auf das kulturelle Gedächtnis als auf die Lehren der
Geschichte. Es ist die Frage, was wir gemeinsam aus der Geschichte
lernen können.“ Es gehe nicht darum, dem Osten westliche Werte zur
Nachahmung aufzuzwingen, betonte Aleida Assmann.

Aleida und Jan Assmann fordern, dass sich die Europäer an
verbindende Ereignisse und an die Grundsätze des Projektes Europa
erinnern. „Das Besondere an Demokratien ist ja, dass sie sich
gegenseitig nicht angreifen. Wir haben heute leider keine große
Vision mehr vom Frieden und investieren weiter in Kriegsindustrie“,
kritisierte Aleida Assmann. Europa müsse wieder stark gemacht werden,
als Projekt des Friedens, der Demokratisierung, der Erinnerungskultur
und der Menschenrechte.

Die Anglistin Aleida Assmann und der Ägyptologe Jan Assmann
gehören zu den prominentesten Geisteswissenschaftlern Deutschlands.
Mit ihren Forschungen und Publikationen zu Erinnerung und kollektivem
Gedächtnis stellten sie wissenschaftliche Diskurse auf eine neue
Grundlage und stießen öffentliche Debatten an.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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Beitrag von auf 26. Oktober 2019. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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