Honorarkürzungen ab 1. April und ungeklärte Weiterbildungsfinanzierung verschärfen den Druck auf Nachwuchs, Patient*innen und Versorgung in Berlin
Berlin, 1. April 2026 – Die Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin (SFU Berlin) warnt vor einer neuen Versorgungslücke in der Psychotherapie. Während die Reform der Psychotherapieausbildung den Berufsweg strukturell neu geordnet hat, bleiben zwei zentrale Probleme ungelöst: einerseits ist das die verlässliche Finanzierung der fachpsychotherapeutischen Weiterbildung nach der Approbation. Gleichzeitig wird die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab 1. April 2026 bundesweit abgesenkt. Damit entsteht ein doppelter Druck auf genau jene Strukturen, die Versorgung leisten und Nachwuchs qualifizieren.
Die neue Ausbildungsarchitektur ist grundsätzlich klar: Auf das fünfjährige Universitätsstudium mit Approbation folgt die Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten. Doch genau an diesem Übergang droht das System ins Stocken zu geraten. Berufsverbände, Kammern und Berliner Hochschulen kritisieren seit Längerem, dass die Finanzierung ausreichender Weiterbildungsstellen nicht verlässlich geregelt ist.
Hinzu kommt jetzt eine zweite Belastung: Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat eine pauschale Absenkung psychotherapeutischer Honorare (minus 4,5%) beschlossen, die zum 1. April 2026 wirksam ist. In der aktuellen Berichterstattung großer deutscher Medien wird diese Kürzung als gesundheitspolitisch problematisches Signal gewertet, weil sie Versorgung, Praxen und Nachwuchs gleichzeitig trifft. Darüber berichten unter anderem ZDFheute, Deutsches Ärzteblatt, DER SPIEGEL und die RBB Abendschau.
„Berlin bildet Psychotherapeut*innen aus und Berlin versorgt Patient*innen. Wenn aber die Weiterbildung nicht verlässlich finanziert wird und zugleich die ambulante Vergütung sinkt, dann wächst die Lücke genau dort, wo Versorgung von morgen entstehen müsste.“, so Prof. Dr. Katharina Reboly von der SFU Berlin.
Mit dieser Entwicklung treffen zwei ungelöste Probleme aufeinander: Die Reform ist auf dem Papier vollzogen, in der Praxis fehlt aber vielerorts die finanzielle Anschlussfähigkeit. Und die ambulante Versorgung, die einen Teil dieser Weiterbildung tragen soll, gerät nun zusätzlich wirtschaftlich unter Druck. Die Folge: Der Weg vom Studium in die Versorgung bleibt unsicher, obwohl der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung hoch ist.
Für Studierende und neu approbierte Psychotherapeut*innen bedeutet das fehlende Planungssicherheit beim Berufseinstieg. Für weiterbildende Einrichtungen und Psychotherapeut*innen bedeutet es wachsenden wirtschaftlichen Druck. Für Patient*innen bedeutet es vor allem eines: das Risiko längerer Wartezeiten und einen erschwerten Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung. Genau davor warnen auch die Psychotherapeutenkammer Berlin und weitere Akteure der Berufs- und Hochschullandschaft.
Die SFU Berlin ist in dieser Debatte nicht nur Beobachterin, sondern Teil der Versorgungsrealität. Sie bildet am Department für Psychotherapiewissenschaft den Nachwuchs aus, betreibt eine Universitätsambulanz in Berlin und verfügt dort über die Ermächtigung für die ambulante fachpsychotherapeutische Weiterbildung. Die Strukturen sind also vorhanden “ was fehlt, ist die verlässliche politische und finanzielle Absicherung.
„Eine Reform ist erst dann erfolgreich, wenn sie nicht an ihrem wichtigsten Übergang scheitert. Wer Versorgung sichern will, muss Weiterbildung finanzieren und darf die ambulanten Strukturen nicht gleichzeitig schwächen.“, so Reboly.
Die SFU Berlin unterstützt deshalb die aktuellen Forderungen des Aktionsbündnisses Psychotherapie, der Fachverbände, der Psychotherapeutenkammer Berlin, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Berliner Hochschulen. Aus Sicht der SFU braucht es jetzt zwei klare politische Signale: eine verlässliche Finanzierung der fachpsychotherapeutischen Weiterbildung und ein Ende von Maßnahmen, die die ambulante psychotherapeutische Versorgung zusätzlich schwächen.
Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin
Department für Psychotherapiewissenschaft
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