Arzneimittel in Deutschland: Darum sind sie so teuer

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In Deutschland stellen sich die Versicherten nur allzu oft die Frage, weshalb ihnen für Medikamente wesentlich mehr berechnet wird als in anderen Ländern. Währenddessen streiten sich die Politik und die Pharmaindustrie über Sparpläne im Bereich der Arzneimittel.

Unabhängig davon, ob die Medikamente in der Apotheke vor Ort oder in der Apotheke online eingekauft werden – im internationalen Vergleich zeigen sich Arzneimittel in Deutschland als überaus kostenintensiv. Doch worin besteht eigentlich der Grund für dieses Phänomen?

Hohe Preisunterschiede zu anderen Ländern

In Deutschland liegen die Kosten für Arzneimittel weit höher als in anderen Ländern. Besonders für Medikamente, die dem sogenannten „innovativen Segment“ zugeordnet werden, verlangen die Pharmakonzerne sehr hohe Preise. In der Regel handelt es sich um spezielle Präparate, die kaum Alternativen zulassen.

Ein Beispiel dafür stellen etwa Impfstoffe gegen Gebärmutterhalskrebs dar. In Deutschland kosten die Mittel für die Grundimmunisierung ab Hersteller 477 Euro, in den USA dagegen lediglich 247 Euro.

Hohe Handelsspanne und Mehrwertsteuer

In Deutschland existieren keine gesetzlichen Höchstgrenzen bei patentgeschützten Arzneimitteln. Nach der Zulassung eines Medikaments müssen die Krankenkassen so den Preis zahlen, den die Pharmakonzerne festlegen.

Die hohen Arzneimittelpreise in Deutschland werden durch die Pharmaindustrie unter anderem damit gerechtfertigt, dass sich sowohl die Handelsspanne der Apotheken als auch die Mehrwertsteuer hierzulande sehr hoch gestalten. Auf die Hersteller entfielen lediglich 60 Prozent der Kosten für die Arzneimittelversorgung. Die weiteren 40 Prozent teilen sich der Staat, der Großhandel und die Apotheken.

Verschreibungspflichte Arzneimittel unterliegen tatsächlich in nahezu sämtlichen Ländern der EU nicht dem herkömmlichen Mehrwertsteuer-Satz – in Deutschland jedoch schon. Die Präparate sind in Schweden, Malta und Litauen sogar vollkommen steuerfrei.

Großes Ausfallrisiko und hohe Entwicklungskosten

Daneben werden von der Pharmaindustrie die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten angeführt, wenn es um die hohen Preise für Medikamente geht. Laut dem Verband der forschenden Pharmahersteller nimmt es im Durchschnitt zwölf Jahre in Anspruch, bis ein neues Medikament zugelassen wird. Dieser Prozess zieht Kosten von bis zu 800 Millionen Euro nach sich, ohne, dass am Ende eine Garantie auf eine erfolgreiche Zulassung besteht.
Bevor mit den Arzneimitteln Geld verdient werden kann, sind demnach sehr hohe Investitionen notwendig, obwohl letztendlich lediglich eines von 10.000 Projekten tatsächlich realisiert wird.

Preise werden durch den Markt bestimmt

Allerdings widersprechen die Kritiker der Aussagen des Verbandes damit, dass die Forschungs- und Produktionskosten mit der anschließenden Preisfestlegung kaum etwas zu tun haben. Die Hersteller würden sich so lediglich daran orientieren, welche Preise der Markt gewillt ist, zu zahlen.

Ein Beispiel dafür stellt Viagra dar. Der Pharmakonzern Pfizer forschte ursprünglich nach einem Arzneimittel zur Unterstützung des Herzkreislauf-Systems. Die standkräftige Nebenwirkung trat nur durch Zufall in Erscheinung, jedoch etablierte sich das Arzneimittel als wahrer Verkaufsschlager. Pro Tag beträgt die Kostenerwartung von Viagra zwischen einem und zwei Euro, jedoch werden dem Patienten pro Dosis zwischen elf und 15 Euro berechnet.

Daneben wurde der Wirkstoff noch einmal erneut durch die Industrie eingeführt, nämlich als Mittel gegen pulmonale Hypertonie – das Preisniveau wurde dabei erneut erhöht. Die Preise für Arzneimittel gestalten sich somit in der Regel umso höher, desto bedrohlicher und schwerer die jeweilige Erkrankung ist.

Beitrag von auf 30. August 2021. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Antworten geschlossen, Trackback ist möglich.



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