BVTE: Extreme Verbotsideen von DKFZ und Co. helfen nicht weiter / „Harm Reduction“ hilft bei der Vermeidung der Folgeerkrankungen des Rauchens und verdient eine höhere Wertschätzung

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Rauchen ist rückläufig, besonders bei Jugendlichen. Der Raucheranteil sank in dieser Altersgruppe auf etwa 5-6 % und der Zigarettenkonsum in Deutschland hat sich seit der Jahrtausendwende fast halbiert. Trotz der umfassenden gesundheitlichen Aufklärung rauchen noch immer etwa 15 Millionen Erwachsene.

„Wir können nicht erwarten, dass Tabakrauchen in den nächsten Jahren verschwinden wird“, sagt Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des BVTE. „Die extremen Verbotsforderungen des DKFZ für ein tabak- und e-Zigarettenfreies Deutschland bis 2040 atmen einen totalitären und illiberalen Geist. Sie sind völlig aus der Zeit gefallen und ignorieren intelligentere Politikansätze wie die „Tobacco Harm Reduction“, die in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt werden. Es ist an der Zeit, das alte Schwarz-Weißdenken „Quit or Die“ in Deutschland zu beenden.

Raucher kennen die gesundheitlichen Risiken, aber haben oft nur eine ungenaue Vorstellung über alternative Produkte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinprodukte, die zur Schadensminimierung (Harm Reduction) verwendet werden könnten. „Harm Reduction“ ist eine pragmatische Option, um den Tabak- oder Nikotinkonsum mit geringeren Gesundheitsrisiken zu verbinden. Nikotin an sich ist nicht krebserregend und trägt kaum zur Toxizität des Tabakrauches bei. Innovative Produkte, die Verbrennungsprozesse vermeiden und die Schadstofffreisetzung deutlich reduzieren, sind deshalb eine realistische Möglichkeit, die Risiken für spätere Krebserkrankungen oder andere tabakassoziierte Krankheiten wirksam zu begrenzen.

Über die gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten und Tabakerhitzer wurde viel diskutiert, so dass der Eindruck einer großen Uneinigkeit zwischen den Experten entstanden ist. Entscheidend ist aber, dass wegen der viel geringeren Schadstoffemissionen E-Zigaretten ein etwa 100-fach niedrigeres Krebsrisiko als Tabakzigaretten bergen. Tabakerhitzer erreichen eine bis zu 25-fache Reduktion(²,³). „Das sind keine Spekulationen, sondern die Ergebnisse von Modellierungsansätzen und Verfahren der quantitativen Risikobewertung“, sagt Frank Henkler-Stephani, Senior Director Harm Reduction des BVTE. Diese wissenschaftlichen Methoden befinden sich noch in der Entwicklung, erreichen aber bereits jetzt eine hohe Verlässlichkeit (?). Das große Potential von alternativen Produkten zur nachhaltigen Senkung der Krebsrisiken wird auch durch analytische und toxikologische Studien belegt. Die Risiken für Herzkreislauferkrankungen oder andere tabakassoziierte Krankheiten sind ebenfalls deutlich reduziert. Orale Nikotinprodukte (Pouches, Nikotinbeutel) weisen im Vergleich zur Zigarette ebenfalls sehr geringe Gesundheitsrisiken auf. Eine Freisetzung von krebserregenden Stoffen kann hier generell ausgeschlossen werden.

Es gibt also gute und ermutigende Argumente für eine „Harm Reduction“-Strategie. Dieser Ansatz wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber auch von Behörden und einigen ärztlichen Fachgesellschaften kritisch gesehen, die nur die Entwöhnung als legitime Zielstellung anerkennen. Das war nicht immer so. Artikel 9 des WHO Tabakrahmenabkommens zielt auch auf eine Senkung der Toxizität, die durch eine Begrenzung von gesundheitsschädlichen Emissionen erreicht werden kann. Diese Zielstellung wird derzeit nicht weiterverfolgt, obwohl eine effektive Umsetzung mit den neuen Technologien möglich wäre.

„Harm Reduction“ erfordert Überzeugungsarbeit, sie setzt auf eine ausgewogene Aufklärung. Hier gibt es erhebliche Defizite. Das Suchtpotential wird stark thematisiert, wobei „Harm Reduction“ nicht mit Entwöhnung gleichgesetzt werden darf. Toxikologische Bewertungen suchen dagegen oft die Nadel im Heuhaufen, vor allem um die Schädlichkeit alternativer Produkte zu belegen. Risiken beim Konsum von E-Zigaretten, die nur für einige Geräte oder Betriebsbedingungen (u.a. Überhitzung) relevant sind, werden überbetont, wobei die wirklich entscheidenden Unterschiede zur Tabakzigarette aus dem Blickfeld geraten. Zweifel am Nutzen, fehlende Daten oder die Möglichkeit eines „Gateway Effekts“ für Kinder und Jugendliche werden oft in den Mittelpunkt gerückt. Der potentielle Nutzen für Raucher wird häufig heruntergespielt oder gar nicht erwähnt (¹).

Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergaben im Jahr 2019, dass die Gesundheitsrisiken für E-Zigaretten im Vergleich zur Tabakzigarette von einer Mehrheit der Befragten als gleich oder sogar höher eingeschätzt wurden (BfR Verbrauchermonitor 2019, Spezial E-Zigaretten). Auch Zigarettenraucher folgten mehrheitlich dieser Fehleinschätzung, die dringend korrigiert werden muss.

Natürlich sind die neuen Tabak- und Nikotinprodukte nicht risikofrei. Dennoch wäre es verantwortungsvoll und konsequent, Rauchern einen Umstieg auf risikoreduzierte Produkte zu empfehlen. Ärztliche Fachgesellschaften sollten hier stärker Verantwortung wahrnehmen. „Harm Reduction“ kann zur Vermeidung tabakassoziierter Krankheiten einen wichtigen Beitrag leisten. Das geschieht nicht im Selbstlauf, sondern erfordert Aufklärung, eine faire Behandlung in den Medien und breite Unterstützung durch die Politik und Öffentlichkeit.

1) https://www.dkfz.de/de/krebspraevention/strategie-tabakfrei-2040.html

2) Rodrigo et al., 2021. Cancer Potencies and margin of exposure used for comparative risk assessment of heated tobacco products and electronic cigarettes aerosols with cigarette smoke. Arch Toxicol 95:283-298.

3) W.E. Stephens, 2018. Comparing the cancer potencies of emissions from vapourised nicotine products including e-cigarettes with those of tobacco smoke. Tob Control 27:10-17.

4) Slob et al., 2020. A method for comparing the impact on carcinogenicity of tobacco products: A case study on heated tobacco versus cigarettes. Risk Analysis 40: 1355-1366.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE)
Jan Mücke
Hauptgeschäftsführer
Unter den Linden 42
10117 Berlin
Tel. +49 30 814 59 36-52
Fax +49 30 814 59 36-51
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Beitrag von auf 30. Mai 2021. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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