Dirk Schmitt – Wanderlust @ 30works

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Dirk Schmitt – Wanderlust @ 30works

Mit Dirk Schmitt präsentiert die Galerie einen Künstler, der durch die zeitgenössische Interpretation klassischer Bildmotive neue Seherfahrungen schafft.
Das Wandern ist des Müllers Lust. Seit seiner Entwicklung im 19. Jahrhundert ist es fast etwas wie heimisches Kulturgut geworden und immer wieder auch Motiv der Bildkunst. Der Kölner Maler Dirk Schmitt hat sich in seinen neuesten Arbeiten dem Thema gewidmet und beweist dabei ein weiteres Mal die Einzigartigkeit seines Werks: Die Gegenwart mit der Kunst vergangener Epochen zu verknüpfen und dadurch eine völlig neue Wahrnehmungsqualität zu erzeugen.

Spontanität vs. GPS
In der Romantik von Künstlern, Dichtern und Denkern mit dem Wunsch nach Naturverbundenheit und Selbsterkenntnis gepflegt, wird das Wandern heute von allen Alters- und Bildungsschichten betrieben. Schmitt, inspiriert von Wanderbildern der letzten Jahrhunderte, suchte nach einer zeitgemäßen Darstellung des Themas. Seine daraus entstandenen Arbeiten legen den Fokus dabei auf junge Menschen, die das Wandern nach eigenen Kriterien für sich interpretieren: Ihrem romantischen Vorgänger „Über dem Nebenmeer“ von Caspar David Friedrich gleich, erscheinen sie von uns abgewandt, nahe am Abgrund, die Gipfel der umliegenden Berge am Horizont. Die Melancholie, die in den alten Gemälden mitschwingt, ist hier einer noch kindlichen Unbeschwertheit gewichen. So mancher, mit GPS und Hightech-Kleidung ausgestatteten „Bewanderter“ wird bei dem Anblick von nackten Füßen, luftiger Alltagskleidung und fehlender Verpflegung erblassen (ob vor Entsetzen oder Neid sei dahingestellt). Doch offenbaren genau diese Wander-No gos das Privileg, das der Jugend zu jeder Zeit eigen war und ist: Spontanität, Unvoreingenommenheit, Entdeckerlust. Die eigene Nase ist ihr Tourenguide, Neugier das Proviant, der eingeschlagene Weg Freiheit pur, ohne die Erwartung, darauf sich selbst oder dem Sinn des Lebens zu begegnen.

Konkret erfolgreich
Dabei zeigt der Maler auch hier seinen unverwechselbaren Stil, der ihm seit Beginn seiner Karriere zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen und Vertretungen in öffentlichen wie privaten Sammlungen eingebracht hat.
Von vorneherein dem Gegenständlichen verpflichtet, setzt der
frühere Meisterschüler von Prof. Dieter Kraemer bis heute (selbst)bewusst auf alte Maltechniken und -stile.
Mit seinen in niederländisch-barocker Manier ausgeführten Stillleben oder seiner Serie von Porträts, welche die Dargestellten in die lange, kunsthistorische Tradition der Rückansichten einreiht, hat er sich mittlerweile als feste Größe der Kunstwelt etabliert. Wenn ihn auch die technische Perfektion seiner Vorgänger reizt und für ihn diese „Kunst, die auch nach Kunst aussieht“ bedeutsamer ist, als der spektakuläre, aber schnell verblassende Geniestreich, geht es Schmitt doch um weit mehr, als sein Können an dem der Alten Meister zu messen. Mit der Isolierung von klassischen Bildelementen – die einzelne, schon leicht verdorbene Frucht, die nun ganz für sich stehende Rückenfigur – gelingt Schmitt die Realisierung des Paradoxons von „Weniger ist Mehr“. Die Gestalt in Rückansicht, in der Kunst rein funktional als anonyme Blicklenkerin auf das eigentliche Bildthema eingesetzt, wird durch die Reduktion auf sich selbst zum vollkommenen Abbild der gezeigten Person. Denn die Abgewandtheit vom Betrachter und der dadurch ausbleibende Blickkontakt suggerieren einen Moment des Unbeobachtet-Seins, der erst den ganz unverstellten Blick auf den Porträtierten ermöglicht. Mit dieser Unmittel-barkeit, gepaart mit einer bis ins Detail realistischen Wiedergabe, erzeugt Schmitt in seinen Bildern ein Sinnerleben, das über das rein Optische weit hinausgeht.
So liefern auch Schmitts neueste Arbeiten den Ruf der Berge gleich mit: die frische Luft, die den jungen Wanderern über die Haut streift, das knirschende Geräusch ihrer Schritte. Dazu der auffordernde Blick der sich (dann doch) umwendenden Gipfelstürmerin: Die Ausstellung bei 30works zeigt WANDERLUST nicht nur – sie macht sie auch. Schuhe an, Rucksack an, und los!
Was den Laudator Christoph Kuckelkorn, seines Zeichens Bestatter und Präsidnet des Kölner Festkommitees, mit der WANDERLUST verbindet, wird zur Vernissage enträtselt.

Dirk Schmitt – Wanderlust @ 30works
Eröffnung: 27.01.2019, 12:00 Uhr
Ausstellung 27.01. bis 09.02.2019

Öffnungszeiten: Mi – Sa 12-19 Uhr

30works Galerie
Pfeilstr. 47
50672 Köln
0221/33779999
www.30works.de

Beitrag von auf 18. Januar 2019. Abgelegt unter Kunst & Kultur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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