Kunst als demokratischer Prozess: Fotografien der Gruppe Rhönrad demnächst in Hamburg

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Stoltenhoff: Ihr seid vier Personen ganz unterschiedlichen Alters. Wie habt ihr euch gefunden und spielt die Generationenfrage eine Rolle?

Gruppe Rhönrad:
(WH) Charmant, charmant. Altersunterschied? Du sprichst von läppischen dreißig Jahren. Die Kunst kennt keine Altersunterschiede. Nein, dass war nie ein Thema. Interessante Menschen begegnen sich. Irgendwann.
(SZ) Wir nutzen den Altersunterschied zu unserem Vorteil. Die Mischung aus Erfahrung und Naivität ist ein fruchtbarer Boden für unsere Ideen.
(CB) Ich zum Beispiel fühle mich allerdings keinen Tick jünger als Wolfgang – denn im Inneren sind wir alle reif UND unreif zugleich.
(CG) Stefan kannte uns anderen drei und hat den Stein ins Rollen gebracht. Der Altersunterschied ist Glück, denn so haben wir als Gruppe einen breiteren Horizont.

Stoltenhoff: Wie laufen Entscheidungsprozesse ab?

(CB) Sehr demokratisch, aber doch entschieden wenn es unsere Überzeugung betrifft. Wenn es um die Auswahl der Bilder geht, um das „Aussieben“ sozusagen, gehen wir nach der Prämisse „Weniger ist mehr“ vor: solange nicht alle von einem Bild überzeugt sind, wird es nicht weiterverwendet.
(CG) Kompromisse sind zwar schneller, aber nicht besser.
(SZ) Im Kern demokratisch. Aber mit viel Blut und Schweiß! Jeder Einzelne kämpft zwar für seine Impulse, aber wir haben insgesamt einen erstaunlichen Konsens.
(WH) Immer gleichberechtigt, demokratisch. Erstaunlich harmonisch. Und das bei vier Eigendenker.. ..Gruppe Rhönrad. Ein Glücksfall.

Stoltenhoff: Wie geht ihr an neue Projekte heran, z. B. auch zeitlich, da ihr ja alle berufstätig seid?

(CB) Wir treffen uns zumeist an Wochenenden, jeder bringt seine eigenen Ideen und Vorstellungen mit. Es entsteht von ganz allein – nichts wird erzwungen. Und gerade durch diese spielerische Herangehensweise und dadurch dass jeder von uns Regie führt, entwickeln sich Motive und Emotionen die selten genau so geplant waren.
(WH) Irgendwann platzt einem der Kragen. Hat kreativen Entzug. Spontan werden dann die Ideen entwickelt und vor Ort ohne großen technischen Aufwand umgesetzt. Das ist die Gruppe Rhönrad.

Stoltenhoff: Gibt es künstlerische Vorbilder, zum Beispiel Filme oder bestimmte Epochen? Einige eurer Fotos assoziiert der Betrachter unweigerlich mit den 60er Jahren.

(WH) Mich beeindrucken die Fotografien von Dennis Hopper und die Fotoarbeiten von Gerhard Richter. Mag Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Picasso. Nein, Vorbilder für mein Tun sind sie nicht.
(CG) Ich habe schon viel fotografiert BEVOR ich mich gezielt mit anderen Fotografen und ihrem Werk beschäftigt habe. Für ein „Vorbild“ ist es nun wohl zu spät…
(CB) Wir versuchen eher, unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und die Messlatte immer so hoch wie nötig und möglich beizubehalten.
Ich persönlich bin Liebhaberin der 60er Jahre und Filmjunkie. Das Zitat „Filme sind das wahre Leben“ könnte von uns sein – und da kommen wir wieder zu den Einflüssen von 4 unterschiedlichen Individuen: Es steckt ungemein viel von uns allen in den Bildern, und natürlich auch unsere persönlichen Leidenschaften!
(SZ) Viele Dinge, die uns kulturell bewegen (z.B. Musik und Kino) kommen aus diesem Zeitraum und somit ist es ganz natürlich, dass eine Prägung erkennbar ist.

Stoltenhoff: Welche Rolle spielen technische oder digitale Möglichkeiten?

(WH) Es ist Handwerkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Es gibt eine Menge Fotografen, die sich dem Technischem, Digitalem unterwerfen und damit ihre Handschrift verlieren. Alles landet dann auf dem grossen Müllhaufen von flickr.
(CG) Wir benutzen, was wir haben, was wir uns leisten können. Im Großen und Ganzen stellen wir das Werkzeug und seinen Look nicht in den Mittelpunkt. Wenn es passt, nutzen wir gerne schräges Zeug wie Infrarotkamera, Langzeitbelichtungen, Pinholes, etc.

Wie möchtet ihr verstanden werden: als Künstler, Fotografen?

(WH) Wen das was wir machen Kunst ist, dann sind wir Künstler. Wer weiss, vielleicht bleibt es ja nicht bei der klassischen Fotografie…
(CG) Als Künstler. Und als Fotografen, dass schließt sich ja nicht aus.
(CB) Als all das! Wir möchten, dass unsere Bilder im Betrachter etwas auslösen – vielleicht eine innere Zeitreise, die Anregung der eigenen Fantasie oder einfach nur ein Lächeln. Wie wir DANN genannt werden, ist nicht wichtig.

Stoltenhoff: Danke für das Gespräch.

Ausstellung: „1. Streckenabschnitt – Fotoarbeiten“ 8.Mai – 31.Juli, Rappstrasse 15, Hamburg

Beitrag von auf 19. April 2010. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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