Mit den Sommerferien beginnt die Vorfreude auf den Urlaub. Für einige Mädchen* und junge Frauen* sind diese Reisen jedoch mit großer Angst verbunden, da sie einem erhöhten Risiko von Zwangsverheiratung, Ehrgewalt oder familiärem Druck ausgesetzt sein können.
„Ehrgewalt“ umfasst verschiedene Formen von psychischer, körperlicher und sozialer Gewalt, die mit der Vorstellung verbunden sind, die „Familienehre“ schützen. Dazu gehören Überwachung, Einschränkung der persönlichen Freiheit, Bedrohungen, Gewaltanwendung sowie Zwangsverheiratung. Besonders gefährdet sind Mädchen* und junge Frauen*, die eigene Lebensentscheidungen treffen möchten, hinsichtlich Ausbildung, Partnerwahl oder Lebensstils, die nicht den Vorstellungen der Familie entsprechen.
Die 17-jährige Aylin (Name geändert) wandte sich an ZORA, als ihre Eltern angekündigt hatten, gemeinsam in das Herkunftsland der Familie zu reisen und gleichzeitig immer häufiger Gespräche über einen „geeigneten Ehemann“ aus dem Verwandtenkreis führten. Sie berichtete, dass sie befürchte, gegen ihren Willen verheiratet zu werden und nicht mehr nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Sie hing an ihrer Familie, ihr gesamtes soziales Umfeld war an ihre Familie gebunden. Gleichzeitig begriff Aylin, dass diese Heirat für sie die totale Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit, ihrer Rechte und ihrer Entwicklung bedeuten würde.Nach dem Abwägen ihrer Optionen entschloss sich Aylin dafür, in ein Frauenhaus zu gehen. Gemeinsam mit Aylin wurde ihre Flucht geplant. In den Beratungsgesprächen wurden Sicherheitsmaßnahmen entwickelt, Notfallkontakte vorbereitet und Handlungsmöglichkeiten besprochen. Durch die frühzeitige Unterstützung konnte Aylin ihre Situation besser einschätzen und Schutzmöglichkeiten nutzen.
ZORA – Anlauf- und Beratungsstelle für Mädchen* und junge Frauen* in Wiesbaden ist eine der Hessischen Fachstellen im 2RegionenNetzwerk gegen Gewalt im Namen von „Ehre“, Tradition oder Glauben und unterstützt Betroffene vertraulich, kostenfrei, auf Wunsch anonym.
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