Südwest Presse: KOMMENTAR · BARENBOIM

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KOMMENTAR · BARENBOIM

Umarmung der Feinde Ist es Kunst? Ist es Politik? Bei Daniel
Barenboim lassen sich die Sphären nicht trennen. Wo er dirigiert,
geht es stets um hohen Musikgenuss – nicht selten auch um Politik.
Mit seinen Orchestern schwebt der Weltstar, der vier
Staatsbürgerschaften besitzt, über politischen Wirklichkeiten, vor
allem über jenen, die Menschen trennen. Sein arabisch-israelisches
West-Eastern Divan Orchestra hat mehr Begegnungen ermöglicht als viel
politische Erklärungen. Dass er für dieses Engagement nicht nur
geschätzt, sondern auch angefeindet wird, hat den Musiker nie
gebremst. Der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper sendet mit
seinen Auftritten unverwechselbare Botschaften aus. Bald auch in
Teheran, wo der Stardirigent einen Auftritt plant. Die Ankündigung
ist ein Zeichen für die politische Zeitenwende: Der Iran wird vom
Westen nach dem Atomkompromiss nicht mehr isoliert. Doch Feindbilder
fallen langsam. Musik kann auf subtile Weise Sinne, Herzen und
mentale Blockaden öffnen. Genussvoller als durch ein Konzert mit
Barenboim ist das kaum denkbar. Die realen Risiken sind begrenzt,
auch wenn Israels Kulturministerin Regev alle Hebel zu bewegen
versucht, das Vorhaben zu verhindern. Sie sorgt sich nicht um neue
Bedrohung in der Wirklichkeit, sondern um den Verlust alter
Aggressionen. Genau das jedoch ist vermutlich Barenboims Plan. Mit
seiner Musik umarmt er seit jeher politische Feinde.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

Beitrag von auf 27. August 2015. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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