„Tabu Wechseljahre – Nicht mit uns!“: Film mit Julia Westlake und anderen Frauen aus der Kulturszene im NDR „Kulturjournal“

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Termin: ab Mittwoch, 16. Juni, in der ARD Mediathek; am Montag, 9. August, um 22.45 Uhr im NDR Fernsehen

Die Wechseljahre sind eines der letzten großen Tabuthemen unserer Gesellschaft. Bis heute gibt es darüber viel Unwissenheit, Klischees und Mythen – und das, obwohl die Hälfte der Menschheit die Wechseljahre irgendwann erlebt. Aktuell sind es in Deutschland gut sieben Millionen Frauen. Für das NDR „Kulturjournal“ hat Moderatorin Julia Westlake (49) Frauen aus der Kulturszene getroffen, die für ein neues Bild der Frau in der Menopause kämpfen, und erzählt auch von ihren eigenen Erfahrungen. Sie will wissen, woher die Angst, die Verlegenheit und die Unwissenheit in Bezug auf die Wechseljahre kommen und wie sich diese Phase des Umbruchs neu als Abenteuer und Neubeginn deuten lässt. Der 15-minütige Film „Tabu Wechseljahre – Nicht mit uns!“ von Natascha Geier läuft ab Mittwoch, 16. Juni, in der ARD Mediathek; am Montag, 9. August, ist er um 22.45 Uhr im „Kulturjournal“ im NDR Fernsehen zu sehen.

In Hamburg zum Beispiel hat Julia Westlake mit der Journalistin Silke Burmester gesprochen. Diese hat die Online Plattform „Palais Fluxx“ gegründet, dezidiert für Frauen ab 47. Um ihnen ein Forum zu geben – aber auch, um über all die Themen zu sprechen und schreiben, die in der öffentlichen Debatte sonst nicht oft vorkommen. Gynäkologin und Autorin Sheila de Liz ist Vorkämpferin für mehr Wissen über die Wechseljahre. Sie findet, das Thema sei auch von der Wissenschaft viel zu lange ignoriert worden. Dabei böten die Wechseljahre die Chance, noch besser zu sich selbst zu finden.

Die Erfahrung zeigt jedoch auch, dass Frauen in oder nach den Wechseljahren oft weniger sichtbar sind. So bekommen ältere Schauspielerinnen im Schnitt weit weniger Rollenangebote als gleichaltrige Männer. Und wenn sie vorkommen, dann oft als Stereotype. Anna Bergmann, Schauspieldirektorin in Karlsruhe, beschäftigt nicht nur hauptsächlich Autorinnen und Regisseurinnen – sondern besetzt auch vermehrt Schauspielerinnen, die deutlich über vierzig sind. Sängerin Peaches fordert: Wir müssen aufhören, uns für die Wechseljahre zu schämen. Klischees zerlegt sie mit Verve und Witz. Auch in der Literatur gibt es kaum ältere Frauen als Heldinnen. Autorin Simone Buchholz stellt deshalb ganz bewusst in ihrer Krimi-Reihe eine coole, ältere Frau in den Mittelpunkt.

Zitate aus dem Film

Anna Bergmann, Schauspieldirektorin:

„Jede Frau wird irgendwann in die Wechseljahre kommen, jede Frau wird irgendwann erfahren, was es heißt, in einen Raum zu treten und nicht jeder Mann dreht sich um und prüft die Fuckability.“

„Es wirkt sich total auf das Selbstverständnis, auf die Selbstwahrnehmung aus, wenn du in dem Alter als Frau nicht mehr vorkommst. Das ist auch etwas, was ausstrahlt in die Gesellschaft. Es werden Frauen gecastet für einen Film, für eine 40-jährige, 45-Jährige. Aber die Schauspielerin, die das spielt, ist Anfang 30, Ende 20. Da stimmt ja auch etwas nicht mit der Realität und der Wahrnehmung.“

Silke Burmester, Journalistin:

„Da gibt es einen ganzen Katalog, und der ist mit dem Wort ‚Mangel‘ überschrieben. Also angeblich wird alles weniger. Die Haare werden dünner, die Haut wird dünner, die Scheide trocknet aus, die Energie wird weniger und die Libido. Also angeblich wird alles weniger.“

„Bis dahin war das immer so linear, selbst Kinderkriegen und ein Erwachsensein war `was Lineares. Und jetzt ist gerade Ramba-Zamba. Da passiert so viel. Ich weiß nicht, wo es hingeht. Das ist irre aufregend.“

Lisa Lucassen, Performerin:

„Einer Schauspielerin, die wir kennengelernt haben, wurde dann angeboten, sie könne ja gerne weiter als Souffleuse arbeiten.“

Sheila de Liz, Gynakölogin und Autorin:

„Viele Frauen bekommen immer noch in den Frauenarztpraxen gesagt: ‚Nein, da müssen Sie durch‘ oder ‚Sie sind halt jetzt alt und Sie müssen Ihre Träume begraben‘.“

„Diese emotionale Instabilität, die man in der Pubertät bekommt und die man sein Leben lang im Prinzip versucht zu bekämpfen, das streift man ab oft in den Wechseljahren. Und wird so ein bisschen der Mensch, die Frau, die man immer sein wollte.“

Simone Buchholz, Schriftstellerin:

„Vielleicht ist das Unsichtbar-Machen von Frauen in dem Alter auch so eine narzisstische Kränkung der Männer, weil die Frauen einfach durch sind mit dem Thema. Nicht, weil sie mit ihrer Sexualität durch sind, sondern weil sie mit den Strukturen durch sind. Man hat keinen Bock mehr auf dieses ganze Mansplaining und alles, was dazugehört.“

„Königinnen sind nun mal nicht 30, üblicherweise. Musst auch ein gewisses Alter erreichen, um diese Krone mit Würde tragen zu können.“

Lisa Lucassen, Performerin SheShePop:

„Das wichtigste Bild ist ja dieser Körper, der auf bestimmte Weise aussehen soll. Das hat irgendwie so überhandgenommen, wie wichtig das genommen wird, was man verliert. Was man aber kriegt, einen Zuwachs von Erfahrung, von Weisheit, von Gelassenheit, von ‚Sich nicht mehr jeden Dreck gefallen lassen‘ – das kommt in dieser Rechnung überhaupt nicht vor.“

Peaches, Musikerin:

„Wir müssen die Wechseljahre neu denken, sie uns aneignen und aufhören, uns dafür zu schämen. Scham, Scham, Scham – hört auf damit!“

Der Film „Tabu Wechseljahre – Nicht mit uns!“ steht zur Ansicht im digitalen Vorführraum des NDR Presseportals (www.NDR.de/presse).

Pressekontakt:

Norddeutscher Rundfunk
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Presse und Kommunikation
Iris Bents
Tel.: 040/4156-230
Mail: i.bents@ndr.de

Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

Beitrag von auf 14. Juni 2021. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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