Christian Roeckenschuss – Ein vergessener Pionier der Hard-Edge-Malerei

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Der Berliner Künstler Christian Roeckenschuss (1929–2011)
Ein Vergessener Pionier der Hard-Edge-Malerei

In den vergangenen Jahren hat es gerade in Berlin immer wieder Entdeckungen bzgl. der künstlerischen Entwicklung innerhalb der Nachkriegskunst gegeben, die zu Korrekturen und Neuinterpretationen in der Kunstgeschichte Anlass gaben.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Berliner Künstler Christian Roeckenschuss (1929-2011) aufmerksam machen und einen besonders interessanten und bisher unbekannten Aspekt seiner Kunst hervorheben. In Folge einer umfassenden Sichtung des Nachlasses des Künstlers, vor allem der noch vorhandenen Skizzen und Entwürfe, hat es mich überrascht, dass Christian Roeckenschuss in der überregionalen Kunstrezeption bislang nicht vorkommt, obwohl der Künstler nachweislich zu den frühen Akteuren der Fortentwicklung der abstrakten Malerei nach dem Weltkrieg zählt. Beispielsweise entwickelte Roeckenschuss bereits im Jahr 1956, also in einer sehr frühen Phase abstrakter Kunstentwicklung nach dem Kriege, eine sehr individuell ausgeprägte Form der Farbfeldmalerei.

Bekannt ist, dass Roeckenschuss während der letzten Semester seines Studiums an der Hochschule der Bildenden Künste (1951-1957) im Umfeld der der internationalen abstrakten Moderne, dem Bauhaus sowie der konstruktiven Kunst zugewandten Kunst-Professoren Hans Uhlmann, Alexander Camaro, (die beide an der ersten Documenta (1955) teilnahmen, sein vom Gegenstand befreites und auf klare geometrischen Formen reduziertes Kunstkonzept ausprägt. Schon aus dem Jahr 1956, also noch aus dem Studium, liegen von Christian Roeckenschuss eine Vielzahl kleinformatiger Ölkreideskizzen und Entwürfe geometrischer Konstruktionen vor (siehe Anlage). Diese Entwürfe lassen erkennen, dass Roeckenschuss‘ Entwicklung u.a. auch in Richtung besonderer Varianten der Farbfeldmalerei verlief und der Künstler bereits 1957 über eine Vielzahl von Skizzen eine individuelle Form der amerikanischen Hard-Edge Malerei heraus formuliert hat, und so zu einem Pionier der Hard-Edge-Kunst in Deutschland avancierte.

Dass Christian Roeckenschuss ein Jahr später aus seinen Skizzen der amerikanischen Hard-Edge-Kunst vergleichbare Konstruktionen realisierte – beispielsweise 1958 seine Geometrische Konstruktion K288 – ist bis heute in der Kunstrezeption erstaunlicher Weise völlig unbeachtet geblieben. Bis heute gilt der Emetzheimer Künstler Georg Karl Pfahler als der einzige Repräsentant des Hard-Edge in Deutschland, obwohl er erst ab etwa 1962 Hard-Edge malte.

In den 1960er Jahren experimentierte Christian Roeckenschuss mit diversen Materialien und richtete seine Kompositionen reduzierter geometrischer Formen und Farben noch minimalistischer und einfacher aus als in den Jahren zuvor. In den 1970er Jahren begann er dann seine „séquences chromatiques“ (Streifenbilder), die er bis zu seinem Tod im Jahr 2011 fortsetzte.

André Lindhorst, 2016
Köppe Contemporary

Beitrag von auf 4. Oktober 2016. Abgelegt unter Kunst & Kultur, Vermischtes. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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