„Dahoam-Winter“ und der Traum vom Christkind im Silberwald

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In der „retronovativen“ Silberregion Karwendel ticken die Uhren etwas anders: Leiser und exakt im Rhythmus der Jahreszeit. Im Advent werden alte Traditionen, streng gehütete Rezepte und Wintersport wie früher gelebt.
Im Schwazer Silberwald gelingt es tatsächlich noch, an die Tiroler Traditionen anzuknüpfen und die schönsten Kindheitserinnerungen zu wecken. Um zum dortigen Christkindfest zu gelangen, nimmt man den Waldweg, der mit Feuern ausgeleuchtet wird. Das Gehen stimmt bereits auf die Ruhe und die „anderen Zeiten“ ein, die man dort erwarten darf. An den Ständen wird nämlich nichts ge- oder verkauft, sondern nur geschenkt. Für die musikalische Umrahmung sorgen Chöre, Weisenbläser und andere Weihnachtsmusikanten mit teilweise uraltem Liedgut. Die Musik der Sänger und Ensembles strahlt während der gesamten Vorweihnachtszeit auch das „Radio Christkind“ im Silberwald aus. Kinder können ihre Weihnachtspost beim Postamt Christkind in der Franz-Josef-Straße Nummer 6 in einen nostalgischen Briefkasten werfen (02.11.–15.12.16).

Christkindfest im Schwazer Silberwald
Sa., 03.12.16: Weihnacht der Tiere – vierbeinige Lieblinge können mitgebracht werden
Sa., 10.12.16: Kinderweihnacht mit Wichteln
Sa., 17.12.16: Weihnachtsmesse
www.christkindfest.at, www.radio-christkind.at, www.postamt-christkind.at

Sehnsucht nach Liedern, Düften und Stille

Zu den Besonderheiten des Advents in der Silberregion Karwendel gehört auch der Duft nach dem Schwazer Traditionsgebäck, den so genannten „Migala“. Nur für kurze Zeit können sich Einheimische und Gästen an dem süßen Schwarzbrot mit Rosinen und einer speziellen Gewürzmischung erfreuen. Das Rezept der „Schwazer Besonderheit mit Korinthen“ kennen nicht viele – es wird gehütet wie ein Schatz und fast nur innerhalb der Bäckerfamilien weitergegeben. Gegessen werden die Migala traditionell mit Butter und Kaffee zum Frühstück oder einfach als Jause zwischendurch. Sie haben die Form von Zeilen wodurch einzelne Stücke einfach abgebrochen werden können. Für das stimmige Bauchgefühl sind in der Silberregion Karwendel außerdem die „Anklöpfler“ zuständig. Der Volksliedchor hält diesen uralten Brauch lebendig: Die Sänger bringen den Weihnachtszauber als Hirten verkleidet mit Hut, Stock und Laterne in die Stuben. Schon wenn man sie von weitem kommen hört, spürt man ein Gefühl von Frieden und Zufriedenheit in sich aufkeimen.

Der Bojazl tanzt die Fasnacht ein

2011 wurde das Anklöpfeln zum UNESCO-Kulturerbe erklärt, ebenso wie der Fasching, weil beide Bräuche für das Echte, abseits des Alltäglichen und Austauschbaren, stehen. In den Fasnächten treten die Weerer Muller und Schellenschlager, eine Brauchtumstruppe mit Bojazl (= Bajazzo), Vortänzern, Plattlern, Hexen, dem prächtigen Spiegeltuxer sowie verschiedensten Fruchtbarkeitsfiguren in Erscheinung. Aus jungen Männern werden Flitscherler, Zottler oder Klötzler, die mit ihren riesigen Schellen und lautem Geschrei weithin hörbar sind. Anzutreffen ist die Truppe an jedem Donnerstag zwischen Dreikönigstag und Aschermittwoch – und dem traditionellen Faschingsball in Weer.

Winter wie früher: Mit Ski und Rodel zur gemütlichen Einkehr

Für ein authentisches Wintererlebnis abseits des Massentourismus stehen die kleinen Skigebiete in der Silberregion Karwendel. Am Kellerjoch bei Schwaz, in Weerberg, in Kolsassberg und in Stans ist der Skisport noch ein echtes Naturerlebnis. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Skikurse, die für Kinder, aber auch in eigenen Gruppen für Erwachsene geboten werden, besonders beliebt sind. Weil außerdem Schlittenfahren hoch im Kurs ist, gibt es in der Silberregion Karwendel sogar noch einen der letzten traditionellen Rodelbauer der Alpen: Bernhard Lederwasch in Buch. Doch egal, ob man mit den Ski oder mit der Rodel den Berg hinunterbraust: Die Einkehr in einer der urigen Skihütten, zum Aufwärmen und gemütlich Beisammensitzen gehört in der Silberregion Karwendel zum Wintersport dazu. Die traditionellen Tiroler Gasthöfe bringen besonders viele Schmankerl von Bauern aus der Region auf den Tisch – ihre prämierten Speck- und Wurstsorten, Graukäse, Bergkäse sowie Fruchtweine und Edelbrände, die so gut zur Jause passen. Auf einem alt eingesessenen Bauernhof in Schwaz kann man sich von Bäuerin Evi im Rahmen des Silbercard Winterprogramms (26.12.16–17.03.17) die wichtigsten „Zutaten“ fürs Brotbacken zeigen lassen: Vom Korn mahlen über die Teigverarbeitung bis zum Backen im Holzofen.

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Beitrag von auf 25. Oktober 2016. Abgelegt unter Urlaub & Reisen. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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