Gründe für die Nachwuchssorgen in der Nutztierpraxis

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Mehr und mehr Nutztierärzte fehlen auf dem Land, um Kühe und Schweine tiergesundheitlich zu betreuen. Die Ursachen sind mannigfaltig, wobei die Abiturnote (Zulassung zwischen 1,0 und 1,4) die erste Hürde ist, ob man den Berufswunsch Tierärztin oder Tierarzt verwirklichen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die „work-live-balance“, die heute eine viel wichtigere Rolle spielt als früher. In der Nutztierpraxis arbeitet man oft mehr als zehn Stunden pro Tag, dazu kommen Nachtdienste und Wochenenddienste – nicht unbedingt ein auf Freizeit ausgelegter Beruf. Der Tierarztberuf in der Nutztierpraxis muss Berufung sein – dann ist die „work-live-balance“ kein Problem. Was aber häufig nicht als einer der wichtigsten Gründe des Land-Tierärztemangels genannt wird, ist z. B. die überbordenden Bürokratie, die „Bevormundung“ durch z. T. unsinnige Gesetzgebungen, oft nicht nachvollziehbare Verordnungen, die ausgewucherten Dokumentationspflichten, aber auch die zum Teil übertriebenen Kontrollen von Tierarztpraxen durch die Überwachungsbehörden, die so weit gehen, dass z. B. unterschiedliche Temperaturbereiche in Kühlschränken verlangt werden (3 Grad, 6 Grad, 8 Grad). Nicht tierärztliche Arbeiten in den Tierarztpraxen, die nicht einmal honoriert werden, nehmen aufgrund der vielen Vorgaben mittlerweile mehr Zeit in Anspruch als die Arbeit an und mit den Tieren. „Da macht der Tierarztberuf keinen Spaß mehr“, klagen viele Praktiker. Natürlich halten Tierärzte sich an Gesetze und Verordnungen. Dies ist eine Selbstverständlichkeit, denn sie sind dem Tierschutz und dem Verbraucherschutz verpflichtet.
Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) greift u.a. die „Gesetzesproblematiken“ in der gemeinsamen Sektion der 19. AVA-Haupttagung am 28. März auf und hat dazu hochkarätigste Referenten geladen: Dr. Arno Piontkowski, Referatsleiter Tierarzneimittel und Tiergesundheit beim MULNV NRW, zeigt auf, was das Neue EU-Tierarzneimittelrecht für den Nutztierpraktiker bedeutet. (Eine Menge Zündstoff). Rechtsanwalt und Tierarzneimittelspezialist Dr. jur. Wolfgang Hansen, Starnberg, berichtet über „seine Erfahrungen“ als spezialisierter Anwalt mit den Behörden und Gerichten zu den neuen Regelungen der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV). Tiermedizinisch-juristische Fragen betreffen heute jeden Veterinär. Natürlich leiden Veterinäre auch unter dem starken Imageverlust der Landwirtschaft. Prof. Dr. Matthias Gauly, aus Bozen nimmt sich des Themas an und versucht Lösungswege aufzuzeigen, wie die Nutztierpraxis helfen kann, die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung zu verbessern. Letztendlich diskutiert Frau Prof. Dr. Johanna Fink-Gremmels aus Utrecht zum Thema „Leaky gut (der „durchlässige Darm“): Ursachen und Wirkungen – die Konsequenz für den Tierarzt“. Sie sieht im „durchlässige Darm “ u.a. die Ursachen und Lösungen zum Antibiotikagebrauch in der Tiermedizin. Spannende Ausführungen von A bis Z, die man unbedingt gehört haben muss.
Tierärzte sind herzlichst eingeladen, die 19. AVA-Haupttagung vom 27. bis 30. März in Göttingen im Hotel „Freizeit In“ zu besuchen. Alle Informationen zum Programm der beiden Sektionen RIND und SCHWEIN nebst der Formalia finden Sie auf der AVA-Homepage unter www.ava1.de .

Beitrag von auf 18. Januar 2019. Abgelegt unter Forschung. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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