Martina Gedeck: Die Kamera hat mich von Selbstzweifeln befreit

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Martina Gedeck: Die Kamera hat mich von Selbstzweifeln befreit

Schauspielerin fühlt sich beim Drehen unbeobachtet und plädiert für Wiederaufnahme von Dreharbeiten unter Quarantänebedingungen – Während der Corona-Krise die Liebe zur Hausarbeit entdeckt

Osnabrück. Schauspielerin Martina Gedeck hat in den ersten Jahren mit ihrem Beruf gehadert: “Als Schauspielerin steht man ja mit seinem ganzen Instrumentarium, dem Körper, dem Geist und der Seele, auf der Bühne und zeigt sich. Am Anfang ist es sehr ungewöhnlich, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen und von allen angeschaut zu werden”, sagte sie im Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ). “Das kann schon etwas Einschüchterndes haben, da fühlt man sich erst mal unwohl und möchte eigentlich nicht beobachtet werden.” Der Umschwung sei mit dem Wechsel vom Theater zum Film gekommen, berichtete Gedeck: “Ich muss sagen, dass die Kamera mich eigentlich befreit hat. Das ist ein relativ neutrales schwarzes Auge, das einen begleitet. In dem Moment, in dem die Kamera läuft, ist alles andere nicht mehr erlaubt. Das heißt: Ich sehe niemanden mehr, der mich anschaut – außer der Kamera. Deshalb fühlte ich mich vor der Kamera eigentlich immer sehr unbeobachtet. In dem Moment, in dem ich mit der Kamera und einer Spielsituation völlig alleine bin, kann ich mich auch fallen lassen.”

Fasziniert habe sie die Schauspielerei schon von Kindesbeinen an, sagte Gedeck: “Am meisten beeindruckt hat mich ein Theaterstück, das ich mit der Schule in Landshut gesehen habe. Es war ein Märchen, in dem Pflanzen und der ganze Wald anfingen zu sprechen und sich zu bewegen. Das waren natürlich verkleidete Schauspieler, aber als Kind habe ich das nicht unterscheiden können. Für mich war das, als ob meine ganze Fantasiewelt zum Leben erweckt würde. Da ist im Theater genau das passiert, was ich mir heimlich immer vorgestellt hatte. Und ich dachte: Siehst du, ich hatte doch recht. Deswegen habe ich dahin gewollt, seit diesem Moment fühlte ich mich davon angezogen.”

Nach der Corona-Zwangspause würde sie gerne wieder drehen, allerdings unter veränderten Vorzeichen, sagte Gedeck: “Die Schauspieler müssen getestet werden – wobei die Tests ja auch keine hundertprozentige Sicherheit garantieren.” Sie würde das Team so klein wie möglich halten und alle, auch die Schauspieler, in einem Gebäude zusammenbringen, das unter Quarantäne gestellt wird, und versuchen, unter diesen “Internatsbedingungen” innerhalb von zwei Wochen in diesem Gebäude einen Film zu drehen: “Also Arbeiten und Wohnen am selben Ort. Damit alle in einem Boot sitzen und sich keine Gedanken machen müssen, wer in seiner Freizeit mit wem zusammen war. Nach zwei Wochen sollte es dann aber auch vorbei sein.”

Die Corona-Krise habe sie in ihrem Haus in Berlin verbracht und dabei ganz neue Seiten des Lebens entdeckt, berichtete die Schauspielerin: “In den letzten Monaten habe ich angefangen, mich um die Dinge im Haus zu sorgen und zu kümmern. Dazu habe ich wirklich eine andere Beziehung gewonnen, das macht mir Spaß.”

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Beitrag von auf 12. Juni 2020. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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