Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Sampling: Kunst lebt von Zitaten von Katharina Kellner

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Die ganze Sache mutet bizarr an. Da befassen
sich Gerichte seit 18 Jahren mit dem Streit um einen
Zwei-Sekunden-Beat – und eine endgültige Lösung immer noch nicht in
Sicht. Unzählige Beispiele gibt es in der Kulturgeschichte, dass es
in der Musik, der Bildenden Kunst und der Literatur immer schon
Zitate gab – mal als Hommage an das Original, mal als Abgrenzung. Das
bereichert die Kunst. Im Hip-Hop gehört das Sampeln sozusagen zur DNA
des Genres – und ist dank digitaler Technik immer einfacher geworden.
Nun ist der Schutz des geistigen Eigentums eine Errungenschaft. Doch
er kann nicht bedeuten, dass neu entstandene Werke gar nicht mehr
verbreitet werden dürfen, nur weil sich winzige Fragmente eines
anderen Werkes darin finden. Das ist ein Einschnitt in die Freiheit
der Kunst. Dagegen stehen wirtschaftliche Interessen. Auch wenn ein
Fragment ungefragt übernommen wird – ein wirklicher Diebstahl ist es
nicht. Im Original bleibt es vorhanden. Somit hatte Pelham zwar
weniger Arbeit (und Ausgaben), als er den „Kraftwerk“-Loop in Setlurs
Song „Nur mir“ einbaute. Doch der Absatz der „Kraftwerk“-Platte aus
dem Jahr 1977 ist wegen Pelhams Soundklau nicht eingebrochen. Anders
ist die Situation sicher, wenn ein gesampelter Song die Charts stürmt
und sein Produzent – auch dank des Originals – ordentlich Kasse
macht. Dann muss der Verwender den Original-Produzenten beteiligen.
Die Richter haben dem Gesetzgeber einen Wink gegeben, eine
Bezahlpflicht einzuführen.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Beitrag von auf 31. Mai 2016. Abgelegt unter Kunst & Kultur. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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