Vorbild Dänemark / Kommentar der Allgemeinen Zeitung Mainz zum Impfen

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Dänemark hat die Coronabeschränkungen beendet, das Virus gilt dort als „nicht mehr gesellschaftskritisch“. In Deutschland ist das noch unvorstellbar. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist der Corona-Kurs hierzulande generell restriktiver (ohne dass die Bilanz nun besser wäre als in Dänemark, im Gegenteil). Der zweite Grund: Die Dänen sind einfach weiter beim Impfen. Knapp 83 Prozent der Impfberechtigten sind vollständig geimpft, in Deutschland nur rund 69 Prozent. Bei den Über-60-Jährigen sind es in Dänemark rund 95 Prozent, in Deutschland nur knapp 83 Prozent. Gemeinsam ist beiden Ländern, dass keinesfalls sicher ist, wie sich die Lage nun entwickelt. Kann sein, dass Dänemark den Schritt noch bereut. Kann sein, dass das deutsche Gesundheitssystem doch nicht so stark belastet wird wie befürchtet. Hierzulande hat die Inzidenz jedenfalls als allein entscheidender Faktor ausgedient. Sie bleibt der wichtigste Frühindikator, wird aber ergänzt um die Lage in den Kliniken. Dieser Schritt ist überfällig – auch wenn er zunächst für neue Verwirrung sorgen wird. Weil man sich nicht auf ein bundesweites Stufensystem geeinigt hat, führt nun jedes Bundesland sein eigenes ein. Rheinland-Pfalz am Wochenende, Hessen folgt in Kürze. Abermals drohen viele unterschiedliche Regeln. Einheitlich ist das Ziel: Für Geimpfte und Genesene soll es wieder sehr viel Normalität geben, für Nicht-Geimpfte wird die Teilnahme am öffentlichen Leben massiv erschwert. Das ist einerseits nachvollziehbar – wird aber andererseits eine gespaltene Gesellschaft noch weiter auseinanderbringen. Abgesehen davon, dass die Regeln auch kontrolliert werden müssen: Bei Impfgegnern dürften sie eine Gegenreaktion bewirken. Und: Ob nun „2G“ oder „3G“, ob eine Abfrage nach dem Impfstatus oder keine Lohnfortzahlung für Ungeimpfte bei Quarantäne – inzwischen wäre eine Impfpflicht, zumindest in bestimmten Berufen, konsequenter und ehrlicher. Entscheidend ist nun die noch immer große Gruppe derjenigen Erwachsenen, die sich aus Unsicherheit, Unwissenheit oder Bequemlichkeit noch nicht haben impfen lassen. Auf sie kommt es an, sie müssen motiviert und überzeugt werden. Jetzt gibt es immerhin eine bundesweite „Impfaktionswoche“ – aber wo ist parallel dazu, und zwar schon seit vielen Wochen, die breite Social-Media-Kampagne mit jungen und mittelalten Schauspielern, Influencern, Rappern? Auch mit Migrationshintergrund? Deutschland hatte Uschi Glas und Günther Jauch, der bei seinem Impf-Werbebild gar nicht geimpft war. Bislang schwankt die Kampagne fürs Impfen zwischen Alarm und Appell, zwischen ausbaufähig und außerordentlich peinlich. Das ist ein Kommunikationsproblem – und fällt uns jetzt auf die Füße.

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Beitrag von auf 12. September 2021. Abgelegt unter Gesundheit. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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