Wie Europa durch die Pilgerwege geprägt wurde

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“Nicht alle die wandern, gehen verloren” sagte bereits J.R.R. Tolkien. Und für Abenteurer, die die physischen, kulturellen und emotionalen Wunder einer Wanderreise durch die vielfältigen und beeindruckenden Landschaften von Europa erlebt haben, könnte das nicht wahrer sein.

Noch heute haben Reisende die Möglichkeit, die historischen Pfade und Pilgerwege, die es schon seit Jahrhunderten gibt, in einem Wanderurlaub zu erleben. Aber viele wissen nicht einmal, wie wichtig diese Wege für die Prägung der europäischen Identität und Geschichte sind.

Eine uralte Tradition

Durch die rasche Verbreitung des Christentums im Europa des 10. und 11. Jahrhunderts wurden Pilgerreisen ein fester Bestandteil des Lebens im Mittelalter. Eine große Zahl von Menschen begann zu den heiligen Stätten zu pilgern und so bildete sich ein komplexes Netzwerk aus Pilgerpfaden durch den Osten, Westen, Norden und Süden Europas.

Nach Rom, Santiago, Jerusalem, Utrecht, Cluny und Canterbury führend, und eine Vielzahl von anderen Reisezielen verbindend, bildeten die Pilgerwege die Grundlage für viele Routen, die Sie auch heute noch im Rahmen eines Wanderurlaubs bewandern können.

Wachstum und Wohlstand

Mit der wachsenden Zahl von Pilgern wuchsen auch die Dörfer und Gemeinschaften entlang der Pfade und entwickelten sich schnell zu Städten mit Kirchen, Klöstern, Hospitalen und Stadthäusern. Brücken und Straßen wurden verbessert, um dem konstanten Fluß von Pilgern sowie der Armeen und Händler gerecht zu werden.

Die Menschen, die durch die Städte entlang der Pilgerwege kamen, brachten eine Vielzahl von kulturellen, politischen und religiösen Ideen mit sich, die sich auch unter den ansässigen Bewohnern der Städte verbreiteten. Durch diese Verbreitung von Wissen entwickelte sich nicht nur der Handel, sondern auch ein reger Austausch von Ideen und technischen Innovationen.

Die Entwicklung einer europäischen Identität

Die Routen – als caminos (Pfade) bekannt – wurden die Lebensadern des Handels, der Bildung und der kulturen Verständigung und schufen eine neue, geteilte europäische Identität. Dies zeigte sich in den künstlerischen und architektonischen Stilen überall auf dem europäischen Kontinent. Beispielsweise dem Stil des Romanesque oder dem auch als Arte Nouveau bekannten Jugendstil. Populär für über drei Jahrhunderte gelten diese als erste Zeichen für eine gemeinsame Identität.

Ein weiterer Teil der Europäischen Gemeinschaft war die Verbindung zwischen den Bewegungen der Pilger und der Verbreitung von literarischen Werken von für die Zeit wichtigen Autoren wie Chanson de Roland, Chanson d’Orgier und König Artus.

Eine der wichtigsten Verbindungen wurde durch den bedeutenden Schriftsteller Dante Alighieri gebildet. In seinem berühmten Werk „Die göttliche Komödie“ bezeichnete er sich selbst als Pilger. Außerdem widmete er seinen Opus Vita Nova der Beschreibung des Aktes und der Bedeutung der Pilgerfahrt. Er entwickelte ein Konzept von drei verschiedenen Arten von Pilgerfahrten basierend auf den Routen und Reisezielen: Palmieri – die nach Jerusalem reisen; Peregrini – die nach Santiago reisen; und Romei – die nach Rom reisen.

Moderne Pilgerfahrten

Während sich das Europa, das heute auf den Wanderurlauben erkundet werden kann, sicherlich sehr stark von dem Europa der ersten mittelalterlichen Reisenden unterschied, ist die Idee von Entdeckung, Abenteuer und kulturellem Austausch immer noch dieselbe. Und wenn wir weiter wandern, obwohl wir nicht verloren sind, sind wir dann nicht auch alle moderne Pilger?

Beitrag von auf 26. Oktober 2016. Abgelegt unter Urlaub & Reisen. Nachricht folgen durch RSS 2.0. Nachricht hinterlassen oder Trackback

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